Strandbad Altrip

Im heißen Sommer des Jahres 1928 besuchten samstags und sonntags jeweils nahezu 10.000 Badegäste, zumeist "Überrheiner" aus Neckarau und Rheinau, das Altriper Rheinstrandbad. Das Strandbad zog sich unterhalb der Fähranlegestelle auf 900 Meter Länge entlang einer bis zur Flussmitte reichenden Kiessandbank hin. Obwohl die Gierfähre der Gemeinde pausenlos fuhr, stauten sich auf badischer Seite die Badelustigen, die überwiegend zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der "Elektrischen", der Linie 16, anreisten. Von den nachdrängenden Menschenmassen wurden nicht wenige in das Wasser an der Fährrampe gedrängt. Die Gemeinde Altrip, die in jener Zeit noch keine 3.000 Seelen zählte, stand dieser Situation ziemlich hilflos gegenüber. Der einzige Ortspolizist zeigte sich zwar täglich am Strand, konnte jedoch die rapide Zunahme von Diebstählen nicht verhindern. Hinzu kam, dass häufig Badegäste sich an den Rettungsnachen der Fähre klammerten und sich so bis nahe an die Schifffahrtsrinne ziehen ließen. Sogar an die Seile der in Betrieb befindlichen Buchtnachen der Gierfähre "hängten" sich die Wasserfrösche an. 1930 bildete der neu gewählte Bürgermeister Karl Baumann eine "Strandbadkommission", und der Gemeinderat erließ eine Strandbadordnung. Doch die Regierung der Pfalz lehnte die Badeordnung ab, da es nicht Angelegenheit der Gemeinde war, den Gebrauch von Paddelbooten und Kanus auf dem Rhein zu unterbinden. Auch das Angelverbot im Strandbereich musste "höhernorts" entschieden werden. Die Gemeinde steckte die Badezone mit Döppern, die rund 50 Meter von der Uferzone entfernt waren, ab, und mit Klingelzeichen wurde das Ende des Badebetriebs angezeigt. Baden war ohnehin außerhalb der markierten Zone streng verboten. Sobald das Glockenzeichen ertönte, mussten sich die Badegäste "raschestmöglich ankleiden und unverzüglich das Bad verlassen".

Auch der Aufenthalt an Land außerhalb der festgesetzten Zeiten war verboten. Gemeindliche Ordnungshüter sorgten für die Einhaltung der rigiden Vorschriften. Das Bezirksamt Ludwigshafen (heutige Kreisverwaltung) erließ ebenfalls eine Altriper Strandbadordnung, und die Regierung der Pfalz forderte von der Gemeinde Altrip noch den Zusatz, und zwar gleich in Paragraf 1: "Es ist verboten, so genannte Dreiecksbadehosen zu tragen." (Ein solches Verbot wurde später in Preußen mit der "Zwickelverordnung" berühmt). Für Zuwiderhandlungen war übrigens eine Haftstrafe bis zu 14 Tagen vorgesehen.

Trotz großer Not florierte das Strandbadleben

Im November 1930 musste Altrip wegen der katastrophalen Finanzlage infolge der hohen Arbeitslosigkeit die Gemeindebiersteuer und die Bürgersteuer, auch Pro-Kopf- oder Negersteuer genannt, einführen. In dieser Situation brachte der Strandbadbetrieb nicht nur den Fährpächtern willkommene Einnahmen, sondern auch Altriper Händler profitierten davon. Allein neun Erlaubnisse zum Feilbieten von Limo und Sodawasser, von Eis, Tabakwaren und Süßigkeiten wurden erteilt. Die Gemeinde legte einen gebührenpflichtigen Parkplatz nebst Fahrradwache an. Gleich vier Baulustige meldeten ihr Interesse an der Errichtung eines Strandlokals an. Dem Altriper "Storchen"-Wirt wurde ein Sommerrestaurant genehmigt und so entstanden ein heute noch stehendes, festes Verkaufshäuschen und einige Umkleidekabinen. Auch die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz errichtete ein Wachhäuschen. Lange Zeit versuchte auch der Dirigent des katholischen Kirchenchors Hans Schmitt die Genehmigung zum Bau einer Wirtschaft "Zur Rheinlust" zu erlangen. Doch das Bezirksamt wollte nur einen Sommerbetrieb genehmigen. Schmitt wies gar darauf hin, dass die Katholiken von Altrip endlich auch einmal einen katholischen Wirt haben wollten, um sich unter "ihresgleichen" wohl zu fühlen. Schmitt beschwor gar, dass damit dem religiösen Frieden in Altrip Rechnung getragen würde. Trotz Unterstützung durch den Bürgermeister blieb die Genehmigungsbehörde hart. Mit der "Rheinlust" wurde es also nichts! Großen Ärger verursachten mittlerweile das Fahrverbot auf dem Strandbadweg und der kostenpflichtige Parkplatz - auch für Fahrräder - vor der Strandbadschranke. Die Städter sprachen von Abzockerei und mutmaßten gar, dass die Altriper mit den Einnahmen ihren Wasserturm abzahlen wollten. Die Badegäste wanderten teilweise an den Rheinstrom bei der Wirtschaft "Zum weißen Häusl" auf Rheingönheimer Gemarkung ab. Dort bestand zwar auch ein Parkzwang, doch das Parken war kostenfrei, Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch einmal für wenige Jahre einen Massenandrang am Rheinstrandbad, dann beendete jedoch die Rheinverschmutzung jeglichen Badebetrieb. Seither tummeln sich Altriper und "Auswärtige" an der so genannten "Blauen Adria".

(Wolfgang Schneider)