Gespenstergeschichten und ein redseliger Kaiser

Der Altriper Wolfgang Schneider stellt sein neuestes Buch vor und schenkt der katholischen Gemeinde ein historisches Werk 

Altrip. Die Verbandsgemeinde hat noch keinen endgültigen Namen, aber schon das erste Buch, das Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee verbindet: „Wo es raunt, geistert und spukt“ hat der Altriper Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider sein Werk genannt, in dem er „Geschichten und Geschichte“ aus den vier Ortsgemeinden vorstellt. Bei der Feierstunde überreichte er der katholischen Gemeinde außerdem ein historisches Buch, das Wilhelm Abraham Teller verfasst hat. 

Manche Bräuche sind in der einen Gemeinde wohl bekannt – aber im nur wenige Kilometer entfernten Nachbardorf schon nicht mehr. Und im restlichen Rhein-Pfalz-Kreis gilt das noch mehr. Jockele und sein Mohrle wird außerhalb von Neuhofen kaum jemand kennen. Der Schlapphut ist ein unheimlicher Waldgeist, den man sowohl in Altrip als auch in Neuhofen schon gesehen hat – wenn auch unter verschiedenen Namen. Ritter Hans von Otterstadt fiel in Speyer am Rosssprung seinem eigenen Ehrgeiz zum Opfer, die Mahle von Waldsee war in den 50er-Jahren eine Frau, die mit anderen Waldarbeitern im Staatsforst arbeitete – und weil der Wirt sie nicht für eine Frau hielt, hielt sie ihm die Beweise vor Augen.

Schneiders Büchlein wird Freude machen, den Eindruck hat man gleich, wenn man das sehr schön aufgemachte Bändchen in die Hand nimmt. Über 40 Geschichten hat der eifrige Forscher gesammelt und herausgegeben. Es geht dabei um alte Sagen mit unheimlichen Geistern, aber auch um historisch belegte interessante Überlieferungen von Ereignissen und Entwicklungen der vier Ortsgemeinden. Illustriert ist das 74 Seiten starke Büchlein mit schönen Orts- und Landschaftsfotos, die Claudia Seifert gemacht hat. Das tadellose Layout hat Dagmar Schwall gestaltet. 

Antrieb sei ihm gewesen, ein Buch zu veröffentlichen, das für alle Bürger der Verbandsgemeinde unterhaltsam und nützlich sei und die Menschen näher zueinander bringe, sagte Schneider. Zudem wünsche er sich, dass vor allem junge Leute dadurch mehr über ihre Heimat und die Gemeinden in ihrer Nachbarschaft erfahren. Viele der Geschichten seien in verschiedenen Publikationen veröffentlicht, so manches wurde über Jahrzehnte und Jahrhunderte weitererzählt – jetzt liege eine Sammlung vor. 

Das eine Buch (linkes Bild) hat Wolfgang Schneider selbst verfasst, das andere aufgestöbert. Fotos: LenzWolfgang Schneider, Jahrgang 1942, ist seit seinem 20. Lebensjahr begeisterter Heimatforscher. Für seine Gemeinde Altrip hat er bereits mehrere historisch interessante Bücher erworben und zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse seiner Forschungen hat er im Heimatjahrbuch des Landkreises und in vielen eigenen Publikationen veröffentlicht. Das Buch „Wo es raunt, geistert und spukt“ ist in den Bürgerbüros der Ortsgemeinden Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee zum Preis von acht Euro zu bekommen. 

Die katholische Gemeinde Sankt Peter und Paul kann sich aber noch über ein weiteres historisches Buch freuen, das Schneider für sie gefunden und ihr geschenkt hat: „Geheime Gespräche eines Monarchen mit seinem Nachfolger über Religionsfreiheit und Menschenrechte“. Darin lässt der protestantische Theologe Wilhelm Abraham Teller den römischen Kaiser und Gründer von Altrip, Valentinian I. mit seinem Sohn Gratian sprechen. Schneider ist davon überzeugt, das sowohl Valentinian als auch sein Sohn sich in Altrip aufgehalten haben. Wilhelm Abraham Teller ist ein protestantischer Theologe, der von 1734 bis 1804 lebte. In der Allgemeinen Deutschen Biografie von 1894 wird er beschrieben als „scharfsinniger, rühriger, schlagfertiger und freimüthiger Aufklärungstheologe.“ Sein von Schneider entdecktes Buch wurde 1773 veröffentlicht. Es soll einen Ehrenplatz neben dem Sendhandbuch, einer Kirchenrechtssammlung des Regino von Prüm, bekommen, sagte die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Christine Tisch.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 05.09.2015 / Von Gereon Hoffmann)