Mit Fassott aus der Krise

Ortsgruppe der Naturfreunde feiert ihr 90-jähriges Bestehen - Im Dritten Reich als sozialistische Vereinigung verboten

Große Feierstunde bei den Naturfreunden Altrip: Am Samstag wird mit einem Festakt im Regino-Zentrum der Vereinsgründung vor 90 Jahren gedacht. Doch die Vereinsgeschichte zeigt nicht nur Positives. Im Dritten Reich als sozialistische Vereinigung verboten und 1965 wieder gegründet, hätte sich die Organisation nach einer Krise im Jahr 1982 fast ein zweites Mal aufgelöst.

Als sich 1910 die erste Ortsgruppe der Naturfreunde in der Pfalz in Ludwigshafen gründete, war auch eine Handvoll Altriper mit von der Partie. Immer größer wurde die Anzahl der Altriper Wanderfreunde, bis schließlich am 15. April 1921 im Gasthaus „Zum Karpfen" eine eigene Ortsgruppe gegründet wurde. Als Gründungsmitglied war damals auch der spätere Bürgermeister Michael Marx mit dabei. Lange konnte sich der Verein allerdings nicht halten. Bereits zwölf Jahre später wurde die Organisation mit Beginn des Dritten Reiches als sozialistische Vereinigung aufgelöst.

Erst 20 Jahre nach Kriegsende feierte der Verein seine Wiedergeburt. Warum man sich damals so lange Zeit gelassen hat, weiß Vorsitzender Willi Fassott heute auch nicht mehr so genau. Nach der zweiten offiziellen Gründung am 18. Mai 1965 wuchs der Verein jedoch rasch. Sechs Jahre nach der Wiedergründung hatte sich die Zahl der Mitglieder bereits verfünffacht.

Im September 1979 war Altrip Ziel des „Landeswandertages", bei dem sich über 2000 Naturfreunde aus dem Landesverband und Gäste benachbarter Verbände auf dem Festplatz trafen. 1984 und 1986 vergab der Landesverband der Naturfreunde Rheinland-Pfalz den Landeswandertag erneut nach Altrip. Zu diesem Zeitpunkt leitete bereits der heute noch amtierende Vorsitzende Willi Fassott den Verein, der im Januar 1983 in sein Amt gewählt wurde - und das ohne vorher Mitglied gewesen zu sein. „Eines Tages stand die Leiterin der Frauengruppe, Elly Jargow, vor meiner Tür und meinte, die Naturfreunde bräuchten dringend einen neuen Vorstand", erzählt Fassott. „Da hab ich's halt gemacht."

Denn vor Fassotts Leitung kriselte es im Verein. Als 1982 die Altriper Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins nach 43 Jahren wiedergegründet wurde, kam es bei den Naturfreunden zur Spaltung. Nur rund 30 Mitglieder blieben ihrem Verein treu. Junges Blut sollte mit dem damals 42-jährigen Fassott nachkommen.

Besonders stolz ist der Vorsitzende auf die Einführung des „Dreck-Weg-Tages" vor 27 Jahren durch die Naturfreunde, der noch heute von der Gemeinde alljährlich veranstaltet wird. Auch die Freundschaften mit der Partnerstadt Wiehe in Thüringen und der französischen Gemeinde Petit Rederching pflegen die Naturfreunde als einziger Verein immer noch mit jährlichen Besuchen, erzählt Fassott. Bei der Altriper Kerwe seien die Vereinsmitglieder seit 20 Jahren aktiv beteiligt - früher mit einem Bastelstand der Frauengruppe, heute mit einem Ausschank.

Anlässlich der Altriper 1625-Jahrfeier organisierten die Naturfreunde den 43. Landesmusiktag der Naturfreunde Rheinland-Pfalz mit einem Festkonzert im ausverkauften Regino-Zentrum. Reisen nach Ungarn, Tschechien und Ostdeutschland standen immer wieder auf dem Jahresprogramm. Wie alle Vereine haben jedoch auch die Naturfreunde mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Neben der dreitägigen Fahrt nach Wiehe stehen in diesem Jahr deshalb nur noch Tagesfahrten in die Region auf dem Programm.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 06.05.2011 / Nancy Schier)