Nach Kriegsende war das Leiden nicht vorbei

Ausstellung "Krieg und Frieden in Altrip - 1939 bis 1949" im Bürgerhaus

Jedes Jahr organisiert der Heimat- und Geschichtsverein Altrip an den letzten beiden Wochenenden im Januar eine Jahresausstellung. Die diesjährige Ausstellung heißt "Krieg und Frieden in Altrip - 1939 bis 1949" und zeigt Beispiele aus der Dorfgeschichte.

Auch den kleinen Ort Altrip hat der Zweite Weltkrieg nicht verschont: So gab es am 24. Dezember 1944 um 13.20 Uhr Fliegeralarm. Um 16.35 Uhr gaben die Sirene Entwarnung, etwa zwei Stunden später ging es am Heiligabend wieder los. Auch am ersten und zweiten Weihnachtstag gab es über viele Stunden hinweg Luftalarm.

Wenige Tage später kam für Altrip der schlimmste Kriegstag: Bei einem Luftangriff kamen 24 Dorfbewohner ums Leben. Sieben weitere starben kurze Zeit später an ihren Verletzungen. Unter den Toten waren auch elf Minderjährige, die Jüngsten waren erst vier Jahre alt. Im Notlazarett im Keller der Ludwigsschule hatte das Rote Kreuz nicht genügend Verbandsmaterial und nahezu keine Medikamente. Unter primitivsten Transportverhältnissen wurden 21 Verletzte nach Ludwigshafen in die Krankenhäuser gebracht. 454 Gebäude wurden beschädigt. Adolf Hitler prophezeite zum neuen Jahr 1945 den Deutschen, dass ihr Kampf "in die Geschichte als das Wunder des 20. Jahrhunderts" eingehen werde.

In Altrip hatten die Menschen ganz andere Sorgen: 200 ausgebombte Familien wurden auf andere Wohnungen zugeteilt und weitere 200 Familien durften mit ihren Kindern in weniger gefährdete Gebiete ausreisen.

Hastig wurden im Ort Panzersperren errichtet. Die Luftangriffen richteten sich auch gegen die Deiche, welche stark beschädigt wurden. Russische Kriegsgefangene, sogenannte Ostarbeiterinnen und ausländische Zivilarbeiter, die sonst in einer Ziegelei und in einer Kiesbaggerei arbeiteten, wurden zur Schadensbeseitigung eingesetzt.

Als die Amerikaner am 24. März 1945 den Ort besetzten, hatten Altriper Frauen zuvor die Panzersperren durchsägt. Für die Altriper war der Krieg damit beendet. Durch den Beschuss der deutschen Flugabwehr wurden an diesem Tag drei Einwohner aus dem Rheinauer Hafengebiet getötet.

Nach Kriegsende war das Leiden der Menschen in Altrip nicht vorbei: Viele Kriegsgefangene kamen erst Jahre später in ihre Heimat zurück. Auch der Sohn des Altriper Metzgermeisters geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Er kehrte bereits im September 1945 zurück, war jedoch sehr krank. Im März 1946 starb er an den Folgen der Gefangenschaft.

Um die Schicksale Altriper Bürger während und nach dem Zweiten Weltkrieg geht es in der Ausstellung "Krieg und Frieden in Altrip - 1939 bis 1949". Die Ausstellung ist am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Januar, sowie am Samstag und Sonntag, 30. und 31. Januar, im Bürgerhaus "Alta Ripa" in der Ludwigstraße geöffnet. Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr. Zusätzlich ist die Ausstellung am Mittwoch, 27. Januar, von 16 bis 19 Uhr geöffnet. (wlf)

Info
Am Freitag, 22. Januar, findet um 19 Uhr im Bürgerhaus zu der Ausstellung der Vortrag "Verführte Jugend" mit Fotografien aus der Zeit der Nazi-Diktatur statt. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

 

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 20.01.2010)