Die Fron pünktlich abgeliefert

Abordnung aus Dienheim erinnert an das frühe Mittelalter

Seit drei Jahren liefert eine Abordnung aus der 1800-Seelen-Gemeinde Dienheim bei Oppenheim symbolisch in Altrip ihren Weinfron ab. In diesem Jahr fiel die ''Bezahlung'', wie im frühen Mittelalter, genau auf den Zehnttag: auf Martini.

Wie anno dazumal: Pünktlich am Zehnttag kam eine Delegation um den Dienheimer Bürgermeister Norbert Jochum (2. v. li.), um bei seinem Kollegen Willi Kotter (2. v. re.) symbolisch die Weinfron zu bezahlen. | FOTO: LENZVor dem Rathausportal nahm in Mönchkutte Prior Willibaldus, alias Bürgermeister Willi Kotter, die Dienheimer Weingaben entgegen. In seiner Würdigungsrede gab er zu bedenken, dass ''die Schubkarren von Jahr zu Jahr größer'' geworden seien, ''die Weinlieferungen dagegen stets kleiner''. Der 80-jährige Dienheimer Heimatforscher Joseph Duttenhöfer betonte in seiner Rede, dass er und seine Getreuen ''auf ewige Zeiten verpflichtet seien, am Tage des Heiligen Martinus alle Jahre pünktlich den Weinzehnten abzuliefern, so auch heuer nach über 1200-jährigem Recht und Gebrauch.''

Seit 798 besaß die Cella Altrepio in dem damaligen Deonenheim zwölf Mansen (Höfe), darunter auch einen Meierhof. Die Fron betrug pro Hof zwölf Krüge Wein, hundert Schindeln und drei Pfähle, die zum Wehr nach Altrip gebracht werden mussten. Außerdem musste jeder Bauer in Altrip drei Fuhren Heu machen und in der Herrenscheune abliefern oder wahlweise zwei Fuhren Heu aus seinen Beständen direkt in die Gemeinde bringen.

Lang und hart waren die Aufgaben, die auf der Fronliste aufgeführt waren. So mussten die Dienheimer Bauern ''zweimal 15 Nächte'' in Altrip Frondienste erbringen, je zwei Scheffel Roggen abliefern und dazu noch Schardienste (Transporte) zu Schiff und mit dem Wagen leisten. Daneben waren Hühner, Eier, Feuerungsholz und Beleuchtungsmaterial bei den Herren in Altrip abzuliefern.

Wein und Bier flossen in Strömen in die Gemeinde - um die Herstellung mussten sich die Herren gar nicht weiter kümmern. Die Mansusbauern mussten nicht nur den Wein lesen und zur Kelter bringen, sondern den Rebensaft zusätzlich auch noch verkaufen und Brau-, Koch- und Wachdienste leisten.

Um an all diese Auflagen zu erinnern, war auch Dienheims Bürgermeister Norbert Jochum, verstärkt durch den künftigen Ersten Beigeordneten Gernot Koch und Gemeinderatsmitglied Peter Ullrich, nach Altrip angereist. Alle Gäste der Übergabezeremonie erhielten aus großen Korbflaschen einen kostenlosen Trunk aus Dienheim. Das war in früheren Zeiten anders ... (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 13. November 2000)