Macht Altrip schöner

Im Jahr 1962 entstand die Aktionsgemeinschaft „Macht Altrip schöner”. Der damalige Zweite Beigeordnete August Schäfer hatte die Planung im Gemeinderat vorgetragen. Er stellte seine gesamte Aufwandsentschädigung als Beigeordneter der Aktionsgemeinschaft zur Verfügung, Bürgermeister Emil Lebherz und alle Fraktionen begrüßten die Initiative und sicherten ihre Mithilfe zu.

„Macht Altrip schöner” kümmerte sich fortan um die Beseitigung von „Übelständen”, etwa um wilde Müllkippen. Schwerpunkt der Arbeit war jedoch die Ortsverschönerung durch Blumenkästen und Blumentröge vor öffentlichen Gebäuden und auf Grünanlagen. Auch die Pflege der Wege im Dammbereich, die Markierung von Wegen und die Anlage von Wanderparkplätzen stand auf dem Programm. Binnen kürzester Zeit konnten 20 gespendete Ruhebänke aufgestellt werden.

Die Initiative setzte sich auch für die heute bestehende getrennte Zugangsmöglichkeit zum Festplatz der Gemeinde, separat für Fußgänger und Kraftfahrzeuge, ein. Ehrgeizigstes Projekt war die Schaffung einer Rheinpromenade auf dem Leinpfad vom Pegel bis zum sogenannten „Faulen Eck”. Tatsächlich wurden auch viele lauschige Plätze mit Ruhebänken versehen und das Buschwerk regelmäßig geschnitten, der „Promenadenweg” gepflegt. Mittlerweile ist jedoch von einer „Promenade” nichts mehr zu sehen.

Nach August Schäfer hielten die Beigeordneten Eduard Schwehm und Adam Habermehl sowie die erste Ratsherrin, Anna Weber, die Aktion noch einige Jahre am Leben. Was als ständige Bürgerinitiative gedacht war, schlief so langsam ein. Es fehlten die nötigen Helfer, die Geldmittel und die tatkräftige Unterstützung durch die Verwaltung.

Inspiriert wurde August Schäfer vom 1904 gegründeten „Verschönerungsverein Altrip”, der bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges sehr aktiv war. Diesem Verein sind die mächtigen Platanen an der Fährstraße sowie heute noch stehende Ruhebänke zu verdanken. Die besten Ergebnisse wurden übrigens 1936 erzielt, als die Gemeinde, die I.G.-Siedler und der Verschönerungsverein gemeinsam agierten. Das Bezirksamt Ludwigshafen (Landratsamt) hatte damals die „Herbeiführung von Schönheit in Stadt und Land” binnen zehn Wochen angeordnet. In dieser Zeit gelang es, über 100 Garten- und Grundstückseinzäunungen auszubessern und Dutzende von Häusern mit einem neuen Putz oder frischen Anstrich zu versehen.

Spazierwege wurden instandgesetzt und alle Ruhebänke in und um Altrip repariert und gestrichen. Pfarrgarten- und Friedhofsmauer wurden verputzt, die Beschilderung der Ortsstraßen und Hausnummerierung restlos durchgeführt und in den gemeindlichen Obstanlagen alle abgängigen Obstbäume ersetzt und zudem 100 Jungbäume gepflanzt. Innerhalb dieser zehn Wochen war es sogar möglich, den heutigen Karl-Marx-Platz anzulegen, mit Ligusterhecken einzufrieden und Schatten spendende Platanen zu setzen. Und damit das Entree des Dorfes von Waldsee aus stimmte, wurde gar noch die Straße von der Ziegelei Marx bis zum Wasserturm neu geteert.

(Wolfgang Schneider | Juni 2002)