Pläne, Hoffnungen und Widerstände

„Fischbauchklappen” für Flutung

Ein Polder, so veranschaulichen das die Experten, ist vergleichbar mit einem großen Schwimmbecken, in dem allerdings die meiste Zeit kein Wasser ist. Die von Deichen umgebene Fläche soll für eine begrenzte Zeit Wassermassen aufnehmen, um die Hochwassersituation zu entschärfen. Etwa ein Siebtel der Gesamtfläche von rund 330 Hektar ist für die ungesteuerte Rückhaltung vorgesehen. Das bedeutet, dass der Rheinhauptdeich auf einem Teilstück südlich von Altrip abgetragen und bis zur Straße zwischen Altrip und Waldsee (K 13) zurückverlegt wird. Diese Fläche unterliegt der natürlichen Überflutung des Rheins.

Anders der gesteuerte Bereich. Die K 13 soll über einen etwa 730 Meter langen Damm verlaufen, der den ungesteuerten vom gesteuerten Polder trennen wird. Eine 40 Meter lange Brücke führt die Straße über das so genannte Ein- und Auslassbauwerk. Dieses Brückenbauwerk dient der kontrollierten Überflutung des dahinter liegenden Polders: Werden die drei Meter hohen „Fischbauchklappen” in der Brücke geöffnet, kann das Wasser in den Polder fließen. Polderseitig wird ein so genanntes Tosbecken gebaut, damit das mit großer Geschwindigkeit einströmende Wasser abgebremst wird. Die Fischbauchklappen des Ein- und Auslassbauwerks bleiben so lange geöffnet, bis das Wasser bei sinkendem Rheinpegel aus der gesteuerten Rückhaltung zurückgelaufen und die Sohle des Bauwerks trocken ist.

Nach Angaben der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd kommt der gesteuerte Teil der Rückhaltung nicht automatisch sondern nur in Extremfällen zum Einsatz – statistisch gesehen fünf Mal in 100 Jahren. Wird der gesteuerte Polder allerdings einmal geflutet, läuft das „Schwimmbecken” komplett voll Wasser, das Rückhaltevolumen von rund neun Millionen Kubikmetern wird voll ausgenutzt. Geht der Pegelstand des Rheins wieder zurück, soll das Wasser durch das Bauwerk an der K 13 und durch neue und schon bestehende Gräben wieder abfließen.

Viel Arbeit also für den Polder: Neben den Deichen und dem Brückenbauwerk werden zwei Schöpfwerke neu gebaut und das bestehende am Neuhofener Altrhein saniert. Außerdem muss das bisherige Graben-, Gewässer- und Wegesystem inner- und außerhalb des Flutungsraumes den Gegebenheiten angepasst und mit dem „Altripsee” ein ganz neuer Baggersee geschaffen werden. (pmü)

GRAFIK: RHEINPFALZ-TIL | QUELLE: STRUKTUR- UND GENEHMIGUNGSDIREKTION SÜD

DIE FAKTEN: 
Der Polder wird eine Fläche von rund 332 Hektar umfassen (davon 46 Hektar ungesteuert) und von einem rund 8,5 Kilometer langen Deich begrenzt, der zwischen 30 und 50 Meter breit und bis zu fünf Meter hoch ist. 9,2 Millionen Kubikmeter Wasser können dadurch zurückgehalten werden. Über eine Million Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, die Bauzeit wird mit etwa fünf Jahren veranschlagt. Die Kosten werden auf etwa 30 Millionen Euro geschätzt, für die komplett das Land aufkommt. (pmü)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 15. Dezember 2001)