Ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte

Die Sowjets schickten 1957 den ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn und  schafften 1966 eine erste weiche Sondenlandung auf dem Mond, die Amerikaner schließlich landeten 1969 mit drei Astronauten  auf dem Mond und nun, am 12. November 2014, gelang es den Europäern erstmals eine Sonde auf einem Kometen abzusetzen. Untrennbar mit diesem Projekt, „Rosetta“ genannt, ist der Name von Prof. Dr. rer.nat. Gerhard Schwehm, dem Sohn eines Altriper Volksschulrektors verbunden.

Prof. Dr. rer.nat. Gerhard Schwehm - Foto: ESAProf. Dr. rer.nat. Gerhard Schwehm - Foto: ESADer ausgewiesene Kometenexperte der auch stellvertretender Projektwissenschaftler der Giotto-Mission zum Halleyschen Kometen war, befasste sich parallel dazu ab 1985 als wissenschaftlicher Koordinator der Rosetta-Mission der ESA in Darmstadt. Nach dem geglückten Start 2004, im 3. Anlauf übrigens, legte die Sonde bis  zum Absetzen des ca. 100 Kilogramm schweren Forschungssonde Philae auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerasimenko“, kurz „Tschuri“, binnen zehn Jahren  6,4 Milliarden Kilometer zurück. Die Entfernung zum jetzigen Kometenstandort beträgt 510000 Kilometer und trotz Lichtgeschwindigkeit benötigen die Funksignale 28 Minuten bis dorthin. Der Altriper Wissenschaftler wurde schon nach dem Start 2004 verantwortlicher Leiter, hat also von Anfang an die Mission begleitet und mitentwickelt  und ist vor Kurzem in den Ruhestand getreten. Schwehm wurde auch 2006 als Leiter der Solar System Mission Operations Division in Madrid verantwortlich für die ESA-Missionen zur Erforschung des Sonnensystems.

Klar, dass er am 12. November im Saal der europäischen Weltraumorganisation ESA das Geschehen im All mit verfolgte. Die Forscher Tschurjumov und Svetlana Gerasimenko, die 1969 den Kometen entdeckten, verfolgten die  spannenden Ereignisse übrigens von Deutschland aus ebenfalls.

Gerhard Schwehm hat die Ziele der Mission wie folgt beschrieben: „Wir können keine Probe zur Erde bringen, dafür wollen wir ein Labor zum Kometen bringen:“ Die aus Staub, Eis und Materie bestehenden Kometen sind in ihrem Verhalten unberechenbarer und schneller als Asteroiden. Da Kometen uralte Zeitzeugen der Entwicklung eines Sonnensystems sind, gelten sie als kosmische Tiefkühltruhen, in denen die Vergangenheit konserviert ist. Insoweit verspricht sich Schwehm Kenntnisse auch über  die Bausteine des Lebens auf der Erde. Gut eineinhalb Jahre umkreiste Rosetta bereits den Kometen und seit 3 Monaten nimmt „Muttersonde“ auch Messungen vor. Dass die Trennung von der Trägersonde Rosetta vom Lander Philae so reibungslos klappte, stellt eine technische Meisterleistung dar. Auch wenn die harpunenartigen Standbeine nicht für die gewünschte Standfestigkeit sorgten  und Philae am Landeplatz „Agilkia“ nicht so viel Sonnenlicht erhält, so ist die eine Milliarde Euro teure Mission doch ein Erfolg und ein Meilenstein der Menschheitsgeschichte. Altrip kann sich nun rühmen, nicht nur Geburtsort des Verfassers der ältesten deutschen Weltgeschichte, des Abtes Regino zu sein, sondern auch von einem Weltraumpionier von Weltrang. 

(Quelle: speyer-kurier.de am 20.11.2014 / Wolfgang Schneider)