Römische Altertümer aus eigener Werkstatt

In Altrip schildert eine Ausstellung des Historischen Museums Speyer einen Fälschungsskandal aus dem 19. Jahrhundert

Heute ist es dem Historischen Museum der Pfalz nicht mehr peinlich, dass es in großem Stil betrogen wurde. Die Ausstellung „Gefälschte Altertümer“ im Bürgerhaus Alta Ripa in Altrip zeigt Artefakte, die Johann Michael Kaufmann, Maurergeselle aus Rheinzabern, im 19. Jahrhundert als echt römisch verkauft hat, aber tatsächlich selbst hergestellt und vergraben hatte. Die Speyerer waren Hauptabnehmer.

Kleine Votivtafeln, Götterbilder, Urnen und Vasen – in Altrip sind viele Stücke aus dem feinen, rot gebrannten Ton zu sehen. Die Ausstellung erklärt auch, wie diese gefälschten Stücke entstanden sind. Es war die Zeit der Romantik. Die Antike begeisterte Künstler und Intellektuelle. Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln entstanden historische Vereine und Museen. Altertümer waren heiß begehrt.

Johann Michael Kaufmann wurde 1791 in Rheinzabern geboren und arbeitete als Maurer. Baumaterial war knapp, und so grub er römische Mauern und Ziegel aus dem Boden, um sie zu verarbeiten. Rheinzabern war in alten Zeiten ein römisches Zentrum. Weil der Boden reich an Ton ist, stellten die alten Römer hier feine Tonwaren her, die man heute als Terra sigillata bezeichnet. Die typisch rotbraunen Artefakte und Bruchstücke findet man bis heute in der Gemarkung. So grub auch Kaufmann solche Stücke aus. Der bayerische Regierungspräsident Joseph von Stichaner, Gründer des Historischen Vereins der Pfalz, bekam davon Kenntnis und war begeistert. Kaufmann war schlau genug, die Nachfrage nach römischen Fundstücken zu erkennen. Und er hatte genügend kriminelle Energie, die Sache in großem Stil aufzuziehen.

„Wo genau er die Fälschungen herstellen ließ, wissen wir nicht“, sagt David Hissnauer, der die Ausstellung konzipiert hat. Einige Stücke zeigen Indizien, die auf das benachbarte Jockgrim hinweisen. Der Doktorand hat ausführlich über die Terra sigillate geforscht und die Speyerer Bestände katalogisiert. Von 1819 bis 1860 betrieb Kaufmann einen schwunghaften Handel mit den gefälschten Altertümern. Dann flog der Schwindel auf.

Auch dies gefälscht: römischer Schrein mit Schutzgöttern. FOTO: LENZAuch dies gefälscht: römischer Schrein mit Schutzgöttern. FOTO: LENZWie Hissnauer berichtet, hatte das Historische Museum der Pfalz sogar einen Exklusivvertrag mit Kaufmann abgeschlossen und sich das Vorkaufsrecht gesichert. Aus dieser Sammlung stammen die Altriper Exponate. Es gibt aber auch Originale zu sehen. Kaufmann verwendete echte Stücke, um Kopien herzustellen, später schuf er auch eigene Kreationen aus verschiedenen römischen Elementen.

Neben Entwicklung und Verlauf dieses groß angelegten Schwindels wird in Altrip auch erklärt, wie der Fälscher aufflog. Unerklärlich bleibt aber, dass fehlerhaftes Latein und massenhafte Duplikate eigentlich individuell gewidmeter Votivtafeln selbst bei Fachleuten keinen Verdacht erregten. „Als Kaufmann anfing, gab es noch keine wissenschaftliche Archäologie, aber eine große Begeisterung“, erklärt Hissnauer dazu.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung im Bürgerhaus in Altrip, Ludwigstraße 42, ist noch am kommenden Samstag, 14-18 Uhr, und Sonntag, 11-18 Uhr, zu sehen. Der Katalog von David Hissnauer und Manuel Thomas „Gefälschte Altertümer“ ist in der Ausstellung und im Buchhandel erhältlich.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 24.01.2013 / Gereon Hoffmann)