Nie eigener Name

Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg war die Altriper Kirche baufällig und 1717 schließlich wurde gemeldet, dass die Kirche an Dach, Türen und Fenstern sowie Stühlen sehr schadhaft sei. 1739 wird gar berichtet, dass das romanische Kirchenschiff nahezu verfallen wäre. Der alte Kirchturm hingegen, der der Rheinschifffahrt als Orientierungspunkt und Distanzmesser diente, hat die Wirren der Zeit gut überstanden.

Nach langen Verhandlungen mit dem Domkapitel Speyer wurde in den Jahren 1751-1754 ein neues Kirchenschiff gebaut. Der Architekt Johann Georg Hotter aus Speyer errichtete auf den alten Grundmauern der vormals katholischen Kirche Sankt Peter einen schlichten barocken Saalbau für die reformierte Kirchengemeinde.

Als die Kirchenbauarbeiten in der 250-Seelengemeinde aufgenommen wurden, hatte gerade der Bäcker- und Bierbrauersohn Gerhardus Lang aus Bacharach die neue Stelle des Pfarrers angetreten. Mit Stolz konnte er im Jahr 1754 die neue, fast 20 Meter lange und nahezu zehn Meter breite Kirche in die Obhut seiner Gemeinde nehmen.

Zu einer Pfarrei gehörte auch Neuhofen und Rehhütte. Ob er sich beim Kirchenbau gesundheitlich verausgabte oder ihm die verheerenen Hochwasserzeiten der Jahre 1751, 1754, 1755 und 1756 so sehr zusetzten oder die langen und tiefengrundigen Wege nach Neuhofen und Rehhütte, wissen wir nicht. Er starb jedenfalls mit 35 Jahren.

30 Jahre später konnte der Ortsgeistliche auch in ein repräsentatives zweigeschossiges Pfarrhaus einziehen, das familiengerecht und hygienisch allen Ansprüchen der damaligen Zeit genügte und noch heute das Domizil des Pfarrers ist.

Am 27. November 1891, nachmittags gegen 14 Uhr, verkündeten die Sturmglocken den Brand der protestantischen Kirche in Altrip. Entsetzen herrschte unter der Bevölkerung als mächtige Rauchwolken die Luft verfinsterten und riesige Feuerschwaden aufstiegen. Bis auf die mächtigen Umfassungsmauern wurde die Kirche ein Raub der Flammen.

Gottlob blieb aber der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende romanische Kirchturm unversehrt. Der eigenartige aus Bruchsteinen erbaute Turm ist quadratisch angelegt und steht auf einer Grundfläche von lediglich 14,44 Quadratmetern. Der Turm hat vier Geschosse und einen achteckigen Helm aus Backsteinen. Den Helm nennt man auch Wormser Zuckerhut-Helm, weil solche Kirchturmspitzen besonders in der Wormser Diözese vorkommen.

So oft auch das Kirchenschiff im Laufe der Jahrhunderte vernichtet und wieder errichtet wurde, der Turm selbst war nie Portalturm, sondern stand stets an der Nordseite des Chores. Nach dem Kirchenbrand entstand 1894 die Kirche noch schöner, erhielt sie die noch heute funktionierende Orgel und gar drei Glocken anstelle der bisherigen zwei. Einen eigenen Namen erhielt die 1574 reformierte Pfarrkirche übrigens nie.

(W. Schneider | 2004)