Ein Ort im Wandel der Zeit

Vom römischen Dorf zum Fischerdorf am Rhein

Aus einer Siedlung mit einigen wenigen Familien zur Gemeinde mit knapp 8000 Einwohnern - diese Entwicklung hat Altrip in rund 500 Jahren zurückgelegt. Tatsächlich ist das Dorf noch älter.

Die Lage am Rhein inmitten der Natur behagte schon den Römern, allerdings eher aus militärischen Gründen. Kaiser Valentinian I. baute das Kastell „alta ripa“ 369 nach Christus mit zwei rechtsrheinischen Vorwerken und einer Holzbrücke über den Rhein.

Rund 40 Jahre lang bildete das römische Kastell in Altrip einen wichtigen Posten gegenüber den Alemannen auf der anderen Rheinseite. Doch diese ließen sich nicht lange fernhalten. Krieger der Sueben, Alanen und Vandalen setzten im Jahr 406 nach Christus über den zugefrorenen Rhein und vernichteten den gesamten römischen Grenzschutz auf einem größeren Abschnitt. In dieser Zeit fiel auch das Kastell. Das Ende des Kastells kam zur Neujahrsnacht 406/407 nach Christus. Die Festung wurde nach der Zerstörung noch als Wohnraum benutzt. Im fünften Jahrhundert siedelten neben der einheimischen Bevölkerung nachweislich auch Germanen in Altrip.

Systematische Grabungen in den 1960er-Jahren brachten die römische Vergangenheit ans Licht. Seit 1959 ist der bebaute Ortskern im Kastellbereich offizielles Grabungsschutzgebiet, in dem Erd- und Ausschachtungsarbeiten nur mit besonderer Umsicht vorgenommen werden dürfen. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Siedlung langsam an. Während 1585 insgesamt 30 Haushalte mit 130 Einwohnern in der Chronik stehen, sind es Anfang des 17. Jahrhunderts 200 und Mitte des 19. Jahrhunderts immerhin schon rund 650 Einwohner.

Mit der Industrialisierung wächst die Rheingemeinde rasch an. Im Jahr 1900 wohnen bereits 1640 Menschen in Altrip, 1960 hat sich die Zahl verdreifacht – das Wachstum geht weiter. Schon bald werden mehr als 5000 Einwohner gezählt, wenig später sind es schließlich 7000.

Altrip war früher ein Fischerdorf: An diese Zeit erinnert die Skulptur vor dem Bürgerhaus. ARCHIVFOTO: LENZHeute leben etwa 7600 Einwohner in der Rheingemeinde. Manche sagen, sie sei ein „Schlafort“. Doch dem würden die Altriper sicher vehement widersprechen, zeugen doch die regen Aktivitäten der zahlreichen Vereine von einem lebendigen Miteinander, das auch die „Altriper“ und die „Neutriper“ verbindet.

Geschichtsbewusst ist Altrip auf jeden Fall, auch wenn sich die römischen Wurzeln nur noch an wenigen Stellen zeigen. Mittlerweile wurde auch dem Industriezeitalter in Altrip ein Denkmal gesetzt. Eine Kipp-Lore erinnert fortan an die gut 75 Jahre währende Industriegeschichte der Gemeinde, die nach der Gründerzeit im 19. Jahrhundert begann. Die Lore ist auf eine Schmalspurschiene montiert und steht an der Rheingönheimer Straße, Ecke Rietburgstraße.

Früher ernährten sich die Altriper jahrhundertelang vom Fischfang. Dieser Tradition trägt ein weiteres Denkmal Rechnung, das die Bewohner und ihre Lebenswelt am Wasser darstellt und am Bürgerhaus steht.

Der Stolz auf die Wurzeln zeigt sich auch in der Altriper Tracht. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) haben mit Hilfe eines Fotos die alte Tracht rekonstruiert. Dass sie nicht mehr getragen wurde, hängt mit der Industrialisierung zusammen, meint Alois Eitl, der Vorsitzende des HGV. „Es wurden keine Landkleider mehr, sondern Stadtkleider getragen.“ Heute bildet die Trachtengruppe mit ihren schmucken Kleidern und vor allem mit den großen Hüten der Männer mit dem Spitznamen „Nebelsegler“ einen Blickfang auf vielen Veranstaltungen. „Mittlerweile gibt es um die 20 Leute, welche die Tracht tragen“, freut sich Eitl. (mmö)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 28.11.2012, Sonderbeilage November 2012 "Ortsporträt Altrip")