Steine erinnern an römische Besatzung

Es ist nahezu ein Phänomen, dass es weder in Deutschland noch in Frankreich irgendwelche Ressentiments gegen die über 400 Jahre währende römische Besetzung gibt.

Ganz im Gegenteil. Viele Orte, so auch Altrip, rühmen sich ihrer römischen Wurzeln, hegen und pflegen deren Hinterlassenschaften und bedauern lebhaft, dass es nicht mehr davon gibt. Die „Schmach der Besatzung” fehlt dabei nicht etwa wegen des zeitlich langen Abstand zu den Ereignissen oder weil es den Begriff der deutschen und französischen Nation damals noch nicht gab, sondern weil die Bewunderung über die staatspolitischen, kulturellen und auch militärischen Leistungen überwiegt.

Ein Leugenstein aus der römischen Festung Alta Ripa (hohes Ufer)  in der zahlreiche Leugensteine gefunden wurden. Sie stammten von anderen Stellen und wurden als Mauersteine der Römerfestung in sekundärer Verwendung genutzt.Ein Leugenstein aus der römischen Festung Alta Ripa (hohes Ufer) in der zahlreiche Leugensteine gefunden wurden. Sie stammten von anderen Stellen und wurden als Mauersteine der Römerfestung in sekundärer Verwendung genutzt.In das Kastell „alta ripa” wurden Meilensteine gleich von sieben römischen Kaisern eingemauert, die einst an er berühmten Rheinstrasse zwischen Lauterburg und Worms standen. Sie alle künden allerdings vom wenig ruhmreichen dritten Jahrhundert, in dem hauptsächlich die sogenannten Soldatenkaiser lebten, die beinahe alle eines gewaltsamen Todes starben. Gäbe es nur diese Herrscherperiode, so würde sich heute wohl kaum eine deutsche Gemeinde auf die Römer berufen oder sie gar bewundern.

Der älteste Meilenstein im „alta ripa” war dem Afrikaner Septimius Severus (193-211) gewidmet. Er besiegte die Partner und hatte auch Erfolge in Britanien. Seine Lieblingsprovinzen waren Syrien und Afrika, was zu einer zunehmenden Bedeutung von Karthago führte. Ein weiterer Stein wurde für Alexander Severus (222-235) gefertigt. Dieser Kaiser stand unter dem Einfluss seiner Mutter Julia Mammaea, die die Regentschaft führte. Soldaten in Mainz erschlugen bei einer Meuterei Mutter und Sohn. 

Ein weiterer Stein erinnert an den blutrünstigen Trajanus Decius (249-251), der kurz nach seinem Amtsantritt allen Reichsbewohnern befahl, für die Ehre des Reiches den alten Göttern zu opfern und sich dies von einer speziell gebildeten Kammer bestätigen zu lassen. Unter Decius kam es zur ersten allgemeinen Christenverfolgung. Zuvor gab es meist nur begrenzte Verfolgungsaktionen, wie etwa im Jahre 64 unter Nero. Decius verlor übrigens im Kampf gegen die Goten sein Leben. Auch ein Rebellenkaiser, nämlich Postumus (258-267), der das gallische Separatreich schuf und in Trier residierte, wurde als Stein im Altriper Kastell „verbuddelt”. Postumus wurde von seinen eigenen Soldaten in Mainz erschlagen.

Die Zeiten waren insbesondere für Menschen christlichen Glaubens schwer. Gallienius (260-268), der von seinem Vater, dem Christenverfolger Valerian, zum Mitkaiser eingesetzt wurde, verhalf allerdings mit seinem Toleranzedikt den Christen zu einer 40-jährigen Friedenszeit.

Er war es auch, der das römische Reich stabilisierte, das einen ständigen Mehrfrontenkrieg führen musste. Er schuf eine bewegliche Reservearmee und ein großes Reiterkorps nach persischem Vorbild. Carus (282-283) war zwar siegreich gegen die Perser, doch auch er und seine Söhne wurden „gemeuchelt”.

Der Sklavensohn Diocletian (284-305) der den Schwiegersohn von Carus mit dem Schwert niederstach, weil er den Sohn des Kaisers ermordet hatte, wurde daraufhin von den begeisterten Soldaten zum Kaiser erhoben. Diocletian verlangte wie ein Gott verehrt zu werden, dezentralisierte das Reich, ergriff Maßnahmen gegen die galoppierende Inflation und läutete 303 die schwerste Christenverfolgung ein.

Alle diese kaiserlichen Bösewichte wurden im Jahre 369 von Kaiser Valentinian I. in sein Bollwerk „alta ripa” eingemauert. Die römische Besatzung des Kastelles war von christlicher Gesinnung, denn Kaiser Konstantin hatte 313 das Christentum anerkannt und die alten Götter, insbesondere den Sonnengott Sol, nach und nach verbannt.

(Text: W. Schneider, 2004 |  Foto: https://db.edcs.eu/)
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