Verliert nur gegen den Computer

Auch mit 99 Jahren spielt Altrips Alt-Bürgermeister Michael Marx noch Schach-Turniere

Im Schach macht Michael Marx keiner so leicht was vor. Am vergangenen Donnerstag ist der Altriper 99 Jahre alt geworden, und dennoch schlägt er noch fast jeden Gegner. Nur gegen seinen Computer gewinnt der ehemalige Bürgermeister (von 1967 bis 1979) nicht.

Jeden Morgen Honig im Kaffee und viel Schach spielen: Das hält fit, sagt Michael Marx. FOTO: LENZDas Schachbrett liegt spielbereit auf Marx’ Wohnzimmertisch, die Figuren sind ordentlich in einem Kästchen daneben aufgereiht, die Schachuhr scheint nur darauf zu warten, aufgezogen zu werden. Auch mit 99 Jahren spielt Michael Marx noch im Altriper Schachklub – selbst Turniere. „Mit dem Spiel überprüfe ich meinen Geist und schaue, ob ich noch mit den Jungen konkurrieren kann“, erzählt er.

Schon als Jugendlicher begann er mit dem Schachspielen. Mit 19 Jahren wurde Marx dann zum Arbeitsdienst eingezogen. Erst, als er 1947 aus französischer Kriegsgefangenschaft freikam, fing er wieder an zu spielen. Nach seiner Rückkehr aus Bordeaux begann er eine Lehre bei der Steuer- und Gemeindeeinnehmerei, wo er später Kassenleiter wurde. „Das wurde mir dann aber zu langweilig“, erzählt Marx.

Kurzerhand trat er in die SPD ein, wurde 1960 erst Beigeordneter und sechs Jahre später dann Bürgermeister von Altrip. Schon damals wurde eine Eingemeindung nach Ludwigshafen beziehungsweise der Zusammenschluss mit Otterstadt, Waldsee und Neuhofen zu einer Verbandsgemeinde diskutiert. „Ich habe aber gesagt ,Nur über meine Leiche’“, erinnert sich der 99-Jährige an seinen damaligen Widerstand. In seine Amtszeit fiel zudem die Einweihung der Albert-Schweitzer-Schule samt Turnhalle, der Bau einer Festhalle im Waldpark sowie der Verkauf des gemeindeeigenen Elektrizitätswerks an die Pfalzwerke. Während seiner Zeit als Gemeindeoberhaupt musste er sein Hobby Schach erneut aufgeben. „Ich hatte einfach zu wenig Zeit. Aber ich habe es vermisst“, erzählt Marx. „Als ich in Pension ging, habe ich sofort wieder damit angefangen.“ Nach zwölf Jahren Amtszeit sei er 1979 froh gewesen, „mal wieder etwas Ruhe zu haben, etwas für mich tun zu können.“ Er reiste viel, in den Schwarzwald etwa, die Schweiz oder auf die Insel Ischia, erweiterte sein Haus durch einen Anbau – und spielte eben Schach.

Seit dem Tod seiner Frau 2001 lebt Marx alleine in seinem Haus in Altrip. Zu den Treffen seines Klubs schafft er es mittlerweile nicht mehr. Deshalb kommen die Mitglieder zum Spielen kurzerhand zu ihm nach Hause, auch bei Turnieren. Zwar macht ihm Wasser in den Beinen seit vergangenem Jahr das Sitzen zur Qual. Einfluss auf sein Spiel hat das allerdings nicht. „Ich bin es gewohnt zu gewinnen“, sagt er und lacht schelmisch. Er gewinne noch immer fast jede Partie.

Nur wenn er gegen seinen Schachcomputer spielt, da sieht die Sache etwas anders aus. „Da verliere ich immer. Ich habe aber auch die höchste Schwierigkeitsstufe eingestellt, denn ich will ja etwas lernen“, erzählt Marx. Auch auf seinen Reisen war sein Schachcomputer stets dabei.

Wenn er nicht gerade in eine Partie vertieft ist, werkelt der Senior gerne mit Holz herum. „Ich habe einen alten Schrank“, erzählt er, den restauriere er zurzeit. Gefeiert hat Marx seinen Geburtstag nicht. Nach einem Sturz am vergangenen Montag, der ihm starke Schmerzen bescherte, fühlte er sich dazu nicht in der Lage. „Davor habe ich hier immer einen Empfang gemacht“, berichtet er.

Bei der Frage nach dem Geheimnis seines langen Lebens muss Marx lachen. Geistig fit halte er sich natürlich durchs Schachspielen. Und sonst? „Honig“, lautet seine lapidare Antwort. „Ich mache mir seit 50 Jahren jeden Morgen zum Frühstück drei Löffel in den Kaffee.“ Und die goldene Süße tue ihre Wirkung.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 1. Oktober 2016 | Von Nina Heiser)