Im Jahr 1927 gab es in Altrip noch einmal Bestrebungen, einen Gänsehirten anzustellen. Dahinter stand eine Interessengemeinschaft von Gänsehaltern, die sich für die gemeinsame Betreuung ihrer Tiere einsetzte. Eine wichtige Rolle spielte dabei der einflussreiche Altriper Bäckermeister Christoph Engelhorn.
Die Gruppe wollte erreichen, dass die Gemeinde einen Gänsehirten beschäftigt. Ein solcher Hirte hätte die Aufgabe gehabt, die Gänse der verschiedenen Besitzer zu sammeln, zu beaufsichtigen und gemeinsam auf die Weide zu führen. Außerdem forderte die Interessengemeinschaft einen geeigneten Weideplatz in der Nähe des Altrheins, damit die Tiere dort grasen konnten.Der Wunsch nach einem Gänsehirten knüpfte an eine alte Tradition an. Über viele Jahre hinweg war die sogenannte „Gänsehut“ ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens gewesen. Dabei wurden die Gänse der Einwohner gemeinsam gehütet. Für die Besitzer war dies eine praktische Lösung, da sie ihre Tiere nicht selbst ständig beaufsichtigen mussten.
Die Gemeindeverwaltung zeigte sich jedoch nicht bereit, die entstehenden Kosten allein zu tragen. Sie vertrat die Auffassung, dass die Ausgaben für die Anstellung eines Gänsehirten von den Gänsehaltern selbst übernommen werden sollten. Die Kosten sollten also auf diejenigen umgelegt werden, die von dem Angebot profitiert hätten.
Mit dieser Lösung waren die Befürworter des Vorhabens offenbar nicht einverstanden. Jedenfalls kam es am Ende nicht zur Anstellung eines Gänsehirten. Damit scheiterte der letzte bekannte Versuch, die alte Einrichtung der Gänsehut in Altrip wieder einzuführen.
So blieb es dabei, dass die „Gänsehut“ bereits seit dem Jahr 1908 der Vergangenheit angehörte. Der Vorstoß des Jahres 1927 konnte daran nichts mehr ändern. Damit endete endgültig ein Stück dörflicher Tradition, das früher zum Alltag vieler Altriper Familien gehört hatte.
(Fakten: Wolfgang Schneider, 2002)



