Der Mann vom Amt mit vielen Ämtern

Nein-Sagen ist nicht sein Ding, Däumchen drehen auch nicht und wenn Horst Hook etwas zusagt, macht er das mit Herzblut und bleibt dabei. Schriftführer im Heimat- und Geschichtsverein war er gleich 25 Jahre lang. Dafür hat man ihn jetzt zum Ehrenmitglied ernannt. Doch der Altriper macht noch mehr. Und das hat irgendwie etwas mit dem Rathaus zu tun.

Heinz Hook blättert in einem Buch zum 1650. Geburtstag von Altrip, für das er auch Texte verfasst hat. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 09.10.2021 | Text & Foto: Christine Kraus)

Horst Hook ist Altriper durch und durch. Vor ziemlich genau 80 Jahren wurde er in dem Haus geboren, in dem er heute noch wohnt. In Altrip ging er zur Schule und als die beendet war, trat er 1957 eine Lehre im Rathaus der Gemeinde an. „Es muss wohl daran gelegen haben, dass ich Steno und Schreibmaschine schreiben konnte und Halbwaise war“, mutmaßt er. Da ihm Michael Marx, einer der drei Bürgermeister, mit denen Hook zusammengearbeitet hat, glaubhaft versicherte, dass er nichts werde, wenn er keine Prüfungen mache, hat er die Verwaltungshochschule besucht.

„Die letzte Prüfung wurde mir zum Verhängnis, da habe ich eine Frau kennengelernt, von der ich dachte, die könnte zu mir passen“, witzelt er. Das hat sie, 1980 heirateten sie, das Paar hat zwei Töchter bekommen und inzwischen drei Enkel. Beruflich ging es auch bergauf, 1986 wurde Horst Hook geschäftsführender Beamter der Gemeinde Altrip und blieb es bis zu seiner Pensionierung 2004. „Ich bin gern rüber gegangen ins Rathaus“, versichert er. Genau 185 Schritte lang sei sein Arbeitsweg gewesen.

Die Arbeit im Rathaus hat mit vielen seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die im Laufe der Jahre immer mehr wurden, zu tun. 1964 sei sein Onkel Richard aus der „Unnergass“ vor der Tür gestanden, habe ihm erklärt, dass er nun zu singen habe und ihn mit zur Sänger-Einheit genommen. „Die haben dort gesagt, du bist doch vom Amt, du bist jetzt Schriftführer“, erzählt er. Das ist er heute immer noch und er freut sich, dass die Singstunden nach pandemiebedingter Pause wieder losgehen. Ebenfalls in den 1960er-Jahren tauchte die Feuerwehr bei ihm auf. „Du schaffst doch in Altrip, du musst zur Feuerwehr“, bekam er zu hören und er wurde Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Als die Gemeinde 1965 das erste Tanklöschfahrzeug bekam, war klar, dass Hook den Führerschein dafür machen musste, er war ja tagsüber immer erreichbar. Das Schiffspatent kam 1976 dazu, als die Freiwillige Feuerwehr in Altrip eine Landungsfähre von der Bundeswehr bekam. „Mit meinem Feuerlöschbootpatent kann ich zwischen Germersheim und Schierstein alle Schiffe, die rot sind, fahren“, sagt er. Eine wunderbare Zeit sei das gewesen, besonders die Übungsfahrten im Sommer mit dem 28 mal 8 Meter großem Boot hätten Spaß gemacht. Zum Einsatz, es war eine Vermisstensuche, sei er damit aber nur genau einmal ausgerückt. 2008 musste die Feuerwehr das Schiff nach Remagen abgeben, bedauert Hook. Heute unternimmt er donnerstags mit den alten Feuerwehrkameraden Radtouren, freitags ist Feuerwehrstammtisch.

1994 hat Horst Hook anlässlich der 1625-Jahr-Feier im Jubiläumsjahr eine Ausstellung im Rathaus organisiert. Alle drei Monate hat das Thema gewechselt. Als das Jubiläumsjahr vorbei war, kam die Idee auf, einen Heimat- und Geschichtsverein zu gründen. Hook wurde, wie könnte es anders sein, Schriftführer. Nun, mit 80 Jahren, habe er dieses Amt niedergelegt, aber so ganz hat man ihn nicht gehen lassen. Jetzt ist er zweiter Schriftführer. Mit dem HGV, von dem er nun Ehrenmitglied ist, hat er vieles auf die Beine gestellt. Alle zwei Jahre gab es eine Ausstellung. Mit drei anderen Männern hat er seine Tracht selbst genäht. „Das war so schön, wir haben fast ein Jahr genäht“, erzählt er. In den Folgejahren haben die vier Männer dann Nadel und Stoff gegen Fahrräder getauscht und insgesamt acht Touren an deutschen Flüssen unternommen.

Auch mit dem Boot war er in ganz Deutschland unterwegs. Paddeln war schon in jungen Jahren eine seiner großen Leidenschaften. Zusammen mit seinen beiden Brüdern und fünf anderen Kollegen hat er 1962 den Kanu-Club gegründet. Dort war er dann tatsächlich nicht nur Schriftführer, sondern auch mal Bootshauswart und Wanderwart. „So ziemlich alles außer Vorsitzender“, sagt er.

Nach der Pensionierung war Heinz Hook einmal pro Woche im Gemeindearchiv . Heute ist er da noch sporadisch. „Ach ja, und schriftstellerisch war ich auch noch tätig“, erzählt Hook. In den 1960er-Jahren habe er auch für die RHEINPFALZ geschrieben. Sein jüngstes Werk ist ein ausführlicher Beitrag über Lebensmittelgeschäfte in der Nachkriegszeit in Altrip in der Jubiläumsschrift zur 1650-Jahrfeier.

Horst Hook ist viel unterwegs, doch er genießt es auch, zu Hause Zeit mit seiner Enkeltochter zu verbringen. „Wenn die Oma nicht da ist, bin ich der King“, schwärmt er, „wenn die Oma dann kommt, bin ich abgeschrieben.“ Langweilig wird es ihm aber auch da sicher nicht, denn er hat immer was zu tun.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 9. Oktober 2021 | Text & Foto: Christine Kraus)
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