Das Wasser ist gerade so vom Himmel gefallen

Feuerwehr arbeitet die Nacht durch – Insgesamt 600 Einsätze – Kotter: Schäden gehen in Hunderttausende

Sonnenschein in Altrip. Die Luft ist frisch und kühl. Vereinzelt steht Wasser auf den Feldern zwischen der Gemeinde und Rheingönheim. Im Ort zeugen gelbe und blaue Schläuche, die aus Kellern in Abwaserschächte führen, von der Unwetterkatastrophe. Teppiche hängen über Gartenzäunen in der Sonne und trocknen. Es ist ein friedlicher Morgen. Man mag es kaum glauben, dass am Dienstag der Himmel auf die Rheingemeinde fiel.

Doch gerade so muss es den Bewohnern vorgekommen sein. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, meinte Bürgermeister Willi Kotter sichtlich geschockt, „das Wasser ist gerade so vom Himmel gefallen.“ Und das etwa drei Stunden. „Wir konnten nur noch machtlos aus dem Fenster schauen, der Kanal hat nichts mehr aufgenommen, die Leitungen waren voll.“ Die Schäden gehen in die Hunderttausende, meint Kotter. „Wenn nicht noch mehr.“

Land unter in Altrip: Jede helfende Hand wurde am Dienstag und Mittwoch gebraucht. | FOTO: LENZSeit 15.30 Uhr am Dienstag waren die Feuerwehrleute, denen Kotter ein „besonderes Lob“ zollt, durchgehend im Einsatz. „Gegen 13 Uhr werden wir fertig sein“, so Horst Hook, Brandmeister und geschäftsführender Beamter der Gemeinde, gestern. Etwa 180 Feuerwehrmänner und -frauen waren im Einsatz. Mit dabei die Wehren aus Hochdorf-Assenheim, Dannstadt-Schauernheim, Rödersheim-Gronau, Waldsee, Otterstadt, Schifferstadt, Dudenhofen, Römerberg und Heßheim. 407 Anrufe gingen nach Informationen von Hook in der Leitstelle ein, 250 Anwohner hätten direkt bei der Feuerwehr angerufen. „Einige haben sich dann aber selbst geholfen“, meint Hook. Er geht von bis zu 500 Einsätzen in der Gemeinde aus. „Wir haben mit allem, was möglich war, gearbeitet – Tauchpumpen, Dieselpumpen, Notstromaggregaten“, erklärt Hook, „doch es hat in der kurzen Zeit nicht gereicht.“ Bei fünf Einsätzen sei Öl im Spiel gewesen, das ausgelaufen war, ein Tank sei umgefallen. In einem Haus war nach Aussagen von Hook der Ölgeruch so stark, dass drei Personen in einer Pension untergebracht werden mussten. Teilweise seien Autos in Tiefgaragen regelrecht abgesoffen. Hook schätzt, dass etwa 110 Liter Regenwasser pro Quadratmeter heruntergekommen seien.

Doch die Arbeit ist noch nicht erledigt. Teilweise müssten, so Kotter, Wohnungen leergeräumt werden, um auszutrocknen, und Container für Möbel besorgt werden. Der Bürgermeister bittet in einem Aufruf die Bürger der Gemeinde Altrip um Hilfe. Einige Familien und Personen seien vorübergehend obdachlos geworden. Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann, soll sich bei der Gemeindeverwaltung, Zimmer 106, oder unter Telefon 06236/399937 melden.

Außerdem stehen auf dem Parkplatz am Waldpark nach Informationen der Gemeindeverwaltung zwei Container für Sperrmüll und einer für Elektroschrott bereit. Am Dienstag organisiert die Gemeinde eine Sperrmüllabfuhr. Betroffene sollen in der Verwaltung melden, was abgeholt werden muss. Heute können noch defekte Kühlschränke an die Straße gestellt werden, sie werden von Fachunternehmen ebenfalls abgeholt.

Betroffen vom Unwetter war im Landkreis außerdem die Gemeinde Neuhofen. Nach Angaben der Feuerwehr liefen dort mehr als 100 Keller voll. Die Feuerwehr Neuhofen war am Dienstag bis 24 Uhr und gestern den ganzen Tag an 90 Stellen innerhalb der Gemeinde im Einsatz. Etliche Bürger haben laut Feuerwehr ihre Keller selbst leergepumpt, da die Wehr nach eigenen Angaben „nicht zeitnah“ helfen konnte.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 15. Juli 1999)