Ein Löwe schleicht sich ins Bild hinein

Das Altriper Gemeindewappen verrät etwas über die Geschichte des Orts und der gesamten Pfalz 

Dem Kenner gibt das Wappen der kleinen Gemeinde am Rhein auf einen Blick gleich drei wichtige Informationen: Es zeigt den Pfälzer Löwen, die bayerischen Rauten und den Ludwigshafener Anker. Sowohl geografisch als auch geschichtlich ist das sehr aufschlussreich. 

Hat es auch ins Wappen geschafft: der Pfälzer Löwe. REPRO: DEBUSVorbild für das Altriper Ortswappen war ein altes Gerichtssiegel. Laut Karl Heinz Debus, dem Verfasser von „Das große Wappenbuch der Pfalz“, kam es erwiesenermaßen bereits 1772 zum Einsatz – und wich in seiner Form nur geringfügig vom heutigen Bild ab. Es zeigte ein Wappen mit Rauten und Anker. Der Löwe war darauf jedoch noch nicht zu sehen. Er diente vielmehr als Schildhalter – also als eines der edlen Tiere oder Fabelwesen, die das eigentliche Wappen gern mal für den Betrachter aufrecht halten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts beantragte die Gemeinde Altrip ein eigenes Wappen und bekam dieses im Januar 1926 vom bayerischen Staatsministerium des Inneren genehmigt. Zu diesem Anlass wurde der Pfälzer Löwe nach innen gerückt – also sozusagen in den Schild hinein. 

Die engen Bande, die die Pfalz über Jahrhunderte zu Bayern pflegte, zeigt das Altriper Wappen auch für in der Heraldik, also der Wappenkunde, Unbewanderte recht deutlich an – und zwar mit den weiß-blauen Rauten, die als durch und durch bayerisches Symbol bekannt sind. Nimmt man es genau, ist der Pfälzer Löwe sogar ein weiterer Hinweis auf die Verquickung mit Bayern, oder vielmehr: mit den Wittelsbachern. Die Wurzeln dieses bedeutsamen Adelsgeschlechts reichen so weit zurück, dass sich Historiker über seine Herkunft streiten. Fest steht jedoch: Die Ursprünge liegen in Bayern. Und neben den charakteristischen „Wittelsbacher Rauten“, die bis heute das kleine bayerische Staatswappen zieren, ist der Pfälzer Löwe ein Bestandteil des Familienwappens. Das gilt seit dem 13. Jahrhundert, also ungefähr ab jenem Zeitpunkt, in dem mit Ludwig I. dem Kelheimer, Herzog von Bayern, der erste Wittelsbacher „Pfalzgraf bei Rhein“ wurde. Mit diesem doppelten Amt – Herzog und Pfalzgraf zugleich – war der Grundstein für die Verbandelung beider Regionen gelegt. Danach herrschten die Wittelsbacher lange sowohl in Bayern als auch in der Pfalz. 

Das letzte Element des Ortswappens ist der Anker. Er hilft vor allem bei der geografischen Verortung: In Gold auf Rot entspricht er dem Ludwigshafener Stadtwappen, das 1839 genehmigt wurde – vom bayerischen König Maximilian II. höchstselbst. (yns)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - vom 02.08.2016)