Steinerne Zeugen antiker Geschichte

Informationsstätte mit Grabungsfunden zum ehemaligen römischen Kastell alta ripa in Altrip geplant

Der Kirchturm der protestantischen Kirchengemeinde in Altrip steht auf dem Fundament eines ehemaligen Römerkastells, ebenso ein Teil des Ortskerns. Wer heute durch Altrip geht, sieht davon nichts mehr. Einige Artefakte aus dieser Zeit, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, gibt es aber noch. Sie sollen ab Frühjahr 2014 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erklärt werden.

Das plant die Gemeinde Altrip in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein. Auf dem gemeindeeigenen Grundstück vor dem Haus in der Ludwigstraße 9 soll die „Informationsstätte Kastell alta ripa“ entstehen und damit, so der Verein, die fast 1650 Jahre alte Geschichte Altrips gewürdigt werden.

Das Gelände liegt selbst auf dem Gebiet des ehemaligen Kastells und war Grabungsort. Alois Eitl, Vorsitzender des Vereins, erklärt, was genau geplant ist. Die Artefakte – zwei Portikusspolien, ein Pilaster und der Torso einer Jupitergigantensäule – werden auf Fundamenten aufgestellt. Dazu soll es drei oder vier Info-Tafeln geben. Archäologisch am interessantesten sind die Portikusspolien, so Eitl. Ein Portikus ist ein Säulengang, eine Spolie ein Überrest eines antiken Bauteils. Diese beiden runden Teile einer Säule standen tatsächlich im alten Römerkastell, das im Jahr 369 nach Christus gebaut wurde. Wozu der Pilaster, das viereckige Säulenfragment, benötigt wurde, ist allerdings bisher nicht klar.

Funde aus römischer Zeit: Während der Pilaster und die beiden Portikusspolien (linkes Bild) bereits gereinigt sind, tragen die Überreste einer Jupitergigantensäule (rechts) noch die Spuren der Jahrhunderte. FOTOS: VEREINFunde aus römischer Zeit: Während der Pilaster und die beiden Portikusspolien (linkes Bild) bereits gereinigt sind, tragen die Überreste einer Jupitergigantensäule (rechts) noch die Spuren der Jahrhunderte. FOTOS: VEREINSchön anzusehen, aber definitiv nicht aus dem Römerkastell ist der Torso einer Jupitergigantensäule, eine mit Schuppenmuster verzierte Säule, auf dem ursprünglich wohl eine Figur gestanden hat. „So etwas hatte man in einem Kastell nicht“, weiß Alois Eitl. Die Säule stand daher wohl eher in einer Villa Rustica, einem noblen römischen Landhaus in der Umgebung, und ist von dort nach Altrip gebracht worden, um den Rhein zu befestigen.

Die Überreste waren bisher auf dem Gelände der evangelischen Kirche und auf dem Rexhof gelagert. Im Moment sind die Steine alle zur Restaurierung beim Harthausener Steinmetz Siegfried Keller. Die Vorbereitung zur Gestaltung der Infotafeln laufen auf Hochtouren. Auf ihnen wird erklärt werden, wie die Steine im Kastell verwendet worden waren, wo das Kastell im heutigen Ortsgebiet von Altrip zu verorten ist und was eine Jupitergigantensäule war.

Das Projekt wird laut Heimat- und Geschichtsverein durch den Kulturfonds der Sparkasse Vorderpfalz gefördert und von Lars Börner, dem Sammlungsleiter Urgeschichte am Historischen Museum der Pfalz in Speyer, sowie von Susanne Börner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Alte Geschichte der Universität des Saarlandes, wissenschaftlich unterstützt. (krx)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 30.12.2013)