Bürgermeister backt Brote

Jürgen Jacob weiht Altriper Brotbackhaus ein - Holzofen soll ein- bis zweimal im Monat befeuert werden

Das Brotbackhaus in Altrip ist gebaut, der Heimat- und Geschichtsverein kann die alte Tradition des Brotbackens wieder aufleben lassen. Das ist am Samstag gefeiert worden. Bürgermeister Jürgen Jacob und Vorsitzender Alois Eitl haben die ersten Brote in den Ofen geschoben. Dicht gedrängt standen die Besucher, die sich die Premiere nicht entgehen lassen wollten - und schon gar nicht die ersten Kostproben.

Vorsicht heiß: Bürgermeister Jürgen Jacob darf die ersten Brotlaibe in den neuen Holzofen schieben. Alois Eitl vom Heimat- und Geschichtsverein öffnet für ihn die Tür. FOTO: lenz

Punkt 11.37 Uhr schießt Jürgen Jacob in weißer Bäckerjacke und -mütze die ersten Laibe in den traditionell in Birnenform und mit Schamottesteinen gebauten Backraum ein. Die Temperatur im Ofen beträgt jetzt knapp 300 Grad Celsius. Befeuert wird er seit gut drei Stunden. „Wir verwenden ausschließlich Buchenholz”, sagt Rudolf Mansky, der das Backhaus betreuen wird. Zum Heizen werden davon 30 Kilogramm benötigt.

Entscheidend ist, dass die Hitze im Backraum lange bleibt, um einen zweiten Durchgang mit Broten, Brötchen oder gar Kuchen zu ermöglichen. Acht Laibe zu jeweils sechs Pfund oder 12 bis 15 Laibe mit jeweils drei Pfund fasst der Ofen. „45 bis 60 Minuten bleiben sie drin”, erläutert Mansky den Besuchern.

Neben Brot sollen in dem Backhaus, das neben dem Bürgerhaus Alta Ripa steht, auch Pizza, Flammkuchen und „Altriper Brotkochen” gebacken werden. Ein- bis zweimal im Monat sollen die Altriper Gelegenheit haben, ihre Teige in den Holzofen zu schieben. „Damit können wir nicht den Tagesbedarf der Bürger decken, aber die Tradition des Brotbackens wiederbeleben”, freut sich Vereinsvorsitzender Alois Eitl.

„Ich habe vor 52 Jahren letztmals Brot im eigenen Ofen gebacken und als der kaputt war, haben wir die Teiglaibe zum Bäcker gebracht", erzählte Eugenie Schönfisch. Die 79 Jahre alte Rentnerin ist begeistert und will künftig zum Backen ins Brotbackhaus kommen. „Einen Sauermilchteig werde ich mitbringen."

Wegen der Holzkosten wird der Verein pro Laib 50 Cent verlangen. „Von denen, die zu den Spendern zählen, verlangen wir bis Ende 2013 nur 25 Cent", sagt Eitl, der von der Begeisterung der Altriper für das Projekt überrascht war. Statt den erhoffen 7000 sind 8000 Euro eingegangen, darüber hinaus auch Materialspenden.

Die Kosten für das Brotbackhaus: rund 15 000 Euro. Dabei hat der Heimat- und Geschichtsverein auf traditionelle Materialien gesetzt. An der Außenfassade wurden original Altriper Backsteine vermauert. Es ist eine Meisterleistung, die Ofenbaumeister Horst Gärtner aus Otterstadt geschaffen hat, da die Birnenform zu den aufwendigsten und schwierigsten Modellen der Backöfen zählt.

Die Initialzündung für das Projekt „Ein Brotbackhaus für Altrip” gab ein philosophisches Kulinarium, das der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet hatte und bei dem auch selbstgebackene Brote verköstigt wurden. Keinesfalls aber sieht man die Aktion in Konkurrenz zu den örtlichen Bäckereien. Was hier gebacken werde, sei ein Bruchteil davon, was täglich benötigt wird. Und tatsächlich findet auch Peter Görtz, Geschäftsführer der gleichnamigen Großbäckerei, die in Altrip zwei Filialen betreibt, das Brotbackhaus gut.

„Es ist erfreulich, dass man sich einer alten Tradition widmet und auf die Bedeutung des Grundnahrungsmittels eingeht. Ein Brotbackhaus ist eine tolle Sache, das bringt Menschen zusammen”, sagt Görtz, der zugleich wünscht, dass die Bäcker auch in das Projekt eingebunden werden. „Wir würden gerne unser fachliches Knowhow zur Verfügung stellen und diese Sache unterstützen.” Der Heimat- und Geschichtsverein will künftig Brotbackkurse anbieten, so dass man durchaus auf den Rat der Bäcker zurückgreifen könnte.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ -Ludwigshafener Rundschau - 15. Oktober 2012 | Von Jochen Willner)