Vom ungestümen Vorstopper zum Libero der Sänger

Als Vorsitzender hat er von 1988 bis zum April dieses Jahres den Männergesangverein 1867 Altrip maßgeblich geprägt. Für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit wurde Gerhard Kühner nun mit der Landes-Ehrennadel ausgezeichnet. Das Talent fürs Singen wurde ihm in die Wiege gelegt. Bereits sein Großvater war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1973 Vizechorleiter beim MGV 1867, der Vater und ein Onkel waren dort ebenfalls aktive Sänger.

Kühner begann seine Sängerlaufbahn als 15-Jähriger, dann aber war die Leidenschaft für den Fußball größer als die Begeisterung fürs Singen. Beim TuS Altrip spielte der gelernte Elektriker als gefürchteter Vorstopper anfangs sogar in der Amateurliga. „Ich war nicht gerade der angenehmste Gegenspieler”, sagt der 51-Jährige und schmunzelt dabei. Vor elf Jahren hängte er die Fußballstiefel endgültig an den Nagel.

Erst ab 1985 bereicherte seine sonore Basstimme wieder den seit 1973 gemischten Chor. Die Wahl zum Vorsitzenden war für ihn überraschend. Als es darum ging, personelle Lücken in der Vorstandschaft wieder zu füllen, hatten ihn einige Mitglieder ins Visier genommen und auf die Frage „Willst du das nicht machen?”, konnte Kühner, der heute als Hausmeister an der Altriper Albert-Schweitzer-Grundschule arbeitet, dann einfach nicht Nein sagen.

Katzenliebhaber und Hausmeister an der Albert-Schweitzter-Schule: Gerhard Kühner. | FOTO: LENZBereut hat er seine damalige Gutmütigkeit nicht, auch wenn das Ehrenamt stets großes persönliches Engagement erforderte. „Wenn man gesehen hat, ein Konzert war ein Erfolg, oder wenn wir eine schöne Reise gemacht haben, war das alles wieder aufgewogen”, erzählt er. Schwierig waren vor allem die ersten Jahre, in denen sich Kühner einarbeiten, mit Finanz- und Vereinsrecht vertraut machen musste. „Da stand mein Schreibtisch monatelang voll mit Büchern”, blickt er zurück. Früh hat er erkannt, dass „junge Menschen mit der alten Literatur nicht allzu viel am Hut haben” und gründete 1988 die „Young Voices”, die heute noch versuchen, den Nachwuchs mit einem modernen Repertoire für den Chorgesang zu begeistern.

Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte 1992 die Feier zum 125-jährigen Bestehen des MGV 1867 und die Pilgerreise nach Rom. „Dass wir dort dann auch noch im Petersdom singen durften, ist ein Traum gewesen”, erinnert er sich. Seiner Liebe zum Gesang fröhnt Kühner seit zwei Jahren auch beim Bruderverein Sängereinheit 1874. Eines der schönsten Erlebnisse seiner aktiven Laufbahn war ein Auftritt im Mannheimer Nationaltheater, wo er bei der Aufführung des Schauspiels „Schlacht um Wien” aushelfen durfte. „Das war eine schöne Erfahrung, weil man dort einmal hinter die Kulissen blicken konnte.”

Ohne die Unterstützung seiner Familie, betont der 51-Jährige, hätte er das Amt des Vorsitzenden nicht bewältigen können. Die Leitung des MGV 1867 bleibt auch weiterhin in den Händen der Familie Kühner, denn zu seiner Nachfolgerin wurde im April ausgerechnet seine Ehefrau Andrea gewählt. „Es ist selbstverständlich, dass ich sie genauso unterstütze, wie sie mich unterstützt hat”, verspricht der Altriper.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 27. Juli 2002 | Von Christian Gaier)