Taxi Taxi

Die Familie Scheffel ist das älteste Taxiunternehmen im Rhein-Pfalz-Kreis und schreibt Altriper Ruftaxigeschichte

Seit 46 Jahren ist die Familie Scheffel in der Personenbeförderung tätig und damit das älteste Taxiunternehmen im Rhein-Pfalz-Kreis. Seit September 1986 betreuen die Scheffels im Auftrag der Gemeinde das Ruftaxi von Altrip nach Rheingönheim. Mittlerweile fahren es drei Generationen Frauen – und sie erleben ihre Geschichten.

Drei Generationen Taxi-Scheffel: (von links) Celine Eggert, Christa Scheffel und Claudia Eggert-Scheffel mit Fahrgast Ron Scherer.  (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 02.10.2021 | Text: Eva Heyder | Foto: Lenz)„Alle drei sind blond!“ Dem 39-jährigen Ron Scherer ist es eigentlich egal, von welcher der drei Damen der Familie Scheffel er gefahren wird, denn: „Die geben sich nix“, erzählt er und lacht. Mitte bis Ende der 90er-Jahre, als er noch keinen Führerschein hatte, sei er oft mit der Seniorchefin Christa Scheffel unterwegs gewesen, aber auch mit Tochter Claudia Eggert-Scheffel, der 2011 zusammen mit ihrem Bruder Peter die Firma überschrieben wurde. Jüngst war Enkelin Celine Scherers Chauffeurin. Seit sie unlängst die dafür notwendigen 21 Jahre erreicht und den Personenbeförderungsschein in der Tasche hat, gehört die angehende Kauffrau für Büromanagement zum 15-köpfigen Fahrer-Team des Unternehmens.

„Die Hälfte meiner Stufe kam damals aus Altrip“, erinnert sich der in Rheingönheim lebende Ron Scherer an seine Schulzeit. Da hätte sich für einen Teenager, der mitfeiern möchte, ganz automatisch die Frage ergeben: „Wie kommt man hin und zurück?“ Die einfache Lösung: Sich abends per Ruftaxi nach Altrip bringen und dann morgens mit der ersten Route wieder nach Hause chauffieren lassen. „Die Jugend hat den Löwenanteil an unserer Ruftaxi-Kundschaft“, erzählt Gründerin Christa Scheffel. Dieser läge bei 85 Prozent. Ansonsten würden sie meist für Kranken- und Dialyse-Fahrten gebucht. Altriper Jugendliche hätten sich umgekehrt gerne mit der letzten Fahrt zur Endschleife in Rheingönheim fahren lassen, sich dort an der Tankstelle mit einem Sixpack ausgerüstet und damit bis zum Morgengrauen vergnügt oder im Burger-Restaurant ausgeharrt, um dann mit erhobener Nase zu verkünden: „Ich werde mir mal mein Taxi bestellen.“

Klingt nach Kosten, das Ruftaxi ist aber für Maxx-Ticket- oder Halb- beziehungsweise Jahreskarteninhaber frei. Lediglich zwei Euro fallen für Fahrgäste ohne Abos an. Eine halbe Stunde vor Antritt muss die Fahrt telefonisch gebucht werden, dann sollte man bereitstehen. „Einmal hat ihn meine Mutter geweckt“, weiß Claudia Scheffel-Eggert. Ron Scherer hatte ein Taxi bestellt, sich dann aber noch einmal kurz schlafen gelegt. Da er schon Stammkunde war, bekam er diesen besonderen Weckdienst. Ein anderes Mal wollte die Clique um Ron herum ein wenig schummeln. Sie waren insgesamt zu acht, also einer zu viel für den Kleinbus. Daher habe sich einer im Kofferraum versteckt. „Moment, da ist doch was“, fiel Claudia beim Blick in den Rückspiegel sofort auf und der Schwindel war aufgeflogen. Alles in allem habe der heutige freiberufliche Grafik-Designer und studierte Fitness-Ökonom aber nie Probleme gemacht. „Wir können uns nur positiv über ihn äußern“, sind sich seine Chauffeurinnen einig und lachen. Die Gespräche der jungen Herren auf den Rückbänken seien allerdings nicht immer tauglich für die Ohren einer Frau gewesen.

Ron sei stets gut gelaunt, man kenne ihn nur lachend. Noch immer nutzt der eingefleischte Junggeselle gerne das Scheffelsche Ruftaxi, um nach Altrip zu kommen. „Ich fahr’ nur selten Auto oder mal mit dem E-Bike“ sagt er. Leidenschaftlich gern am Steuer sitzt indes nach wie vor Gründermutter Christa. „Wenn ich im Auto sitze, bin ich happy“, schwärmt sie. Auch wenn sie aufgrund von Knieproblemen den Ruftaxi-Bus nicht mehr fährt, lenkt sie trotzdem noch fleißig mit. Außerdem steht sie morgens um 4.30 Uhr auf, um für die drei Generationen im Mehrfamilienhaus das Frühstück zu machen, und kocht mittags für alle Hungrigen. Lächelnd verrät sie den Beweggrund: „Als Glucke liebe ich das!“

Vor vielen Jahren hat ihr mal ein Scheich ein unmoralisches Angebot gemacht. Er hätte ihr für eine Nacht mit ihr einen neuen 300er Mercedes geboten. „Er stand wohl auf blonde kräftige Frauen“, vermutet sie zwinkernd. Als seriöse Geschäfts- und treue Ehefrau hat sie natürlich abgelehnt und den Kunden trotzdem zu seinen gewünschten Zielen gebracht. Sie war die erste Frau im Rhein-Pfalz-Kreis, die hinter einem Taxi-Lenkrad saß und will weitermachen, bis sie 80 ist. Dann hat sie ihrem Mann Werner eigentlich versprochen aufzuhören. Ihre Tauglichkeit muss sie, wie alle Personenbeförderer, alle fünf Jahre mit einer medizinisch-psychologischen Untersuchung nachweisen. Für sie heißt das in eigenen Worten: „Ich fahre, solange ich die Tassen noch im Schrank habe.“

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Oktober 2021 | Text: Eva Heyder | Foto: Lenz)
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