Die Umstände animierten zum Fälschen

Interview: Der Altriper Heimatvereinsvorsitzende Alois Eitl spricht über die Geschicke des Kunstfälschers Johann Kaufmann – Ausstellung im Bürgerhaus „alta ripa"

„Gefälschte Altertümer" heißt die Sonderausstellung, die heute im Bürgerhaus „alta ripa" eröffnet wird. Gezeigt wird eine Sammlung von originalen und nachgemachten römischen Tonreliefen und Artefakten des Kunstfälschers Johann Michael Kaufmann. Veranstalter ist der Heimat- und Geschichtsverein Altrip in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Pfalz. Warum auch Fälschungen von historischem Wert sind, erläutert Heimatvereinsvorsitzender Alois Eitl im Gespräch.

Herr Eitl, ist das nicht ein bisschen viel Ehre, die den Werken von Johann Michael Kaufmann mit einer Ausstellung zugestanden wird? Schließlich ist er ein Gauner.
Nun, zunächst einmal waren es nicht alles Fälschungen, die Kaufmann in Umlauf brachte. Er verkaufte ab 1817 Originalfunde und Fälschungen an den damaligen Historischen Verein der Pfalz. Sein Vorgehen war sehr clever und ist den damaligen Umständen geschuldet, diese Erkenntnisse sind auch von Wert. Und: Die Objekten wurden nun als „Kaufmannsche Sammlung" das erste Mal wissenschaftlich katalogisiert.

Was war denn an Kaufmanns Fälschungen so clever?
Es wurden damals Artefakte aus der Römerzeit bei Rheinzabern gefunden, die schon zur Römerzeit mittels einer Negativ-Form mehrfach hergestellt wurden. Das wusste Kaufmann, stellte von den originalen Funden ebenfalls Negative her und fertigte aus dem gleichen Ton – dem Rheinzaberner Ton – gefälschte Positive her. Dabei kombinierte er die Motive sehr geschickt. Mitunter führte er noch ein richtiges Schmierentheater auf, vergrub die Fälschungen und grub sie später dann vor den Augen der Öffentlichkeit aus.

Und man ist ihm 40 Jahre lang nicht auf die Schliche gekommen?
Das ist ja auch das Besondere. In gewisser Weise waren die Umstände für sein Handeln damals optimal. Die Archäologie steckte noch in den Kinderschuhen, und die Museen hatten einen großen Bedarf an antiken Artefakten. Auch die Möglichkeiten, die Fundstücke auf ihre Echtheit zu prüfen, waren begrenzt. Und Kaufmann wurde mitunter auch beauftragt, Modelle von Originalen zu entwickeln. Ich denke, die Grenzen waren da fließend, und das animierte ihn geradezu, zu fälschen.

Kunstwerke werden in erster Linie gefälscht, weil sich damit viel Geld verdienen lässt. Ist Herr Kaufmann damit reich geworden?
Viel ist dazu nicht überliefert. Nur, dass er auch einen römischen Legionärs-Adler aus Bronze gefälscht und verkauft hat und sich danach ein Haus kaufte.

Wann wurde die ganze Schwindelei aufgedeckt? Und wurde er auch bestraft?
Es gab irgendwann Gerüchte, aber erst 1860 konnte das bewiesen werden. Er verkaufte ein Relief von Leopold I., einem Herrscher aus dem 17. Jahrhundert, als römisches Original. Damit flog alles auf. Man ging dann davon aus, dass alle Objekte – er verkaufte wahrscheinlich mehr als 200 Stücke in ganz Europa – Fälschungen sind, denn Kaufmann hatte nichts über seine Fälschungen preisgegeben. Er starb ein Jahr später, es kam auch zu keinem Prozess. Erst jetzt fanden Wissenschaftler heraus, dass sich unter den Objekten Originale befanden.

Aber was ist denn nun die historische Erkenntnis, die die Wissenschaft aus den Fälschungen zieht?
Die Fälschungen stehen im engen Bezug zum Original und sagen etwas über ihre damalige Bedeutung aus. Mit der Erforschung der „Kaufmannschen Sammlung" wurde auch das damalige Umfeld und die Bedingungen rund um die Originale und Fälschungen untersucht. Zum Beispiel gibt es in Rheinzabern noch einen originalen Brennofen aus der Römerzeit. Diesen hatte Kaufmann detailgetreue im Auftrag des historischen Vereins nachgebaut. So weiß man heute, wie zur Römerzeit die Tonartefakte hergestellt wurden. In der Ausstellung wird Geschichte erlebbar.

Mit der Ausstellung wird auch eine historische Landkarte gezeigt, die die Ausdehnung des Reiches Karl des Großen im Jahr 800 nach Christus darstellt. Sie zeigt das heutige Europa und Asien und noch mehr. Und ausgerechnet das kleine Dorf Altrip ist auf dieser riesigen Karte als „Altaripa" verzeichnet. Was bedeutet das?.
Altrip ist darauf verzeichnet, weil es Sitz eines Klosters war. Die Karte ist ein wertvolles Stück, das 1620 von dem Kartografen Petrus Bertius erstellt wurde. Es ist ein weiteres Indiz dafür, dass Altrip seit seiner Gründung im Jahr 369 kontinuierlich besiedelt war. Der Altriper Ernst Schneider hat die Karte über ein Antiquariat erstanden und unserem Verein als Dauerleihgabe übergeben. Sie wird demnächst Teil einer Wanderausstellung im Rhein-Pfalz-Kreis sein.

Johann Kaufmann ging bei seinen Fälschungen sehr geschickt vor, sodass man ihm fast 40 Jahre lang nicht auf die Schliche kam. Der Geschichts- und Heimatverein Altrip, dem Alois Eitl vorsitzt, zeigt einige Objekte, vorwiegend Reliefe.

Termin
Die Sonderausstellung „Gefälschte Altertümer" wird heute, 14 Uhr, im Bürgerhaus „alta ripa" eröffnet. Dabei wird auch die Bertius-Landkarte übergeben. Die Artefakte können an diesem und am kommenden Wochenende, 26. und 27. Januar, besichtigt werden. Das Bürgerhaus hat samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. 

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 19.01.2013 / Interview: Doreen Reber)