Spargel-Karl fährt Cadillac

Sport, Spargel und Straßenkreuzer sind sein Leben: Karl Hauk aus Altrip ist 90 Jahre alt geworden

Wer kennt nicht „Dinner for one", den Sketch zum 90. Geburtstag von Miss Sophie, der alljährlich zu Silvester über die Fernsehschirme flimmert? Im Gegensatz dazu feierte in Altrip Karl Hauk vorgestern seinen 90. mit nahezu so vielen Freunden und Bekannten wie er an Lebensjahren zählt. Denn er kennt eben viele Leute, der „Spargel-Karl".

Mit so vielen Leuten gefeiert, wie er Lebensjahre zählt: Karl Hauck. FOTO: lenz Mit so vielen Leuten gefeiert, wie er Lebensjahre zählt: Karl Hauck. FOTO: lenz In seinem langen Leben spielten Sport, Spargel und Straßenkreuzer eine herausragende Rolle. Seine Großeltern und Eltern mütterlicherseits waren Markthändler in Neckarau und machten in Obst und Gemüse. In Neckarau ist Hauk auch geboren worden und ganz stolz darauf, dass er wohl der erste Sprössling im neuen „Entbindungsheim Altendorfer" war, jenem Heim in dem auch der Tennisstar Steffi Graf das Licht der Welt erblickte.

Das Markttreiben in Neckerau gefiel dem kleinen Karl Hauk übrigens so sehr, dass er an manchen Markttagen auch mal die Schule schwänzte. Er war ohnehin, so bekennt er freimütig, keiner, der es unbedingt zum Klassenprimus bringen wollte. Schon früh hatte er Kontakt nach Altrip, denn oftmals ging es mit der Fähre zu den Altriper Großeltern zum Mittagessen, wenn seine Eltern mal wieder einen langen Arbeitstag hatten.

„Schon am dritten Tag meiner Schlosserlehre bei Benz machte ich mich aus dem Staub und ging zu den Markthändlern", gibt Karl Hauk unumwunden zu. Trotzdem wurde er noch zum Technikfan. „Ich interessierte mich vor allem für Automobile. Schon vor meinem 18. Geburtstag hatte ich den Führerschein in der Tasche", erzählt er. Sein erstes Auto war der legendäre Opel 4/12 PS, besser bekannt als „Laubfrosch". Später stieg er auf größere Schlitten um: auf den Opel Admiral und Opel Diplomat. Seit über 40 Jahren fährt er aber nur noch Cadillac. Wer in Altrip einen Cadillac sieht, der weiß, dass der Spargel-Karl drin sitzt, denn sonst fährt in der Rheingemeinde niemand einen solchen Straßenkreuzer. Zu einem seiner Cadillacs gibt es eine traurige Geschichte: Eine schneeweiße Ausführung des Straßenkreuzers wurde ihm in Italien direkt neben dem Hotel, „in dem ich mit meiner Frau logierte", geklaut. „Das Auto habe ich nie mehr gesehen und auch von der Versicherung nichts gehört."

Spargel brachten sein Geschäft nach oben. Mit 25 Jahren wagte Karl Hauk ausgerechnet im schwierigen Nachkriegsjahr 1946 den Sprung in die Selbständigkeit als Markthändler. „Die Leute hatten zwar großen Hunger, insbesondere im Hungerjahr 1947, aber keine Kaufkraft. Erst mit der Fresswelle, die mit der D-Mark einsetzte, florierte das Geschäft", erinnert sich der 90-Jährige.

Mitte der 1960er Jahre widmete er sich mit seiner Frau Lore und treuen Helfern vor allem dem Spargelverkauf und gehörte schon bald zu den gewieftesten Aufkäufern in Nordbaden und Südhessen. Sogar ein eigenes Kühlhaus ließ er in Mannheim errichten. „Je besser es den Leuten ging, umso mehr entwickelten sie sich vom Vielfresser zum Feinschmecker", berichtet er schmunzelnd. Und nachdem in unseren Breiten eher die Über- als die Unterernährung ein Problem ist, gab es seinem Geschäft nochmals einen Schub, als Ernährunsexperten auf die entwässernde Wirkung von Spargel und damit auf den Abnehmeffekt hinwiesen.

Neben seinem Geschäft spielte der Sport eine große Rolle in seinem Leben. Fast 70 Jahre war er dem VfR Mannheim verbunden, und einst war er auch einer von drei Mannschaftsbetreuer des Mannheimer ERC. Für den Turn- und Sportverein 1906 Altrip war es sicher ein Glücksfall, dass er 1972 nach Altrip zog und dem Verein als Hauptkassier beisprang, als das Vereinsschiff Schlagseite hatte. Nachdem viele Spieler davongelaufen waren, kaufte er neue ein, zahlte Ablösesummen und Trainer.

Auch dem Gesang war Karl Hauk sehr verbunden. Er sang deshalb im reinen Männerchor der Sänger-Einheit 1874. Durch seine Frau, die eine karnevalserprobte Rheinländerin war, kam er auch zur Karnevalsgesellschaft „Die Wasserhinkle", die ihm zu Ehren sogar einen Gardestern kreierte.

Schon seit vielen Jahren feiert Karl Hauk seinen Geburtstag mit einem großen Fest. Geldgeschenke leitet er dabei stets an die örtlichen Kindergärten weiter. So kamen etwa zu seinem 85. Geburtstag 1000 Euro zusammen oder zum 89. Wiegenfest 800 Euro. Überhaupt: Etliche Vereine werden immer mal wieder von ihm finanziell unterstützt. „Es freut mich eben, wenn ich sehe, dass ich irgendwo helfen kann", bekennt er lächelnd.

Seine größte Freude ist jedoch, dass sein Sohn Ralph nun schon seit 30 Jahren das Marktgeschäft in der vierten Generation führt und sein Enkel Florian mit Freundin sein großes Heim mit Leben füllt, in dem er seit dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren doch ziemlich einsam war. Mittlerweile wurde das „Haus zum Zander" am Neuhofener Altrhein, in dem er seine Freunde vom Sportanglerverein trifft, zur „Zwettwohnung". Dort steht jedenfalls fast täglich sein Cadillac ...

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 29.10.2011 / Wolfgang Schneider)