Stolperstein in Ludwigshafen für Fridolin Braun

Stolperstein in Ludwigshafen für Fridolin BraunSeit acht Jahren werden in Ludwigshafen Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Anfang der Woche sind 13 neue dazugekommen ("Gegen das Vergessen"). Darunter auch einer in der Friesenheimer Straße in Ludwigshafen-Oppau für Fridolin Braun.

Wer dieser Fridolin Braun war und was er mit der Gemeinde Altrip zu tun hat, erfahren Sie hier.

Der am 19. Februar 1888 geborene Lehrer Fridolin Braun, der sich schon früh zur Sozialdemokratie bekannt hat, wurde nach Ende des Ersten Weltkrieges wegen seines "politisch aufmüpfigen Verhaltens" und auf Drängen der französischen Besatzungsmacht nach Oppau versetzt. Dort wirkte der Pädagoge ab August 1919 an der Goethe-Schule, deren Leitung er im Jahr 1930 übernahm.

Er galt als fortschrittlich und seine Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf die Schule. So wurde schon 1926 eine Volksbücherei unter seiner Leitung geschaffen und der von ihm gegründete Volksbildungsverein, dem er auch lange Jahre vorstand, hatte zu seiner Blütezeit über 800 Mitglieder.

Letztendlich wurde ihm jedoch sein Engagement zum Verhängnis. Als Leiter des Reichsbanner "Schwarz-Rot-Gold" wurde er von den Nationalsozialisten am 10. März 1933 auf dem Schulhof und vor den Augen seiner Schüler in "Schutzhaft" genommen und mehrere Wochen im Landgerichtsgefängnis in Frankenthal festgehalten.

Nach der Haftentlassung erhielt er einen Stadtverweis und wurde schließlich nach Altrip strafversetzt. Nach 7 Monaten Suspendierung durfte er, degradiert zum Hilfslehrer, auch wieder als Pädagoge arbeiten. In Altrip blieb Fridolin Braun nicht untätig, organisierte er zum Beispiel 1936/37 an der Binslach (Silbersee) ein Schwimmfest.

Kurz vor Kriegsende wollten ihn die damaligen Machthaber zur Aufstellung von zwei von Sturmabteilungen in Altrip heranziehen. Braun jedoch sympathisierte mehr mit den mutigen Altriper Frauen, von denen die Panzersperren durchgesägt und beseitigt wurden, noch bevor die amerikanischen Truppen die Rheingemeinde erreichten.

Fridolin BraunDie amerikanische Besatzungsbehörde setzte Fridolin Braun am 1. Mai 1945 als kommissarischen Bürgermeister der Gemeinde Altrip ein. Zusammen mit seinem Stellvertreter und dem siebenköpfigen "Beirat", der an die Stelle des früheren Gemeinderates trat und ebenfalls von der Militärregierung eingesetzt war, nahm er bereits Mitte Mai die Arbeit auf.

Fridolin Braun bemühte sich nach Kräften, die Lebensverhältnisse der Bevölkerung einigermaßen erträglich zu gestalten. Die ständigen, vielfach überzogenen und oft nicht nachvollziehbaren Anordnungen der Besatzungsmacht, insbesondere in den ersten Nachkriegsmonaten, wurden zumeist als reine Siegerlaune empfunden. Bürgermeister Braun verstand es jedoch immer wieder, die erhitzten Gemüter seiner Gemeinde zu besänftigen.

Im Oktober startete er angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes und des Winters eine Sammelaktion für das von ihm in Altrip ins Leben gerufene „Soziale Hilfswerk", insbesondere für Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, ausgebombt oder gesundheitlich ruiniert waren oder den einzigen Ernährer in der Familie verloren hatten.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das Fridolin Braun in seiner kurzen Amtszeit zu bewältigen hatte, geprägt von der Sicherstellung der Ernährung, der Brennstoffbeschaffung, Entnazifizierung und Vorbereitung der ersten demokratischen Wahlen im Jahr 1946.

Seine Amtszeit endete am 20. September 1946, abgelöst wurde er nach den offiziellen Wahlen durch Adam Jacob (SPD), der zuvor schon von 1925-1929 Bürgermeister der Rheingemeinde war. Braun verabschiedete sich mit einer eindrucksvollen Rede von der Altriper Bevölkerung und widmete sich sodann wieder ganz seinem Lehrerberuf und wurde auch in Altrip wieder Rektor wie einst in Oppau.

1955 schrieb Fridolin Braun Seine Erinnerungen an das Kriegs- und Nachkriegsgeschehen in Altrip nieder und hinterließ der Nachwelt damit einen einzigartigen Zeitzeugenbericht, der unter dem Titel "Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit aus Altriper Sicht" auch 1969 im Buch "Altrip - Porträt eines Dorfes" veröffentlicht wurde.

Fridolin Braun verstarb am 27. November 1968.