Ein Steg für 20 Motorboote

Vor 40 Jahren wurde in Altrip ein besonderer Club gegründet

Der Motorboot-Club Altrip blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit fast auf den Tag genau 40 Jahren gibt es den Verein inzwischen. In dieser Zeit war einiges geboten: Der Verein lag wegen seiner Steganlage im Clinch mit der Kreisverwaltung, ist inzwischen aber auch stolzer Besitzer eines 2700 Quadratmeter großen Grundstücks.

Heinz Nickel, der gegenüber dem Altriper Rathaus ein Wassersportgeschäft betrieb, gründete am 13. Dezember 1969 in der Gaststätte "Zur Traube" in Mannheim-Feudenheim den Verein "Zephyr-Motorboot- und Wasserski-Club Ludwigshafen (ZCL)". Die 15 Gründungsmitglieder waren Camper und Wassersportler. Sie hatten Schlauchboote mit Außenbordmotoren, mit denen sie am Kiefweiher auch dem Wasserski frönten.

Doch die "Vertreibung aus dem Paradies" ließ nicht lange auf sich warten. Die Stadt Ludwigshafen störte die Steganlagen, denn sie hatte andere Pläne. So wurde etwa an eine Ruderregattastrecke gedacht. Schon im Mai 1970 pachtete der Verein an der alten Kiesverladestelle am Altriper Altrheinausfluss entsprechendes Gelände und nannte sich ab 1972 fortan "Motorboot- und Wasserski-Club Altrip". Mit großem Elan wurde ein Clubhaus, Sanitäranlagen, eine Steganlage und Parkplätze geschaffen. Doch kaum hatten sich die Clubmitglieder häuslich eingerichtet, stellte sich heraus, dass die Hafenausfahrt versandete. Die Schlauchbootfahrer waren regelrecht eingeschlossen und selbst Bundeswehrpioniere bekamen die Fahrrinne nicht dauerhaft frei. Dies gelang erst einem Schiffskran des Wasser- und Schifffahrtsamtes Mannheim (WSA). Schon 1974 musste das WSA wiederum um Hilfe gebeten werden.

Probleme gab es auch mit der Steganlage. 1976 eskalierten Streitigkeiten mit der Kreisverwaltung Ludwigshafen über Genehmigungsfragen im Zusammenhang mit der Steganlage. Eine Abriss-Verfügung für das Clubhaus und sämtliche bauliche Anlagen waren laut Vereinschronik die Folge. In einem jahrelangen Rechtsstreit, den der Clubvorstand austrug, traf das Bundesverwaltungsgericht in Berlin folgendes Urteil: Das Clubhaus durfte stehen bleiben, aber die Steganlage musste verkleinert werden. Eine Erweiterung war daher nicht mehr möglich. Der MCA bleibt daher ein recht kleiner Club mit rund 50 Mitgliedern und 20 Liegeplätzen für typische Motorboote.

Inzwischen hat der Verein sein als leidvoll empfundenes Pächter-Dasein beendet. Der Club erwarb das Hafengelände im Prinz-Karl-Wörth-Hafen bei Rhein-Kilometer 417. Die Vorstandsspitze, bestehend aus Albert Groh und Gerd Appel, unterzeichneten den Kaufvertrag. Dem MCA gehört nun ein 2700 Quadratmeter großes Areal mit Clubhaus und Nebengebäuden. Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung Altrip. Seit 1989 ist der MCA übrigens ein gemeinnütziger Verein und hat seit 1999 jedes Jahr die "Blaue Flagge" für umweltbewusstes Verhalten entgegennehmen können.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 17.12.2009 / Wolfgang Schneider)