Das leuchtende Täubchen aus dem Kastell

Das leuchtende Täubchen aus dem KastellAltrip hat zwar kein eigenes Museum, aber viele interessante historische Fundgegenstände aus dem Altriper Kastell der Römer oder aus den Kieslagern befinden sich in verschiedenen Museen der Umgebung. So ist das Altriper Bronzelämpchen ein Kleinod unter den frühchristlichen Symbolgütern der Vorderpfalz. In den 1930er Jahren gab es sogar eine Ansichtskarte mit dem Lämpchen, die in der katholischen Kirche in Altrip angeboten wurde.

Viele Städte, ob Trier, Speyer oder Köln, rühmen sich ihrer römischen Wurzeln. Und so ist es auch bei Altrip, dem römischen Alta ripa, wo kein geringerer als Kaiser Valentian I. höchstpersönlich den Bau der Kastellanlage überwachte. Selbst der Plan zur Befestigungsanlage soll seine Handschrift tragen. Wir wissen heute auch, dass die ersten Christen in unserer Heimat römische Soldaten waren. Zur Zeit der Erbauung des Kastells im Jahre 369 war das Christentum im römischen Reich bereits offiziell als Religion anerkannt und wurde 392 gar zur Staatsreligion erhoben. Bekannt ist auch, dass der Feldherr Valentinians, der die die Alemannen bei Catalaunum vernichtend geschlagen hat, ein christlicher General war. Eine im Kastell Alta ripe gefundene Bronzelampe in Gestalt einer Taube wird vielfach als ein frühes christliches Fundstück betrachtet.

Die Taube erinnert etwa an die Noaherzählung, in der sie das Zeichen neuen Lebens nach dem sich verlaufendem Wasser der Sintflut war. Das brennende Öllämpchen erinnert zudem an das Gleichnis im Matthäusevangelium von den zehn Jungfrauen und dem Aufruf zum Wachen und zum Bereitsein. Auch nach der Taufe Jesu im Jordan tat sich der Himmel auf und der Geist kam „gleichwie eine Taube” auf ihn herab. Das schön verzierte Altriper Lämpchen befindet sich heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer und misst gerade mal 10,5 Zentimeter in der Länge und sechs Zentimeter in der Höhe, doch als Zeichen des Jesusgeistes, des Friedens und der Versöhnung hat es mehr als nur Symbolcharakter.

(Wolfgang Schneider | 2003)