Schüler testen Brotbackhaus

"Es geht los", ruft Tobias seinen Klassenkameraden zu. Dann flitzt der Drittklässler zum Brotbackhaus und verfolgt gespannt, wie Rudi Mansky, eine Ladung Brötchen "einschießt". "Das nennt man so, weil der Teig blitzschnell vom hölzernen Backbrett rutschen muss", verrät der "Herr des Feuers" den 15 Kindern von der Altriper Albert-Schweitzer-Grundschule. "Wir möchten den Schülern zeigen, dass Brot backen früher reine Handarbeit war und noch keine Brötchen über Fließbänder liefen wie heute", erklärt Alois Eitl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip, der regelmäßig Schulklassen zum Backtag einlädt.

Köstlicher Duft

Aileen knetet hingebungsvoll eine Teigkugel und ist dankbar, als ihr Eitl rät, die Hände mit Mehl einzureiben: "Gute Idee, dann klebt's nicht mehr so", ruft Aileen. "Frau Orth, was machen wir, bis die Brötchen fertig sind? Ich hab' doch jetzt schon Hunger", fragt Tobias und schaut sehnsüchtig auf die Tür des Backhauses. "Keine Angst, wir haben vorgesorgt", antwortet Rudi Mansky, öffnet die Klappe und zieht mit seinem Backbrett zwei Bleche köstlich duftenden Butterkuchen heraus. "Eine kleine Stärkung zwischendurch hält die Kinder bei Laune, sonst ist die Wartezeit zu lang und der Hefekuchen braucht nur zehn Minuten", erzählt Doris Mansky vom Heimatverein. Sie hat mit den Kindern im Unterricht auch den Schwarzwälder-Bauernbrot-Teig vorbereitet. "Der ist mit Hefe und nicht mit Sauerteig, das mögen die Kinder lieber", weiß die Expertin.

"Über Nacht haben wir den Teig in den Kühlschrank gestellt und heute durften die Kinder daraus ihre Brötchen formen", erklärt Klassenlehrerin Daniela Orth. "Wir haben das Thema Brot und Getreide im Unterricht behandelt und da ist der praktische Teil hier im Backhaus eine tolle Ergänzung", findet sie. "Kann ich bitte noch ein Stück bekommen? Der schmeckt voll lecker", fragt Marcel und schielt auf das halb volle Kuchenblech. Sofort versammeln sich die anderen Jungs der 3a hinter ihm. "Gibt's echt noch ein Stück?", fragt Sami und schiebt sich ganz nach vorne. Leni, Danielle und Maja verzieren derweil lieber ihr Schmuckblatt mit dem Brotrezept. "Das bekommt meine Mama zu Ostern", sagt Danielle und lächelt. "Wir schießen selber Brötchen ein, das macht echt Spaß und gesund ist es bestimmt auch irgendwie", ist Leni überzeugt.

"Wann sind die Brötchen denn fertig?", möchte Tobias wissen. "Das werden wir gleich herausfinden", grinst der Herr des Feuers, dann zückt er ein Thermometer, öffnet die Backhaustür und steckt es in eines der Brötchen. "Knapp 90 Grad, das reicht noch nicht. Erst wenn die Innentemperatur bei 95 liegt, sind sie gar", erklärt er den Kindern. Schon um acht Uhr in der Frühe hat Mansky den Ofen angeheizt: "Es dauert etwa vier Stunden, bis wir die Backtemperatur erreicht haben." Befeuert werde er ausschließlich mit Buchenholz. "Das raucht weniger."

"Handwerk und Mitmachaktionen, vor allem für Kinder, sind ein großes Anliegen unseres Vereins" betont Eitl. So sei auch die Idee mit dem Brotbackhaus entstanden. "Das ist eine wirkliche Errungenschaft für unseren Ort", findet Bürgermeister Jürgen Jacob, der beim Backtag ebenso vorbeischaut wie Landrat Clemens Körner. "Im März 2012 hatte der Verein die Sammelaktion ,Backsteine für das Backhaus' gestartet und beim Fischerfest im Juli hatten die Altriper die Summe von 7000 Euro schon gespendet", erzählt Jacob stolz. "Der Wunsch nach einem Brotbackhaus war da und seit der Einweihung im Oktober 2012 ist es an jedem Backtag ausgebucht", ergänzt der Vorsitzende.

Einmal pro Monat dürfen die Altriper mit ihrem Teig zum Brotbackhaus kommen, das in einem Gärtchen hinter dem Bürgerhaus im Ortskern liegt. "Wir verkaufen hier kein Brot, jeder muss seinen Teig selbst machen und das kommt gut an", erzählt Eitl. Rund 35 Drei-Pfund-Brote kommen pro Backtag aus dem Ofen. "Damit kann man natürlich nicht seinen Bedarf decken, aber es ist ein tolles Schmankerl."

"Die riechen echt cool"

Endlich ist es so weit: Rudi Mansky holt mit seinem Backbrett die köstlich duftenden Brötchen heraus. "Wow die riechen ja echt cool", findet Tobias. "Krieg' ich gleich mal eins?", fragt er beiläufig. "Nee Quatsch, davon kriegst Du nur Bauchweh, die sind doch noch ganz warm", weiß Leni. "Keine Angst, die essen wir morgen zum Frühstück", verspricht Daniela Orth. (Simone Jakob)

Vorsichtig legen die Kinder ihre Brötchen auf das Backbrett von Rudi Mansky, der im Altriper Brotbackhaus als "Herr des Feuers" gilt. - Foto: © Klaus VenusVorsichtig legen die Kinder ihre Brötchen auf das Backbrett von Rudi Mansky, der im Altriper Brotbackhaus als "Herr des Feuers" gilt. - Foto: © Klaus Venus

(Quelle: morgenweb.de am 13.04.2014)