Willibaldus nimmt Fron entgegen

Historische Weinübergabe vor dem Rathaus

Wie vor über 1200 Jahren, so kam auch heuer wieder eine Abordnung aus dem rheinhessischen Dienheim in Altrip an, um die zu Martini üblichen ''Gefällabgaben'' zu entrichten.

Die historische Weinübergabe vor dem Altriper Rathaus basiert auf der verbürgten Fron-Ablieferung aus dem Mittelalter. | FOTO: LENZDer Sprecher der Dienheimer, der Altwinzer und Heimatforscher Joseph Duttenhöfer, wies in wohlgesetzten Worten ''untertänigst'' daraufhin, dass die Mansusbauern zwei volle Tage nach Altrip unterwegs waren, um den geforderten Wein aus der Ernte abzuliefern. Bürgermeister Willi Kotter nahm vor dem Rathausportal als Prior Willibaldus huldvoll die Weinfron entgegen und zeigte sich gnädiglich, obwohl die Dienheimer ihre übrigen Fronleistungen, wie etwa Holzpfähle und Schindeln, nicht dabei hatten.

Mönch Gerhardus, alias Heimatvereinsvorsitzender Karl-Gerhard Schreiner, verlas die historisch überlieferten Obliegenheiten der Fröner: ''Jeder Dienheimer hat jed Jahr zweimal fünfzehn Nächte bei der Cella Altrepio zu werkeln und thun, was immer auch von Noethen. Item: Jeder Dienheimer hat jed Jahr bei der Cella Altrepio drei Fuhren Heu aus eigenem Bestand nach hierher zu verbringen. Wir schicken gnädiglich zur Weinernte dafür zwei Knechte aus Rheingönheim nach Dienheim. Item: Jeder Dienheimer hat drei Pfähle und 100 Schindeln zu erbringen; dazu fahren je zwei Dienheimer einen Wagen. Item: Jeder Dienheimer hat jed Jahr zwei Hühner, zehn Eier und im Herbst eine Fuhre Holz nach hierher zu verbringen. Item: Jeder Dienheimer hat jed Jahr zwei Scheffel Roggen zu leisten.''

Entgegen den frühmittelalterlichen Gepflogenheiten wurde am vergangenen Samstag der mitgebrachte Wein von den Dienheimern kostenlos an die Altriper Bevölkerung verteilt. Der Fronwein war so reichlich, dass kein Zaungast der Zeremonie leer ausging. Bei dieser Gelegenheiten wies Bürgermeister Willi Kotter auf die frühere Bedeutung Altrips als wirtschaftliches Verwaltungszentrum für den umfangreichen Besitz der ehemals mächtigen Benediktinerabtei in Prüm in der Eifel hin. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 16. November 1999)