Klebrige Angelegenheit für Anfänger

Brot backen wie vor 100 Jahren: Seit 2012 feuert die Backgruppe des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins einmal im Monat den Ofen bei den Räumen des Bürgerhauses Alta Ripa an. Nach vorheriger Anmeldung können Interessierte dort ihr Brot backen. RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Janina Mantay hat es ausprobiert.

Am Anfang heißt es für Autorin Janina Mantay erst einmal den Teig zuzubereiten, bevor Rudolf Mansky das Brot in den Ofen schieben kann. Etwa 15 Laibe finden dort Platz. | Fotos: LenzAuf dem Brett liegt eine Mischung aus Roggen- und Weizenmehl mit Bier, Hefe und Salz. Ich knete zum ersten Mal Brotteig und merke schnell, dass es an den Fingern klebt. Schuld daran ist meine etwas unbeholfene Technik. Die eine Hand dreht den Teig, die andere macht eine Faltbewegung. Beim geübten Bäcker Josef Settele sieht das viel leichter und fließender aus. Schnell genug gedreht, klebt es bei ihm auch nicht. Eine Stunde vor dem Backen wird der Teig kurz aufgearbeitet. Je nach Art wurde er bereits Stunden vorher gemischt und durfte in Ruhe aufgehen. Nach der kurzen Bearbeitung ruht das geformte Brot in Gärkörben. Zehn Hobbybäcker kommen an diesem Backtag. 15 drei Pfund schwere Laibe haben Platz im Ofen. Pro Brot verlangt der Verein 50 Cent für das Brennholz. Hitze und Backzeit werden durch die Lage bestimmt. Was früher raus muss, liegt an der Ofentür.

Die Backgruppe des HGV besteht aus zehn Personen. Etwa drei bis vier Stunden vor dem Backen wird angefeuert. Rudolf Mansky und Josef Settele kümmern sich um das Feuer. Bis zu zwei Schüttmeter Buchenholz verbrauchen sie auf diese Weise pro Jahr. Mittlerweile haben die beiden Männer Erfahrung. Sie wissen, Weißbrot mag es besonders heiß. Bis 300 Grad wird hier vorgeheizt. Dunkler Sauerteig braucht hingegen mit etwa 270 Grad etwas weniger Temperatur. Die Richtwerte haben sie sich vom Bäcker geholt, der Rest war Ausprobieren.

Gegen 12 Uhr beginnt der erste Backgang. Die Brote sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie bringen: fürs Enkelkind eine Acht als Geburtstagsbrot, Schneckennudeln, Kastenbrot. Das Außergewöhnlichste, das einmal im Ofen landete, war ein Brot im Blumentopf sowie eine aus vielen kleinen Broten gebastelte Sonne, berichten Mansky und Settele. Die Vereinsmitglieder backen fast alles. Im Herbst sind Kürbisbrot, Kartoffelbrote oder mit Kastanien gefüllte Brote beliebt. Die Kreativität sei grenzenlos. Vor dem alten Ofen treffen sich totale Anfänger genauso wie fortgeschrittene Back-Profis. Neubürger suchen hier Kontakt, Alteingesessene nutzen den Treffpunkt zum Reden.

Die Idee zum Brotbackhaus kam Alois Eitl, dem Vorsitzenden des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins, bereits 2010. Seitdem kommen die Backwilligen aus Ludwigshafen, der Verbandsgemeinde Rheinauen, Limburgerhof oder manchmal sogar aus Bad Bergzabern. Gabriele Martin etwa kommt aus der Pfingstweide. „Die Altriper sind sehr nette Menschen, ich bin über einen Backkurs hergekommen und schon wieder für den nächsten angemeldet“, erzählt sie. Zum vierten Mal backt sie hier ihr Brot. Diesmal ist es ein Laib aus Roggen- und Dinkelmehl mit gerösteten Sonnenblumenkernen und Sesam.

Im Ofen ist die Temperatur von 350 Grad erreicht und das Holz heruntergebrannt. Die Glut wird verteilt, damit der Boden überall gleichmäßig heiß ist. Dann wird leergeräumt und ausgewischt. Nun muss es schnell gehen. Einschießen nennt man den Vorgang, wenn die Brote über einen langen Holzschieber in den Ofen geschoben werden. Da sie je nach Teig verlaufen, bleibt nur wenig Zeit vom Umdrehen der Gärschalen bis zum Platzieren auf den Schamottesteinen.

Damit die Laibe am Ende ihrem jeweiligen Besitzer zugeordnet werden können, werden die Brote mit Zettelspießen versehen. Nach kaum einer Stunde sind sie fertig und optisch deutlich vom Industriebrot zu unterscheiden. Das Selbstgebackene hat auch den Vorteil: Man weiß, was drin ist. „Außerdem“, meint Josef Settele, „beim Bäcker würde man noch etwas kritisieren, sobald es selbst gemacht ist, schmeckt alles.“ Der Duft von frischem Brot verbreitet sich bei der Rückfahrt jedenfalls im Auto. Hunger und Vorfreude sind groß.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 10. April 2017 | Von Janina Mantay)
Brot backen wie vor 100 Jahren: Seit 2012 feuert die Backgruppe des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins einmal im Monat den Ofen bei den Räumen des Bürgerhauses Alta Ripa an. Nach vorheriger Anmeldung können Interessierte dort ihr Brot backen. RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Janina Mantay hat es ausprobiert.