Gruß aus der Urwelt

Hochwasser können mitunter immense Schäden hinterlassen, wie erst jüngst geschehen. Manchmal werden dadurch aber auch Schätze aus der Vergangenheit aus den Tiefen an die Flussufer gespült. Einen besonderen Fund machte jetzt Franz Kraus beim Morgenspaziergang.

Der Ammonit im Kalkstein ist nur einer von vielen historischen Funden, die Franz Kraus entdeckt hat. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 23.09.2021 | Text: Eva Heyder | Foto: Lenz)Jagen und Sammeln – was für unsere steinzeitlichen Vorfahren Lebensgrundlage war, ist für den Altriper Franz Kraus Hobby. Seit fast 50 Jahren ist der 69-jährige Hobbyjäger, in puncto Sammeln haben es ihm alte Altriper Postkarten aus dem 19. Jahrhundert bis in die Neuzeit und ganz besonders Steine angetan. Jeden Tag zieht er mit seiner Bella, einem bayerischen Gebirgsschweißhund, seine Runden und bringt es dabei auf zehn Kilometer am Tag. Seine Ausdauer wird aber auch durch ein wenig Neugierde beflügelt. „Ich schaue mir an, was sich über Nacht verändert hat“, erzählt Kraus.

Seit sieben Jahren genießt er nach 46 Jahren Berufstätigkeit als Maschinenbautechniker bei Giulini und der Engelsmann-AG seinen Ruhestand und seine ausgiebigen Spaziergänge. Nach jedem Hochwasser zieht es ihn besonders ans Rheinufer. So kam er bei einer seiner allmorgendlichen Touren auf einer Kiesbank in der Nähe der Altriper Fähre einer absoluten Seltenheit auf die Spur. Zwischen unzähligen gewöhnlichen Kieselsteinen konnte er einen besonderen etwa 18 Zentimeter breiten Kalkstein ausfindig machen, in den ein Ammonit von sieben Zentimetern Durchmesser eingebettet ist. Deutlich ist der spiralförmige Abdruck des Meeresweichtieres zu sehen, dessen frühesten Exemplare schon im Devon, also vor über 400 Millionen Jahren auftauchten. Der auch als Umweltbeauftragter der Gemeinde Altrip aktive Kraus vermutet die Herkunft des Fossils in der Schweiz.

Wie auch die des Golds, das er schon seit Jahren in akribischer und mühevoller Kleinarbeit aus dem Sand von Vater Rhein herauswäscht. Ein Indiz dafür ist der dunkelfarbige Magnetit. Lässt dieser sich optisch ausmachen „weiß ich, dass der Sand goldhaltig ist“, sagt der Hobby-Goldwäscher. Für einen Laien sei das jedoch eher schwierig „Man braucht das Auge dafür“, betont er. Mehr noch braucht es Geduld. Um das Material für die 999-er Gold-Eheringe seiner Tochter Christine zu gewinnen, die sich im Oktober verbunden mit einem großen Fest trauen lässt, hat er mehrere Jahre benötigt. Ansonsten nur eine Schüssel, einen Pinsel und ein kleines Gläschen und eben seine Hände.

Andere Schätze, wie besondere Steine, trägt er meistens in der Hosentasche nach Hause. Ehefrau Karin, die zuständig für die Wäsche ist, ist darüber nicht immer beglückt: „Überall sind Steine drin“, verrät sie mit einem Schmunzeln. Auch wenn sie die Begeisterung ihres Ehemannes für seine Sammelleidenschaft nicht ganz teilt, so aber doch für die gemeinsame Pflege und Aufzucht von Tieren. Im Spaß nennen sich die Eheleute „Tierauffangstation Kraus“. Sie haben schon Greifvögel, Wildschweinfrischlinge und ein Reh aufgepäppelt und bis zur Auswilderung großgezogen. Oder sie kümmern sich liebevoll um durch Unfälle oder Kampf verletzte Tiere. Franz Kraus wird nämlich des Öfteren gerufen, um mit seiner Jägerexpertise zu beurteilen, ob Überlebenschancen für das verunglückte Tier bestehen. In Keller überwintern neben Karin Kraus’ Schildkröten auch mal der ein oder andere Igel.

Diesen Schützlingen könnte er niemals etwas antun. Dennoch muss er sich in seiner Funktion als Pächter – er teilt die circa 600 Hektar große Altriper Pacht mit einem Freund – darum kümmern, dass der Wildschweinbestand nicht überhandnimmt und die Felder der umliegenden Bauern von den Schwarzkitteln verschont bleiben. Dass er mit Leib und Seele Jäger ist, drückt auch die Farbe seiner Kleidung aus. Fast immer trage er Grün, erzählt er. Das habe ihm auch den Spitznamen „der grüne Kraus“ eingebracht.

Und was ist sein bislang bedeutsamster Fund? Das sei ein jungsteinzeitlicher Mahlstein (zwischen 5000 und 3000 Jahren vor Christus) gewesen, den er als „junger Mann“ 1979 entdeckt habe. „Und natürlich mich“, ergänzt seine Angetraute mit einem Augenzwinkern. Die meisten seiner Findlinge aus der Vergangenheit, zu denen auch Mammutzähne- und -knochen, Kanonenkugeln und römische Münzen gehören, hat der gebürtige Altriper Museen oder dem ortsansässigen historischen Verein gespendet. Für den aktuellen versteinerten Ammoniten jedoch hat er eine besondere Verwendung. Mit der Trennscheibe zerschnitten, wird der obere, nun ein bisschen einer kriechenden Schnecke gleichende Teil, zukünftig als Briefbeschwerer bei ihm zu Hause zum Einsatz kommen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 23. September 2021 | Text: Eva Heyder | Foto: Lenz)
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