Der römische Kaiser und sein Kastell „Alta Ripa“

Der Rhein-Neckar-Raum war bereits in der Antike ein begehrtes Fleckchen Erde - und deshalb betrieben die römischen Besatzer eine Menge Aufwand, um hier ihre Pfründe zu sichern. Das gilt insbesondere für Altrip. Der lokale Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider hat die Frühgeschichte des Ortes nun für einen Beitrag im Jahrbuch des Rhein-Pfalz-Kreises herausgearbeitet. Die Hauptrolle spielt dabei ein Kaiser aus dem 4. Jahrhundert, der heute völlig vergessen ist.

Vor genau 1650 Jahren wurde Valentinian in Konstantinopel zum Kaiser erhoben. Der ranghohe Militär machte sich sogleich daran, die marode gewordenen Grenzen des römischen Reiches zu sichern. Er errichtete entlang des Rheins zahlreiche Befestigungsanlagen - und legte somit auch den Grundstein für "Alta Ripa" ("Am hohen Ufer"), das heutige Altrip.

"Den Plan für das Bollwerk Alta Ripa hat Valentinian persönlich entworfen und sich im Jahr 369 auch einige Wochen hier aufgehalten, um die Bauarbeiten zu kontrollieren", sagt Schneider. Die erste urkundliche Erwähnung Altrips geht laut Schneider auf dieses Jahr zurück, da der Kaiser vor Ort auch Gesetzesurkunden ausfertigen ließ. Für das Kastell ließ Valentinian sogar den damals noch in anderen Bahnen verlaufenden Neckar umleiten, weil er eine Unterspülung des Bauwerks fürchtete. Zudem habe er auch einen Hafen für die Rheinflotte und eine Schiffsbrücke bauen lassen.

Altrip sollte nämlich der Ausgangspunkt für einen Vorstoß in das rechtsrheinische "Barbarenland" werden, um wieder an die alte Größe Roms anzuknüpfen. Doch das Unternehmen misslang. "Die Römer erlebten im Neckartal ein Waterloo. Als sie damit beschäftigt waren, ein Kastell anzulegen, wurden sie von den Alamannen entdeckt und bis auf einen Berichterstatter niedergemetzelt", so Schneider.

Für die historische Forschung bleibt die Sicherung der römischen Reichsgrenzen das große Verdienst Valentinians - und das über seinen Tod im Jahr 375 hinaus. Rund 40 Jahre später ist der Zerfall des römischen Reiches aber nicht mehr aufzuhalten und auch die Herren über Altrip wechseln in der Folge beständig. Das römische Erbe tauchte erst wieder bei Grabungen im 19. und 20. Jahrhundert auf - und wird heute vom Altriper Heimatverein gepflegt.

(Quelle: morgenweb.de am 20.03.2014 / Timm Herre)