Schiffs-TÜV mit Kraxelarbeit

Gut vier Monate war die Rheinfähre Altrip-Mannheim bei der Speyerer Braun-Werft. Jetzt ist sie sieben Meter länger.

Das Gros der Arbeiten ist inzwischen erledigt. Bald kann die Ersatzfähre, die derzeit Altrip und Mannheim verbindet, wieder in ihren Heimathafen geschickt werden. Bevor das „richtige" Schiff wieder seinen Dienst aufnehmen kann, hat es gestern die SUK, der Schiffs-Tüv, auf Generator und Motor geprüft.

Jürgen Jacob (rechts) schaut sich vor der Probefahrt noch mal genau die Bordelektronik an. Autos haben derzeit aber noch keinen Platz auf der Fähre. FOTOs: Lenz

Öl- und Farbeimer stehen auf dem Deck der Altriper Rheinfähre. Dazu noch Unmengen verschmierter Lappen und unzählige Meter Kabel. Über den offenen Schächten für die Antriebe sind Wellblechdächer aufgebaut, damit es nicht reinregnet. Die Fähre wurde in den vergangenen Monaten in der Speyerer Braun-Werft um sieben Meter verlängert (wir berichteten). Das hat zwei Vorteile gebracht: Die Antriebe liegen jetzt nicht mehr so nah am Ufer und es können mehr Passagiere befördert werden.

Hans-Josef Braun, Matthias Lattmann und Fred Stephan von der Schiffsuntersuchungskommission (SUK) in Mannheim schauen sich die Fähre genau an. Die SUK ist quasi der Tüv für Schiffe. Bevor die Altriper Fähre wieder auslaufen darf, werfen die Experten einen genauen Blick drauf. Eine spezielle Checkliste zum Abhaken - wie beim Auto - haben sie aber nicht. „Wir haben unsere Checkliste im Kopf", sagt Braun und grinst. Die SUK sei ohnehin von Anfang an in die Arbeiten einbezogen gewesen. Denn seit 2010 gelten neue Vorschriften für Fähren. Und die muss das Schiff nach dem Umbau erfüllen, um eine neue Zulassung zu bekommen. Diese gilt dann für fünf Jahre.

„Wir überprüfen den verkehrstechnischen Zustand der Fähre", erklärt Braun. Dazu gehören die Besichtigung sowie eine Probefahrt. Maschine, Schrauben, Generatoren - alles wird genau unter die Lupe genommen. Im Vordergrund steht natürlich, dass die Passagiere hinterher sicher sind.

Braun ist seit 20 Jahren im Dienst der SUK unterwegs und kontrolliert Tanker, Fähren und andere Schiffe. Er schaut sich einen neuen Generator an. Ist das das Modell, das in den Plänen angegeben ist? Ist er geerdet? Sind die Abgasanlagen vorschriftsmäßig isoliert? Gibt es in dem Raum auch keine Stolperkanten? Sieht alles gut aus, meint Braun zufrieden. Bei der Probefahrt nachher wird noch getestet, ob die Hupe in dem Raum auch den Generator übertönt, falls der Kapitän an die Besatzung mal ein Signal geben muss.

Braun geht mit seinen Kollegen ein paar Meter weiter und schaut bei einem Hydraulikschlauch dann doch etwas genauer hin. Der hat nämlich eine deutliche Schramme, kann so auf keinen Fall eingebaut werden. „Sind die Generatoren nicht elastisch gelagert?", will Braun wissen. Doch, sind sie. Und geerdet sind sie auch. Jürgen Jacob, Geschäftsführer der Fähr-GmbH, zuckt ob dieser Fragen schon ein bisschen zusammen, entspannt sich aber bald wieder. Entdecken die Kontrolleure etwas, können zusätzliche Kosten entstehen. Und der Zeitpunkt, an dem die Fähre ausgeliefert werden kann, würde sich entsprechend nach hinten verschieben.

Matthias Lattmann ist derweil zum Motor hinabgeklettert. Es geht um das Motorenparameterprotokoll: Sind auch wirklich die Bauteile verwendet worden, wie ursprünglich angegeben? Lattmann vergleicht die Seriennummern von Turbolader, Einspritzung und Kühlung mit denen auf seinem Zettel. Passt, die Nummern stimmen. „Das ist manchmal schon eine ziemliche Kraxelarbeit", erzählt er.

Aber auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten schauen die Prüfer genau hin. Gehen zum Beispiel die Toilettentüren für das Personal automatisch zu? „Manchmal muss man sich wundern, auf welche Kleinigkeiten es ankommt. Aber so sind nun mal die Vorschriften, und daran müssen wir uns halten", sagt Jürgen Jacob.

Auch die Probefahrt meistert die Fähre. Dabei muss sie laut Braun bis zu 13 Stundenkilometer schnell fahren und innerhalb von 500 Metern zum Stillstand kommen. Am Ende haben Hans-Josef Braun und sein Team etwa 20 Mängel festgestellt. „Aber nichts Gravierendes", gibt Braun gleich Entwarnung. „Sie hat geschnurrt wie ein Kätzchen und liegt wunderbar im Wasser. Alle Manöver haben einwandfrei funktioniert", ist auch Jürgen Jacob begeistert. Nur ein paar Schilder müssen noch angebracht werden. Wie beispielsweise eine neue Hilfe-Tafel „Rettung Ertrinkender". Die hat im Laufe der Jahre doch arg gelitten. Aber daran soll's nicht scheitern.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 1. März 2012 | Von Christian Treptow)