Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand die Rheingemeinde Altrip vor enormen Herausforderungen. Der kommissarische Bürgermeister Fridolin Braun versuchte gemeinsam mit einem eingesetzten Beirat, die Lebensverhältnisse unter schwierigsten Bedingungen zu stabilisieren. Die Bevölkerung war verunsichert, vielfach deprimiert, und es kam zu gegenseitigen Beschuldigungen über das Verhalten während der NS-Zeit. Während ehemalige Regimegegner belastet wurden, sprachen überzeugte Nationalsozialisten beschönigend vom „Zusammenbruch“ statt von einer Niederlage. Viele Maßnahmen der französischen Besatzungsmacht wurden als überzogen oder willkürlich empfunden. Plünderungen durch umherziehende Gruppen ehemaliger Kriegsgefangener verschärften die Unsicherheit, und Urteile der Militärgerichte galten in der Gemeinde häufig als ungerecht, da mit zweierlei Maß gemessen wurde.

So sah die Wehrmacht noch 1944 ihre Funktion (Zeichnung aus einer Wehrmachtsschrift).
Weihnachten 1945 war geprägt von Mangel, Sorge und Unsicherheit. Viele Familien warteten noch auf Nachrichten von Vermissten oder Kriegsgefangenen, andere trauerten um Gefallene. Festlicher Schmuck und Süßigkeiten waren selten; oft ersetzten ein Apfel mit kleiner Kerze oder einfache Strohsterne den traditionellen Christbaumschmuck. Zwar blieb erstmals seit Jahren der Luftkrieg aus, doch die Angst vor Internierungen und vor einer ungewissen Zukunft blieb allgegenwärtig. Mehrere Altriper wurden in der Entnazifizierungszeit festgesetzt, teils ohne klare Begründung. Rückblickend empfanden manche das Weihnachtsfest 1945 dennoch als hoffnungsvoller als das folgende Jahr, in dem die Hungerzeit die Gemeinde noch härter treffen sollte.
(Quelle: Heimat-Jahrbuch Rhein-Pfalz-Kreis, Band 22, 2005 | Wolfgang Schneider)


