Aktion „Macht Altrip schöner"

Im Frühjahr 1962 gründete in der Rheingemeinde der Zweite Beigeordnete August Schäfer zusammen mit seinem Ratskollegen Albrecht Braun die Aktionsgemeinschaft „Macht Altrip schöner" (MAS). Ihr Ziel: Die Gemeinde sollte zur schönsten im ganzen Kreis werden. Und anfangs hatte sie damit auch viel Erfolg. Doch dann schlief die Initiative wieder ein.

Aktion „Macht Altrip schöner"Es war der 15. April 1962: Protestanten und Katholiken gingen gerade zum Palmsonntags-Gottesdienst, als der 67-jährige August Schäfer in einem kleinen Kreis von Sozialdemokraten und Mitgliedern des DGB-Ortskartells seine Ideen zur Ortsverschönerung vortrug. Sein Ziel war, Altrip zum schönsten Dorf des Kreises zu machen. Spontan gründete sich ein entsprechendes Komitee, und als Name wurde „Macht Altrip schöner" festgelegt.

Allerdings riet das Gemeinderatsmitglied Albrecht Braun, der Sohn des kommissarischen Nachkriegsbürgermeisters und Altriper Volksschulrektors Fridolin Braun, den Gründungstag nicht öffentlich bekanntzugeben, um die „Frommen des Dorfes" nicht zu vergraulen. Er befürchtete Vorbehalte, wenn bekannt würde, dass der bekenntnislose Vorsitzende Schäfer ausgerechnet am Palmsonntag zur Aktionsgemeinschaft aufgerufen hatte.

Altrip war bis 1969 die einzige Gemeinde im Landkreis Ludwigshafen, die unmittelbar am Rhein lag. Und dies sollte für den Fremdenverkehr genutzt werden. So wurden die Wege an den Altrheinarmen und in den Auwäldern geebnet und gekennzeichnet. Der Leinpfad am Rhein, zwischen Altriper Pegel und der stromauf gelegenen Altrhein-Klamm, wurde breit bekiest, störendes Buschwerk wurde beseitigt und etliche Ruhebänke wurden aufgestellt.

Ziel war eine Art Rheinpromenade. Für auswärtige Besucher wurden daher zwischen der Deichscharte an der Rheinstraße und dem Pegel, beidseits der Fährstraße, Parkplätze angelegt. Auch für einen getrennten Zugang zum Waldpark für Fußgänger und Fahrzeuge setzte sich das Komitee ein.

„Macht Altrip schöner" fand bei den Einwohnern großen Anklang - und auf dem Spendenkonto gingen so viele Beträge ein, dass schon bald alle öffentlichen Plätze und markanten Stellen im Ort mit Blumenschmuck, insbesondere mit Blumenkegeln, verschönert werden konnten. Auch an der mittlerweile abgerissenen Ludwigsschule sowie am Rathaus wurden gut bestückte Blumenkästen angebracht.

Es traf sich auch gut, dass der Ort gerade kanalisiert wurde und der gelernte Schlosser August Schäfer vom Bürgermeister den Auftrag hatte, bei den Kanalarbeiten stets nach dem Rechten zu sehen. Durch seine Verbindungen konnte er etliche Kanalrohre aufstellen und mit Blumen bestücken lassen. Am Friedhof, dem „Rentnertreff" am sogenannten Faulen Eck am Rhein sowie auf dem Hauptrheindamm konnten binnen zweier Jahr viele gespendete Ruhebänke aufgestellt werden.

August Schäfer, der schon bald „Blume-August" genannt wurde, stellte seine gesamte Aufwandsentschädigung als Beigeordneter zur Verfügung und reservierte sich für den Motivwagen seiner Aktionsgemeinschaft bei den jährlichen Fischerfestumzügen die Glückszahl 13. Bei diesen Umzügen wurde ihm stets von Zaungästen Spenden zugesteckt. Eine alte Frau opferte gar fünf Monate lang von ihrer kargen Rente jeweils 10 Mark.

Heute allerdings erinnert nichts mehr an den „Altriper Blume-August", obwohl er auch Vorsitzender des DGB-Ortskartells war und Feiern zum 1. Mai organisierte. Im Rathaus findet sich noch nicht einmal mehr ein Foto von ihm. Nachdem August Schäfer 1966 im Alter von 71 Jahren verstorben war, übernahm die erste jemals in den Altriper Gemeinderat gewählte Frau, Anna Weber, die Aktionsgemeinschaft. Doch an die einstigen Erfolge konnte sie nicht mehr anknüpfen. „Macht Altrip schöner" ist langsam eingeschlafen.

(Wolfgang Schneider - 2012)