Das Jahr 1927 brachte für die Gemeinde Altrip eine besondere finanzielle Unterstützung. Aus einem 30-Millionen-Fonds des Deutschen Reiches erhielt die Gemeinde einen Zuschuss von 8.000 Mark.
Der Fonds war für die Gebiete eingerichtet worden, die zuvor von französischen und belgischen Truppen besetzt worden waren. Besonders die Ruhrbesetzung von 1923 bis 1925 hatte dort zu großen wirtschaftlichen Belastungen geführt. Mit den Geldern sollten die betroffenen Gemeinden und Menschen unterstützt werden.
Auch Altrip war von den Folgen dieser schwierigen Zeit betroffen. Der Gemeinderat beschloss deshalb, die erhaltenen 8.000 Mark nicht für neue Ausgaben zu verwenden. Das Geld sollte stattdessen zur außerordentlichen Tilgung von Gemeindeschulden eingesetzt werden.
Diese Schulden waren unter anderem durch den Bau des Wasserturms, des Wasserwerks und der Wasserleitung entstanden. Mit dem Zuschuss konnte die Gemeinde ihre finanzielle Belastung etwas verringern.
Doch nicht alle Betroffenen erhielten eine solche Unterstützung.
Zu den Menschen, die unter den Folgen der Besatzungszeit zu leiden hatten, gehörten auch die Pächter der gemeindlichen Gierfähre. Der Fährbetrieb wurde immer wieder, teilweise willkürlich, eingestellt. Außerdem musste die Fähre für Militärtransporte eingesetzt werden. Für die Pächter bedeuteten diese Ausfallzeiten finanzielle Verluste. Einen Ersatz dafür erhielten sie oftmals überhaupt nicht.
So zeigt das Jahr 1927 zwei Seiten der damaligen Zeit: Die Gemeinde Altrip erhielt eine finanzielle Hilfe und konnte damit ihre Schulden verringern. Private Betroffene wie die Pächter der Gierfähre mussten ihre Verluste dagegen oftmals selbst tragen.
Jürgen Hajok (Fakten: Wolfgang Schneider, 2002)




