Jäger des verlorenen Trachten-Schatzes

Elke Knöppler, die 1999 das „Altriper Wörterbuch” publizierte, arbeitet an einem neuen Projekt: Die Altriperin rekonstruiert derzeit die Tracht, die früher in der Rheingemeinde getragen wurde. Mit der Damenschneidermeisterin Heike Just will die Heimatforscherin die historischen Kleidungsstücke Anfang kommenden Jahres präsentieren.

In dem Projekt steckt eine jahrelange Fleißarbeit. Inspiriert durch einen Hinweis in dem 1910 erschienenen Geschichtsbändchen „Altrip – eine kulturhistorische Studie” von Hermann Provo, nahm sich Knöppler vor, die dort beschriebene Tracht zu rekonstruieren. Nachdem Elke Knöppler in der RHEINPFALZ von einer Trachtentanzgruppe in Mutterstadt gelesen hatte, knüpfte sie mit der dortigen Trachten-Expertin Eva Maria Auer Kontakt und fuhr mit ihr nach Neuburg. Nach intensiver Beschäftigung mit Karl August Beckers „Pfälzer Trachtenbuch” zeigte sich, dass Neuburg wohl eine ähnliche Entwicklung wie Altrip durchlaufen hatte. In diesem einst rechtsrheinisch und „abseits” gelegenen, protestantischen Fischerdorf wurde das alte Brauchtum lange bewahrt und die Tracht bis in die 1960er Jahre getragen. Die bei Provo beschriebenen „Mitzel” (Leibchen), armdicke „Wörscht” um die Hüften, fanden die beiden Frauen tatsächlich im dortigen Heimatmuseum.

In der 36-jährigen Altriper Damenschneidermeisterin Heike Just fand Elke Knöppler eine begeisterte Mitstreiterin für das Trachten-Projekt. Die beiden Altriperinnen machten sich auf die Suche nach der von Provo beschriebene weißen Bauernhaube mit fliegenden, langen Seidenbändern und wertvollen weißen Spitzen. Bei einem Besuch von einigen alten Mitgliedern des Evangelischen Frauenbundes hörte Elke Knöppler den Namen für die Kopf-Bedeckung: „Schilje-Haube”.

Die Schneiderin Heike Just arbeitet an der Haube der alten Altriper Tracht. | FOTO: LENZNun ging es an die Rekonstruktion der Trachtenhaube. Als Vorlage diente ein altes Foto. Bei der Stoffsuche wollten die beiden Altriperinnen möglichst Material aus heimischen Gefilden verwenden, was sich allerdings als unmöglich erwies.

Nun kam Heike Just so richtig in Fahrt. Aufgrund ihrer Beziehungen zu Österreich fand sie in Salzburg einen Teil der gesuchten Stoffe. Gewünscht war eine Mischung aus Leinen und Wolle in grün-blauer Farbe – typisch für die protestantischen Orten der Pfalz. In einem Wiener Fachgeschäft für Modistenbedarf fand die Schneiderin den Seidentaft, der dem überlieferten „schimmerdaffeten” Material wohl ähnlich war. Über das Internet bekam die junge Meisterin Zugang zu Trachtenmärkten und damit auch zu Satinbändern und von Hand bearbeiteten Perlenbändern.

Wichtig war auch, dass Haube und Schürze vom selben Stoff war. In München fand die Schneiderin schließlich den „richtigen” weißen Stoff. Nahezu ein Jahr lang dauerte auch die Suche nach zwei Puppen-Gestellen für eine Frauen- und Männertracht. Die Menschen im 18. Jahrhundert waren nicht nur kleiner, auch die Hüften der Frauen waren schmaler. Doch ein Altriper Dekorateur wusste Rat und beschaffte Puppen-Gestelle aus Kunststoff. Nun konnte die Tracht Gestalt annehmen. Dazu bekam das Team Verstärkung. Heike Just sorgte für die Konzeption der Haube und die Modistin Liane Willersinn gab ihr eine Form und übernahm auch die Bespannung. Einen Teil der Verzierungen besorgte die pensionierte Grundschullehrerin Heide Hook. Detailgenauigkeit wird bei den „Altriper Trachtendamen” groß geschrieben.

Noch wird eifrig gearbeitet. Ende Januar 2003 ist es dann soweit: Am Vortag der Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins werden die Trachten vorgestellt und in einer Dokumentation beschrieben.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 6. September 2002 | Von Wolfgang Schneider)