Namensvettern verlieren sich aus den Augen

Die Orte Altrippe in Lothringen und Altrip im Landkreis Ludwigshafen haben beide römische Wurzeln und beide schrieben sich im Laufe ihrer langen Geschichte wechselweise mal Altrip oder Altrippe. Nach der Besetzung Frankreichs 1940 fanden sich beide Orte im neugebildeten „Reichsgau West” mit der gleichen Schreibweise „Altrip”. Das ehemalige Altrippe wurde kurzerhand als „Altrip” eingedeutscht und dem Landgerichtsbezirk Saargemünd zugeschlagen.

Vergangene Zeiten: Blick vom Friedhof zum Kalvarienberg in Altrippe. Die Partnerschaft scheint mittlerweile auch beerdigt zu sein. | FOTO: PRIVATBei dieser Namensgleichheit konnte es nicht ausbleiben, dass auch mal die Amtspost für die Gemeindeverwaltung in das „falsche Altrip” lief. Daher beantragte die Rheingemeinde beim Reichsstatthalter die Genehmigung des Zusatzes „am Rhein”. Doch der Reichsstatthalter hatte wohl andere Sorgen. Vor 50 Jahren wollte das Landratsamt aber wissen, ob Altrip noch immer das „am Rhein” anstrebe. Und alle Gemeinderäte wollten! Doch das Innenministerium sah hierfür keine Notwendigkeit. Altrip liegt seither weiterhin am Rhein, wenn auch ohne die amtliche Bezeichnung.

Viele Jahre gab es keine Korrespondenz mehr zwischen den ehemaligen Römersiedlungen. Vor 40 Jahren knüpfte der damalige Gemeindekassenlehrling Wolfgang Schneider Kontakte zu dem in Baden-Baden stationierten Colonel J. Doudot an. Doudot war in Altrippe beheimatet und sowohl vor 1930 als auch nach 1945 wiederholt in Altrip. Nach einem umfangreichen Briefwechsel und ersten privaten Kontakten, besuchte 1972 die DLRG als erster Altriper Verein das nur 234 zahlende Dörfchen Altrippe, das unmittelbar hinter der Maginot-Linie liegt. Weitere Besuche folgten, so von der Karnevalsgesellschaft „Wasserhinkle”, die mit dem dortigen Bergwerksverein Kontakte anknüpfte. Bürgermeister Michael Marx organisierte 1978 gar eine Seniorenfahrt in die Gemeinde im Departement Moselle.

Am 26. Mai 1979 wurde eine offizielle Gemeindepartnerschaft in der Festhalle des TuS Altrip geschlossen. Nachdem 40 Altripper angereist waren, bedeutete dies, dass nahezu von jeder zweiten Familie ein „Abgesandter” nach Altrip kam. Auf Dauer aber konnte die Partnerschaft von solch unterschiedlich großen Gemeinden nicht gut gehen. Schon zwei Jahre später wurde eine Radwandergruppe auf ihrer Fahrt nach Altrippe in Petit Rederching so freundlich empfangen, dass sich daraus freundschaftliche Kontakte entwickelten, die zehn Jahre später in eine Partnerschaft (Jumelage) mündeten. Die Verschwisterung besteht nun ebenfalls schon wieder zehn Jahre. Erst am 1. Mai weilte in der Gemeinde nahe von Bitche eine Altriper Delegation. Die Jumelage mit Altrippe ist zwar nicht formell aufgehoben aber „eingeschlafen”. (wlf)

Info
Am 11. und 12. August findet vor der alten Maxschule in Altrip ein Partnerschaftsfest mit Gästen aus Petit Rederching und der Stadt Wiehe anlässlich des 1ojährigen Bestehens der Verschwisterung statt. An dem Fest beteiligen sich auch die Altriper Vereine und der Platz wird fortan das Schild „Partnerschaftsplatz” tragen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 7. Juli 2001)