„Morchelmord” und „Mückentod”

Nela W. Feuerstein liest Krimis im Schreiwer Hais'l

In Altrip tobt das Verbrechen. Jedenfalls, wenn man der Autorin Nela W. Feuerstein glaubt. Am Samstag hat sie im Schifferstadter Schreiwer Hais'l ihr erstes Buch vorgestellt. Klar, dass Tatorte und Ermittler in der Rhein-Gemeinde zu finden sind.

Hat literarisches und musikalisches Talent: Die Autorin Nela W. Feuerstein begeisterte am Samstag in Schifferstadt die Zuhörer nicht nur mit ihren Krimis. FOTO: LenzEigentlich sind es sogar drei Krimis, Kurzkrimis mit den Titeln „Morchelmord”, „Maibock” und „Mückentod”, die sie zu einem kleinen Buch zusammengefasst hat. Aber ehe sie im vollbesetzten Garten des Schreiwer Hais'l - bei blutroter Bowle - mit dem Lesen beginnt, greift sie zur Gitarre und stimmt die Gäste ein.

Zu Reinhard Meys „Der Mörder ist immer der Gärtner” hat sie neue Strophen zum Inhalt ihrer Krimigeschichten gedichtet, mit einem Refrain, zu dem sie die stimmliche Unterstützung aller Gäste braucht: „Der Mörder kommt immer aus Altrip, und der schlägt erbarmungslos zu”. Beim ersten Mal klingt's noch leis, aber zwischen den Lesungen wird weiter geübt. Und nachdem die Bowle ausgetrunken ist, sind alle bei Stimme.

Dann geht's los: Ernst Pelser, Altriper Rentner, radelt in der Frühe eines Maimorgens mit Körbchen und Messer durch den Auwald am Rhein. An seinem sehr geheimen Plätzchen angekommen, sieht er - nichts. Nur noch die Hälse stehen da, die Köpfe abgeschlagen. Wessen Köpfe? Die findet er kurz darauf auf einer Speisekarte in einem Restaurant in Mannheim-Neckarau, wohin er seine Familie am Muttertag ausführt: Rehrücken in Altriper Morchelrahmsauce.

Nachdem er sich vom Schock erholt und mit viel „Pälzische Sprich” etwas Luft verschafft hat, berät er sich mit seinen Freunden Karl Grischer, Ludwig Weller, sowie Seller und Ebbes. Ein Plan wird ausgeheckt.

Die zweite Geschichte, „Maibock”, spielt natürlich beim Bockbier-Anstich und war der Auslöser des Büchleins: Die Mannheimer Eichbaum-Brauerei hatte einen Krimi-Wettbewerb ausgeschrieben. Nela Feuerstein entschloss sich, teilzunehmen. Es gewann zwar Kollege Harald Schneider, aber „es hat soviel Spaß gemacht”, sagt Feuerstein. Das Schreiben von Geschichten sei Ausgleich zu ihrem Hauptberuf in der ambulanten Krankenpflege. Die Schauplätze am Rhein sehe sie jeden Tag beim Spazierengehen mit den Hunden. Und warum gerade Krimis? „Weil ich selbst so gerne Krimis lese. Vor etwa 15 Jahren habe ich schon mal einen Krimi im Krankenschwesternmilieu geschrieben, der liegt in irgendeiner Schublade.”

Die letzte Geschichte, „Mückentod”, spielt in der Abenddämmerung am Rhein bei der Retzer-Eiche. Zwei vom Altriper Rentnerquintett sitzen im Kahn auf der „Jagd” nach Welsen. Natürlich werden wieder viel „Pälzer Schprich” gemacht. Nela Feuerstein illustriert die Geschichte mit einem Schattenspiel per Overheadprojektor, „Mickebletsche” werden verteilt, und nach einem spannenden Kampf mit dem Raubfisch hört sie an der spannendsten Stelle auf.

Nela Feuerstein ist eine geborene Erzählerin, der allerhand zum Vergnügen der Zuhörer einfällt. Dabei hat sie den Altriper Senioren beim Sprücheklopfen genau zugehört. Wie lebendig sie beschreibt, zeigt die Tatsache, dass sich nach dem Bockbieranstich Bierdurst breit macht. Und der nächste Krimi ist in Arbeit, Arbeitstitel: „Feuerteufel - Mordstrara an der Blauen Adria”.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 18.07.2011 / Andrea Dölle)