Im Jahr 1927 machte sich die Gemeinde Altrip große Sorgen um das Verhalten und die Lebensumstände junger Mädchen im Ort. In einer Sitzung am 25. Februar 1927 sprach die Gemeinde von einer „Verwahrlosung der weiblichen Jugend von Altrip“. Mit diesem Ausdruck meinte man damals, dass viele Erwachsene glaubten, die Jugendlichen hätten zu wenig Aufsicht und würden sich nicht so verhalten, wie es die Gesellschaft erwartete.
Die Gemeinde wollte deshalb etwas gegen diesen Zustand unternehmen. Mehrere Stellen im Ort sollten dabei helfen. Eingeschaltet wurden das Pfarramt, der Gemeindewaisenrat, die Lehrerschaft und die Polizei. Gemeinsam sollten sie nach Lösungen suchen und stärker auf die Jugendlichen achten.
Die Verantwortlichen suchten auch nach den Ursachen für die Probleme. Die Hauptschuld sah man damals bei den Eltern. Nach Meinung der Gemeinde kümmerten sich manche Familien nicht ausreichend um ihre Kinder. Außerdem wurde die große Wohnungsnot als wichtiger Grund genannt. Viele Familien lebten in engen Wohnungen und unter schwierigen Bedingungen. Dadurch, so glaubte man, fehlten den Jugendlichen oft geordnete Verhältnisse und eine ausreichende Betreuung.Auch über strengere Maßnahmen wurde nachgedacht. So stand die Idee im Raum, den Waldpark bei Dunkelheit zu schließen. Offenbar hielt man den Ort für einen Treffpunkt der Jugendlichen, den man kontrollieren wollte. Schließlich entschied sich die Gemeinde jedoch gegen eine solche Schließung.
Stattdessen wurde die „Angelegenheit“ an die Ortsschulpflegschaft weitergegeben. Diese Einrichtung war damals für verschiedene Fragen rund um Schule und Erziehung zuständig. Dort sollte nun beraten werden, wie man mit der Situation weiter umgehen wollte.
(Fakten: Wolfgang Schneider, 2002)



