Mit einem Gruß von Jupiter

Neue Informationsstätte Kastell Alta Ripa erinnert an römische Vergangenheit des Orts 

Ab sofort können Altriper und Besucher des Orts vier Artefakte der etwa 1650 Jahre alten römischen Befestigungsanlage im Herzen des Dorfes bewundern. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Altrip hat gemeinsam mit der Ortsgemeinde die Informationsstätte Kastell Alta Ripa in der Ludwigstraße feierlich eröffnet. Die antiken Ausstellungsstücke sind zuvor aufwendig restauriert worden.

Wie die meisten Fundstücke des im Jahre 369 erbauten Römerkastells, wurden auch die vier ausgestellten Steinfragmente bei archäologischen Grabungen in den 1920er-Jahren entdeckt. Dass diese nun wieder in Altrip zu sehen sind, ist dem geschichtsbegeisterten Ehepaar Börner und dem HGV Altrip zu verdanken. „Wir sind erst seit dreieinhalb Jahren Altriper“, sagt Lars Börner, der Sammlungsleiter für Urgeschichte am Historischen Museum in Speyer ist. Bereits während ihres Studiums haben er und seine Frau sich intensiv mit der Geschichte der Gemeinde befasst. Das habe es auch besonders attraktiv gemacht, hierher zu ziehen.

Für die Informationsstätte haben die Börners die Recherche übernommen und die beiden Info-Tafeln mit allerlei Wissenswertem über das Römerkastell Alta Ripa zusammengetragen. „Altrip lässt sich in der gleichen Tradition wie Speyer oder Germersheim sehen“, sagt Börner, der von der Fülle an historischen Dokumenten über die Gemeinde am Rhein fasziniert ist.

Seit Dezember 2013 sind die Fundstücke von Bildhauer Siegfried Keller aus Harthausen restauriert worden. „Es ist was ganz Besonderes, diese Fundstücke jetzt hier präsentieren zu können. Der größte Teil der Ausgrabungen ist nämlich nach Speyer gewandert“, sagt Alois Eitl, Vorsitzender des HGV Altrip. Der Verein hat das Projekt Informationsstätte federführend realisiert.

Die Besucher bekommen hier nicht nur die historischen Eckdaten und Informationen zur vor 1650 Jahren erbauten Befestigungsanlage, sondern können sich auch genau über die vier Artefakte informieren. Besonders die beiden Spolien zeigen deutlich, wie in der antiken Kultur Baumaterial wiederverwendet wurde. Daher auch der Name Spolie, der mit Beute oder Raub übersetzt werden kann. Diese stammen nämlich ursprünglich aus älteren Siedlungen. „Recycling beherrschten die Römer ganz gut, und taten es auch nachhaltig“, erklärt Susanne Börner, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für alte Geschichte der Universität des Saarlands tätig ist.

Das beeindruckendste Stück der Sammlung ist aber ohne Zweifel die Jupitergigantensäule. Dieses auch Schuppensäule genannte Fragment ist zwar im Kastell selbst nicht verbaut worden, war aber aller Wahrscheinlichkeit nach dafür bestimmt. „Diese Schuppensäule ist eindeutig heidnischen Ursprungs und wurde an der Rheinböschung mit anderem Baumaterial gefunden“, sagt Susanne Börner. Auch der Altriper Bürgermeister Jürgen Jacob (parteilos) ist über die neu eröffnete Informationsstätte sichtlich erfreut. „In langer Vorbereitung ist gereift, was jetzt hier zu sehen ist“, sagt das Gemeindeoberhaupt, verbunden mit der Hoffnung, dass in Zukunft Stück für Stück der Altriper Vergangenheit in die Gemeinde zurück findet.

Die gute Laune lassen sich weder die etwa 100 Besucher, noch die Verantwortlichen vom schlechten Wetter und vom Donner nehmen. „Wir haben den Gruß von Jupiter persönlich“, scherzt Historikerin Börner. Denn der war schließlich der Herr über Donner und Regen.

Einen Blick weit zurück in die Geschichte Altrips gestattet die neue Informationsstätte. FOTO: LENZ

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 14.05.2014 / Jonas Koch)

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