„… interessanter war die Tracht, die, obgleich sie sich im Großen und Ganzen an diejenige der umliegenden Dörfer anlehnte, doch durch die erwähnte Abgeschlossenheit des Dorfes länger erhielt und in ihrer Volkstümlichkeit auch viel ausgeprägter und exklusiver erschien. „Mitzel“ und armsdicke „Wörscht“ um die Hüften, „schimmerdaffete“ Schürze und die schmucke, besondere Art der Hauben waren charakteristische, zum Teil recht kleidsame Frauentrachten, namentlich war die weiße Bauernhaube mit fliegenden, langen Seidenbändern, wertvollen weißen Spitzen ein reiches und schönes Kleidungsstück; … Am typischsten waren die Altriper Fischer. Wer sie so dastehen sah in ihren malerischen, reichfaltigen schweren Mänteln, den Dreispitz oder den zerdrückten breitkrämpigen Hut auf dem Kopf, den „Fisch=Hamme“ auf den Schultern, … dem lacht noch heute das Herz im Leibe vor Freude an diesem wackeren, urwüchsigen, gesunden Menschenschlage.“
(Quelle: „Altrip – Eine kulturhistorische Studie“ von Hermann Provo, 1907/1910, S. 25)
Die Altriper Tracht (zu den Trachten der Pfalz gehörend) ist tatsächlich ein „untergegangenes Kulturdenkmal“, denn wir haben nur wenige Hinweise. Wir konnten Fotos ausfindig machen und es existiert ein kurzer Text mit sehr rudimentären Angaben zur Altriper Tracht.
Portraitaufnahmen aus Altrip
Die Quellenlage lässt deutlich werden, dass anhand dieser eine Rekonstruktion aller Trachtenteile nicht möglich gewesen wäre. Das „aktuelle“ Trachtenbuch für die Pfalz von Karl-August Becker (1952) ließ uns jedoch neue Mosaiksteinchen aufstöbern: Es führte uns zunächst nach Neuburg am Rhein, ebenfalls ein protestantisches, von seiner Lage her sehr abgelegenes Fischerdorf, das nach Becker zum einen noch viele Originaltrachten besitzt, da bis in die 1960er Jahre hier Trachten getragen wurden und deren Leibchen zum anderen auch ein Hüftpolster hat. Allerdings sind an dem Modell hier links die Schößchen ausgestopft, während wir uns nach Provos Beschreibung und nach Beratung durch Jürgen Hohl zu einer sog. „Leiwel-Worscht“ entschlossen.
In dem Becker-Buch wird davon berichtet, dass im Archiv des Historischen Museums der Pfalz, Speyer einzelne Trachtenteile zu finden sind, u.a. die von Provo beschriebenen Männerhüte: der Dreispitz, der in den unterschiedlichsten Gegenden der Pfalz getragen wurde, und der Nebelsegler, ursprünglich ein Rund- oder Schäferhut (dieser war nicht hochgekrempt), der auf einer oder auf beiden Seiten mit Bändern hochgekrempt war. Des Weiteren orientierten wir uns, was die Schnitte betrifft, an der Männerweste/Gilet und dem Wams (s. Abb.: 1). Ein weiteres Puzzleteil war eine einzige, im Archiv vorhandene schwarze Haube mit fliegenden langen Bändern und Spitzenbesatz, die in Machart und Material als Vorbild zu unserer Haube diente (s. Abb.: 2). Außerdem finden sich im Archiv des Speyerer Landesmuseums noch etliche mit kleinsten Perlchen bestickte Strümpfe und Handschuhe sowie die Einstecktaschen, die unter der Schürze getragen wurden und die wir uns für die Rekonstruktion der Altriper Tracht zum Vorbild nahmen.

Details der Altriper Tracht
Die Tracht der Frauen
Unsere Rekonstruktion der Frauentracht zeigt aller Wahrscheinlichkeit nach eine Bekleidung, wie sie jüngere Frauen sonntags (weiße Schürze, weiße Haube) getragen haben dürften. Sie besteht aus:
- Haube
- Brusttuch
- Mitzel / Säckchen (Jacke)
- Leibchen
- Hemd
- Unterrock
- Schürze
- Strümpfe
- Umbindetasche
- Körbchen

Die Tracht der Frauen in Altrip
Die Tracht der Männer in Altrip
Die verheirateten Männer trugen sonntags den Mantel zum Kirchgang, die übrigen Trachtenelemente wurden wahrscheinlich auch werktags getragen.
- Nebelsegler und Dreispitz
- Wams / Jacke
- Gilet / Weste
- Hemd
- Halstuch
- Hose
- Hosenträger
- Strümpfe

Die Tracht der Männer in Altrip
Weitere umfangreiche Informationen über die Altrip Tracht und ihre Rekonstruktion sind zu finden unter www.altriper-tracht.de.
In memoriam Alois Eitl

