Wetterschäden am Wahrzeichen

Spätestens bis zur großen 1650-Jahr-Feier 2019 soll der Altriper Wasserturm saniert sein

Für Altriper symbolisiert er Heimat – wer von einer längeren Reise heimkommt und sich dem Dorf nähert, freut sich, den Wasserturm zu erspähen. Mit seiner markanten Spitze und dem Glockengehäuse ist er das Wahrzeichen der Altrheingemeinde – allerdings ein sanierungsbedürftiges. 

Am Glockengehäuse müssen Bauteile ersetzt werden – und wenn das Gerüst schon mal steht, soll der Turm auch einen neuen Anstrich bekommen. ARCHIV: GHXAm Glockengehäuse müssen Bauteile ausgewechselt werden. „Und ohne Gerüst geht da nichts“, sagt Jürgen Jacob. Ein Gerüst macht Bauarbeiten aber gleich mal teurer. Seinen Rat hat der Ortsbürgermeister deshalb schon mal darauf eingestimmt, dass in dieser Sache nicht unerhebliche Kosten auf die Gemeinde zukommen. „Ich weiß wirklich noch nicht, was die Arbeiten kosten – mein Fingerspitzengefühl sagt mir rund 80.000 Euro.“ Denn eines sei auch sicher: Steht das Gerüst einmal, soll das Gebäude auch einen neuen Anstrich bekommen. Das letzte Mal ist vor 21 Jahren gestrichen worden. „So ein Turm ragt in die Landschaft und ist dem Wetter ausgesetzt.“

Jacob ist wichtig, dass das Wahrzeichen 2019 schön aussieht. Dann wird Altrip nämlich 1650 Jahre alt. „Wann saniert wird, weiß ich nicht, aber zum Jubiläum sollte das Gerüst wieder abgebaut sein.“

2019 ist der Wasserturm 92 Jahre alt. Ab 1926 ist gebaut worden, am 6. August 1927 floss erstmals Trinkwasser aus Wasserwerk und Wasserturm in die Hausleitungen. In jenem Jahr lebten etwa 2700 Einwohner in Altrip. „Jeden Tag in den Abendstunden ist der 150 Kubikmeter große Sammelbehälter gefüllt worden“, erzählt Jacob. Das habe gereicht für eine Nacht und einen Tag. Doch dann ist Altrip gewachsen. 1950 waren es 3700, 1980 schon 5700 und 2000 dann 7900 Einwohner. Irgendwann hat das Wasser nur noch für die Nacht ausgereicht – „morgens mussten wieder die Pumpen des Wasserwerks anspringen und frisches Nass fördern“. 

2007 – also zu seinem 80. Geburtstag – ist der Wasserturm schließlich in Ruhestand gegangen. Die Gemeinde hatte Verhandlungen mit den Technischen Werken Ludwigshafen aufgenommen. Seit Frühjahr 2006 war an einer 4,8 Kilometer langen Trinkwasserverbundleitung gebaut worden. „Sie führt vom Knotenpunkt am Münchner Häus’l in Rheingönheim raus nach Altrip. Erst rechts der Straße entlang, später – nach dem Rehbach – links. Über Naherholungsgebiet und Gewerbegebiet an der Sandbahn erreicht sie schließlich das Dorf“, beschreibt Jacob den Weg des Trinkwassers nach Altrip. Das fließt, seitdem am 30. April 2007 die Schieber geöffnet wurden. 

Sollte die Trinkwasserverbundleitung einmal gekappt werden, verdursten die Altriper trotzdem nicht gleich – und das liegt nicht nur an der Nähe zum Rhein. Das Wasserwerk Altrip befindet sich zwar in einer Art „Stand by“-Funktion. Die Pumpen fördern jeden Tag aber immer eine gewisse Menge Wasser aus zwei Tiefbrunnen, die laut Jacob auch ins Netz eingespeist wird. Und wenn da nichts mehr geht – über einen Notwasserbrunnen verfügt der Ort auch noch. 

Der Altriper Wasserturm gilt als das höchste Gebäude in Altrip – das ist unumstritten. Wie groß er aber genau ist – da haben die Angaben immer geschwankt: 36 oder doch 41 Meter? Glaubt man Aufzeichnungen des Heimat- und Geschichtsvereins ist der Turm exakt 38,75 Meter hoch. Wer ihn trotzdem nicht sieht, der hört wenigstens sein Gebimmel. Ob der Klang auch Heimatgefühle auslöst? „Auf jeden Fall weiß jeder, welche Stunde geschlagen hat“, sagt Jacob und lacht. Und, keine Frage, die Zeitmesser sind genau. Als würden in Altrip die Uhren anders gehen ... 

(DIE RHEINPFALZ vom 30.06.2015 / Britta Willeke)