Kostenloser Ehrentrunk

Weinfron im Rathaus abgeliefert

Schon zum vierten Mal in Folge lebte am Samstag in Altrip eine alte Tradition auf. Eine hochrangige Abordnung aus Dienheim bei Oppenheim lieferte, wie im frühen Mittelalter, die zu „Martini” geforderte Weinfron ab.

Damit sich auch jeder Altriper von der Güte des Weins überzeugen konnte, gab es an alle Zaungäste der Zeremonie einen kostenlosen Ehrentrunk. In Dienheim besaß die Abtei Prüm, so die Überlieferung, zwölf Mansen, darunter auch einen Meierhof. Seit dem Jahr 798, also schon kurz nach der ersten urkundlichen Erwähnung des damaligen „Deonenheim”, mussten die Unfreien jeweils zwölf Krüge Wein nach Altrip vorbringen. Wie in den Vorjahren, so verzichteten die „Klöstermöpse”, unter denen sich heuer weder der Prior noch sein Stellvertreter der „Cella Altrepio” befand, auf die Lieferung der geschuldeten Schindeln, Pfähle, Hühner und Eier sowie des Roggens und des Holzes.

Für den Heimat- und Geschichtsverein Altrip nahm dessen Vorsitzender, Karl-Gerhard Schreiner, stattdessen in einer Mönchskutte und attestiert von zwei weiteren Klosterbrüdern die letzte „Weinernteausbeutung” entgegen. Welch großen Respekt die Dienheimer Weinfröner von ihrem Wirtschaftszentrum Altrip haben, zeigt die Tatsache, dass, wie in den Vorjahren, aus der 1800-Seelen-Gemeinde der Erste Beigeordnete Gernot Koch sowie der Dritte Beigeordnete Rudolf Krenzer persönlich an die Altriper den Ehrentrunk ausschenkten. Die Delegation der Dienheimer, die in blauen Winzerjacken erschienen, bestand ausschließlich aus Gemeindevertretern. Als Sprecher der Dienheimer Unfreien erkannte der Altwinzer Joseph Duttenhöffer (81) die von Abt Regino 893 niedergeschriebenen Verpflichtungen „auf ewige Zeiten” an.

Aus dem erst kürzlich eingeweihten Heimatmuseum in Dienheim wurden im Bürgerhaus „alta Ripa” etliche Exponate gezeigt. Der repräsentative Museumsquerschnitt zog sich von Mammutfossilien über Urnengefäße bis zu dem feinen römischen Tongeschirr „Terra Sigillata”, dem „Porzellan der Antike” hin. Ein weiterer Höhepunkt war zweifellos der erhebende Gesang des Beigeordneten Krenzer auf seinem Heimatdorf Dienheim.

Der Heimatvereinschef Schreiner zeigte sich denn auch höchst zufrieden und lud Dienheimer und Altrip auch zur Weinfronübergabe im kommenden Jahr ein. Der Dienheimer Heimatforscher Duttenhöffer, der bei einer „Weinprobe der besonderen Art” Geschichte und Gewächse gekonnt vorstellte, bedankte sich zum Schluss auch bei dem „Wiederentdecker” der alten Gemeindebeziehungen, dem Altriper Hobby-Historiker Wolfgang Schneider. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 20. November 2001)