Schweres Unwetter tobt über Stadt und Landkreis: Überflutungen, Stromausfälle, gebrochene Öltanks

Altrip besonders gebeutelt - 36 Stromausfälle durch Blitzeinschlag in Ludwigshafen - Mannheim sperrt Fahrlachtunnel

Ein schweres Gewitter tobte gestern am späten Nachmittag über Stadt und Landkreis Ludwigshafen sowie über Mannheim. Zahlreiche Keller liefen voll und Straßen standen unter Wasser. Besonders prekär war die Lage in Altrip. Die Rheingemeinde stand buchstäblich im Wasser.

In diesem Haus in Altrip wurden alle Keller überflutet. Die Feuerwehr mußte wegen Rauchentwicklung an einem kurzgeschlossenen Sicherungskasten Hilfe leisten. Die Rheingemeinde war besonders schwer von dem Unwetter betroffen. | FOTO: LENZ''Es ist die Hölle'', ließ die Altriper Feuerwehr gestern abend verlauten. Etwa 150 Meldungen gingen dort bis 18 Uhr ein. In der in den letzten Monaten von Hoch- und Druckwasser gebeutelten Gemeinde standen etliche Keller unter Wasser, Öltanks brachen. Die örtliche Feuerwehr konnte die zahlreichen Einsätze nicht mehr allein bewältigen und rief die Wehren aus dem Umland zu Hilfe. Probleme gab es in Altrip außerdem, weil nach Angaben der Pfalzwerke gegen 16 Uhr in Teilen der Gemeinde - ebenso wie in Teilen von Neuhofen und in einigen Haushalten in Mutterstadt - der Strom ausgefallen war. Grund dafür sei ein Blitzeinschlag in einer Hochspannungsleitung gewesen, ein Mast sei umgeknickt. Gegen 18.20 Uhr hatten die Haushalte wieder Elektrizität. Als katastrophal bezeichnete die Neuhofener Feuerwehr die Lage nach dem Unwetter. Alle Wehrmänner waren bis in die späte Nacht im Einsatz, um die circa 50 vollgelaufenen Keller und Souterrain-Wohnungen leerzupumpen.

230 Einsätze, besonders wegen vollgelaufener Keller, 36 Stromausfälle wegen Blitzeinschlags und 20 Fehlalarme - das ist die vorläufige Bilanz des Unwetters in Ludwigshafen. Besonders betroffen war nach Angaben der Feuerwehr und der Technischen Werke (TWL) der Süden Ludwigshafens. Der Obi- und Grossomarkt in der Von-Kieffern-Straße mußten bis in den späten Abend mit Notstrom versorgt werden. In Mundenheim stand die Eisenbahnunterführung am Nachmittag für eine halbe Stunde unter Wasser. Der Verkehr wurde umgeleitet. Wegen des starken Regens verspäteten sich Busse und Bahnen um rund 30 Minuten. Bis gegen 22 Uhr waren die TWL damit beschäftigt, die Stromanschlüsse wieder herzustellen.

Der Mannheimer Feuerwehr wurden bis 21 Uhr rund 700 Einsätze gemeldet: ''Wir werden die ganze Nacht beschäftigt sein'', so ein Sprecher. Das Wasser überflutete wieder Unterführungen und Tunnel, unter anderem den Fahrlachtunnel. Die Feuerwehr hatte vor allem Wasser und Heizöl aus Kellern abzupumpen. Bei einer Mannheimer Firma entstand ein Chemie-Wasser-Gemisch, das die Feuerwehr gestern abend entsorgte.

Ein Blitzeinschlag legte laut MVV um 15.50 Uhr den Stadtbahnverkehr Richtung Lindenhof und Neckarau lahm. Drei Züge blieben auf der Strecke stecken. Trotz des Einsatzes von Omnibussen kam es zu erheblichen Verspätungen im Berufsverkehr. (cp/mix/huf/gch)

Der Tag wurde gestern nachmittag vielerorts zur Nacht, wie hier im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. | FOTO: KUNZDa half auch kein Regenschirm mehr: ein junger Altriper. | FOTO: LENZÜberschwemmte Lauchfelder in Mutterstadt. Erst am 3. Juni hatte ein Unwetter schwere Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. | FOTO: KUNZ

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 14. Juli 1999)