Auf der Suche nach archäologischen Kostbarkeiten

Jäger verscheucht Schatzsucher in Altrip – Historische Funde dürfen nicht behalten, sondern müssen gemeldet werden

In der Pfalz gibt es etwa 10.000 archäologische Fundstellen. Die meisten davon liegen in der Vorderpfalz. Spektakuläre Funde, wie der in Rülzheim (Südpfalz), rufen Schatzsucher und auch Räuber auf den Plan. In letzter Zeit hat der Altriper Jäger Franz Kraus wiederholt zwei dieser Zeitgenossen auf Altriper Gemarkung erwischt und vertrieben. Zwischen Rex- und Rheinauenhof waren sie mit Metallsuchgeräten zu Gange.

„Es waren unlängst wieder zwei Unbekannte da, die mit dem Fahrrad unterwegs waren. Auf ein Auto in Sichtweite verzichteten die Kerle, damit man sich nicht das Kennzeichen notieren kann. Als ich sie gestellt hatte, fauchten sie mich an, dass ich ihnen überhaupt nichts zu sagen hätte. Doch dann verzogen sie sich maulend“, erzählt der Jäger. Der Oberkonservator Rüdiger Schulz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Speyer (GDKE), empfiehlt in solchen Fällen, sich auf keinerlei Diskussionen einzulassen, sondern die Polizei zu verständigen – im Falle von Altrip also die Polizeiinspektion Schifferstadt. Nur die Polizei könne über Personenkontrollen den illegalen Schatzsuchern das Handwerk legen.

Teile des Rülzheimer Schatzes: Wer so etwas findet, darf es nicht behalten. FOTO: DPAJede gezielte Suche nach älteren Überresten oder Spuren menschlichen Lebens, die nicht genehmigt ist, ist nach dem rheinland-pfälzischen Denkmalschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit und kann mit bis zu 125.000 Euro Bußgeld geahndet werden. Wer gar Funde für sich behält, begeht eine Unterschlagung. Seit 1978 gibt es in Rheinland-Pfalz das sogenannte „Schatzregal“. Jeder historische Fund, auch auf dem eigenen Grundstück, ist hiernach anzuzeigen und gehört dem Land.

Natürlich kann es sein, dass daran kein großes Interesse besteht, etwa wenn eine gefundene Münze schon zigmal archiviert ist. Von Interesse ist dabei allerdings, von wo und in welcher Tiefe der Fund stammt. Fundmeldungen können sowohl mündlich als auch schriftlich an die GDKE, an die Kreisverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde oder aber auch an die Orts- oder Verbandsgemeindeverwaltung gerichtet werden. Diese verständigt dann ihrerseits die Fachbehörde, die entscheidet, was mit dem Fund geschehen soll. Es gelte, das kulturelle Erbe des Landes zu erhalten. Schatzgräber eignen sich, sagt Experte Schulz, nur den Fund an. Archäologen auf der anderen Seite interessierten sich besonders auch für das Fundumfeld. Für sie komme es darauf an, mit speziellen Methoden das genaue Alter und die Begleitumstände des Fundes festzustellen.

Doch was suchen eigentlich die vom Jäger Franz Kraus gestellten Männer auf Altriper Gemarkung? Zunächst einmal tummeln sie sich auf historischem Boden. Denn die Siedlung ist in der Römerzeit entstanden. Die Schatzsucher suchen nach Stücken aus dieser Epoche. Vielleicht haben sie aber auch die fünf im Fruchtbestand sichtbaren Kreise in einem Feld angelockt. Dort vermuten sie wahrscheinlich Funde, die bei rituellen Handlungen abgelegt wurden. Vielleicht glauben sie gar an Landeplätze von Unbekannten Flugobjekten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um zugeschüttete Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, auf denen sich das Korn, bedingt durch fremdes Auffüllmaterial, in veränderter Vegetation zeigt. Demnach gebe es hier also gar nichts zu finden.

Im alten Ortsgebiet von Altrip ist übrigens im Bereich der spätantiken Kastellanlage Alta Ripa ein Grabungsschutzgebiet ausgewiesen. Das Gebiet umfasst Teile der Ludwigstraße im Bereich der Kirche sowie ein Großteil der Reginostraße. Hier dürfen Bauprojekte nur nach Rücksprache und Beteiligung der GDKE erfolgen. Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist zwar keine „Käseglocke“ übergestülpt, doch bauliche Veränderungen bedürfen einer Genehmigung durch die untere Denkmalschutzbehörde. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 03.09.2014)