Die Altriper Var

Erwähnenswert sind auch noch Angaben über die Auslastung der Fähre. Im Oktober 1954 wurde an sieben Tagen eine Verkehrszählung durchgeführt. So benutzten damals an einem Tag durchschnittlich ca. 56 PKW's, 10 LKW's, 143 Motorräder, 1150 Radfahrer und 521 Fußgänger die Fähre. Als Mittelwert wurden pro Tag zwischen 5.00 Uhr und 24.00 Uhr 81 Überfahrten in jede Richtung festgestellt, die Höchstzahl lag bei 90 und die Mindestzahl lag bei 68 Überfahrten. Die Höchstzahl der stündlichen Überfahrten waren acht, die Mindestzahl war eine Überfahrt.

Das Landratsamt Ludwigshafen und das Amt für öffentliche Ordnung in Mannheim forderten, bis spätestens 25. Januar 1955 auf dem rechten Rheinufer bei Strom-km 415,24 eine Beobachtungsstation einzurichten und zu unterhalten. Von dieser Station aus soll der Fährführer bei Tage durch Hissen einer weißen Flagge und bei Nacht durch Setzen einer blauen Signallampe vom Herannahen der zu talfahrenden Schiffe unterrichtet werden. Gegen diese Anordnung hat die Gemeinde Einspruch eingelegt und es damit begründet, dass in der neuen ab 1. Januar 1955 geltenden Rheinschifffahrtspolizeiverordnung in § 62 d festgelegt ist, dass zu tal- und zu bergfahrende Schiffe vor Erreichen von Gierfähren am Längsseil entsprechende Schalltöne zu geben haben. Diese Signalgebung kann von dem Fährführer viel eher und sicherer wahrgenommen werden als die Signale der Beobachtungsstation, die bei trübem, düsigem und nebeligem Wetter überhaupt nicht erkennbar sind und auch den Fährführer nicht von der Verantwortung seines Entscheids, ob er eine Überfahrt wagen kann, entbindet. Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme noch an, dass diese Beobachtungsstation den Gemeindehaushalt um nahezu 12.000,- DM jährlich belasten würde. Später wurde noch ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Es nützte jedoch nichts. Die Beobachtungsstation musste eingerichtet werden.

Noch zu vermerken ist, dass der Gemeindehaushalt für das Haushaltsjahr 1956 von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt wurde, weil beim Rheinfährbetrieb ein Fehlbetrag von 25.50O,- DM ausgewiesen war. Erst durch eine 50%ige Erhöhung der Fährgebühren war ein Ausgleich des Wirtschaftsplanes möglich, und die Aufsichtsbehörde genehmigte den Haushalt.

Im Jahre 1955 befasste sich die Gemeinde Altrip mit der Bildung der Rheinfähre Altrip GmbH. Die kommunale Arbeitsgemeinschaft "Rhein-Neckar" war maßgeblich an der Gründung beteiligt. Die Gesellschaftergründung erfolgte am 27. Juli 1955 in Mannheim, gegründet mit dem Ziel, eine motorbetriebene Fähre für Altrip anzuschaffen. Mitgesellschafter waren neben der Gemeinde Altrip mit 40 %, die Stadt Mannheim mit 40 % und der Landkreis Ludwigshafen mit 20 % Beteiligung.

Die Geschäftsführung wurde der Gemeindeverwaltung übertragen, die technische Überwachung oblag dem Tiefbauamt Mannheim. Geschäftsführer wurde der damalige Bürgermeister Philipp Hermann Hook.

Die erste MotorfähreDie erste Motorfähre

Sofort nach der Gründung wurde sich verstärkt für die Anschaffung einer Motorfähre eingesetzt. Die Planung für die Motorfähre und den Umbau der Anlegestellen wurde vergeben. Den Auftrag zum Bau der für damalige Verhältnisse modernsten freifahrenden Fähre auf dem Rhein erhielt die Schiffswerft Clausen in Oberwinter zum Preis von 270.00O,- DM. Die beiden Landepritschen kosteten nochmals 20.00O,- DM und der Umbau der Anlegestellen rechts und links des Rheins verschlang 163.00O,- DM.

Am 25. Januar 1958 wurde die Motorfähre in Dienst gestellt.

Die Männer der ersten Stunde auf dieser Motorfähre waren die Fährführer Anton Fatho, Franz Holdermann, Ferdinand Wegh sowie die Fährgehilfen Adam Gustav Hauk, Jakob Hook 13., Roland Hofacker, Richard Kollmannsperger, Wilfried Fatho, Fritz Mauß und Nachtwächter Albert Gehrke. Als Aushilfen waren eingesetzt Heinrich Kimpel und Georg Siehl.

Die neue FähreDie neue Fähre

Geschäftsführer Philipp Hermann Hook wurde Mitte 1958 von Bürgermeister Emil Lebherz abgelöst. Dessen Nachfolger wurde 1967 Michael Marx. In seine Zeit fiel auch die Änderung der Geschäftsanteile. So gab die Gemeinde Altrip 20 % ihrer Anteile ab. Die Beteiligung der Stadt Mannheim erhöhte sich um 10 auf 50 %, die des Landkreises Ludwigshafen ebenfalls um 10 auf 30 %, während die Gemeinde Altrip an der GmbH nur noch mit 20 % beteiligt war. Marx wurde dann 1979 in der Geschäftsführung von Bürgermeister Willi Kotter abgelöst.

Aufgrund der gestiegenen Reparaturkosten, der geringen Bodenstabilität und des Alters der Fähre fasste die Gesellschafterversammlung am 25. November 1987 den Beschluss, ein neues Fährschiff anzuschaffen. Während die alte Motorfähre nur maximal zehn PKW's fassen konnte, sollte bei der Planung Wert auf eine größere Kapazität gelegt werden. So wurde eine größere Fähre mit drei Fahrspuren (bisher zwei) für 17 Pkw geplant. Den Auftrag zum Bau erhielt die neue Germersheimer Schiffswerft zum Preis von ca. 3 Mio DM. So versieht eine große, moderne Motorfähre seit 9. Januar 1992 ihren Dienst am Rhein.

(Festschrift 1625 Jahre Altrip / Horst Hook)