Der Letzte seiner Art

Walter Hartmann erinnert sich an die Arbeit seines Vaters als Berufsfischer

Der Rhein und seine angrenzenden Gewässer ernährte die Altriper über viele Jahrhunderte hinweg. Im 20. Jahrhundert war noch der letzte Berufsfischer, Ludwig Hartmann, auf dem Rhein bis in die 1950er-Jahre aktiv. Doch dann musste er umsatteln. Sein Sohn Walter Hartmann erinnert sich noch an diese Jahre der Veränderung.

Walter Hartmann ist Angler. Das Fischen ist dem Altriper in die Wiege gelegt worden. Denn schon als Kind war er mit seinem Vater Ludwig unterwegs auf dem Rhein. „Sonntagmorgens sind wir auf Hecht und Zander gegangen“, erinnert sich der 65-Jährige. Sein Vater war Fischereimeister. Den Meisterbrief von 1950 hat Walter Hartmann noch.

Ludwig Hartmann hatte sein Handwerk auch von seinem Vater Konrad gelernt. Dieser hat von 1914 an fast 40 Jahre lang als Berufsfischer seinen Unterhalt verdient. In Altrip hieß die Familie nur „Die Hartmänner“. Als Konrad Hartmann 1952 bei einem Unfall ums Leben kam, führte seine Witwe – die sogenannte Fischers-Bawett – den Betrieb, der 1860 gegründet worden war, weiter. Ihr Sohn Ludwig und ihre Tochter Else, damals schon erwachsen, unterstützten sie tatkräftig.

Dass die ganze Familie in der Fischerei mithalf, war seinerzeit selbstverständlich, Urlaubsreisen so wie heute gab es keine, weiß Walter Hartmann. Er war zwar damals noch ein Kind, aber er kann sich noch daran erinnern, wie schwer die Arbeit für seinen Vater war. „Morgens um 6 Uhr ging es mit dem Kahn raus – manchmal bis um Mitternacht“, erzählt Walter Hartmann. Das Fischen war schwere körperliche Arbeit: „Zum Einziehen der Netze brauchte man Muskelkraft.“

Auch die Kinder mussten mithelfen – nicht nur beim Netzeflicken, sondern auch auf dem Fischerkahn. „Es ging bei Wind und Wetter raus. Da haben wir manchmal ganz schön gefroren“, erinnert sich Walter Hartmann. Aber auch an die Zeit, als er nachts alleine zu Hause war, weil seine Eltern zum Fischen gefahren waren, denkt er in manchen Momenten noch zurück. Er habe Angst gehabt so allein zu Hause, aber eine Nachbarsfamilie habe nachts auf ihn aufgepasst, erzählt er.

In den 1950er-Jahren nahmen die Erträge bereits merklich ab. Und obwohl Ludwig Hartmann und seine Helfer oft bis tief in die Nacht hinein fischten, reichte der Fang dann nicht einmal zur Deckung der Unkosten. Während früher der Ertrag sechs bis sieben Zentner pro Abend betrug, war er Ende der 1950er-Jahre auf ein Zehntel gesunken. Der Grund für die fallenden Erträge habe vor allem in der zunehmenden Verschmutzung der Gewässer durch die Industrie gelegen, sagt Walter Hartmann. Auch der wachsende Schiffsverkehr habe eine Rolle gespielt.

Hobbyangler: Walter Hartmann füttert am Altrhein auch gerne Schwäne. Am Bürgerhaus Alta Ripa erinnert eine Skulptur an die Altriper Fischer. Fotos: Frei/MöbusSo war damals in Zeitungsartikeln vom Aussterben der Berufsfischerei die Rede. Auch Ludwig Hartmann musste sich nach einer anderen Arbeit umsehen, um seine Familie ernähren zu können. In den 1960er-Jahren suchte er sich eine Stelle bei der Firma Giulini und betrieb die Fischerei noch als Nebenerwerb weiter. Später übernahmen Sohn Walter und seine Mutter die Arbeit, während Ludwig Hartmann eine volle Stelle bei Giulini hatte. Ihr Revier war der Neuhofener Altrhein, den sie gepachtet hatten, bis das Gewässer vom Sportanglerverein übernommen wurde.

Heute geht Walter Hartmann gerne zum Angeln – als Freizeitvergnügen. Auch wenn der Rhein inzwischen wieder sauberer ist, sind die Netze trotzdem nicht voll: „Im Rhein fängt man überhaupt nichts“, berichtet der 65-Jährige. Gerne geht er an den Altrhein, dort hat er dann, wenn er seine Angel ins Wasser hängt, Zeit, die Schwäne zu füttern. „Die kommen sofort, wenn sie mich sehen“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ, Marktplatz regional, vom 03.09.2014 / Mechthild Möbus)