Historischer Roman über Römerzeit

Im Jahr 1884 begannen die ersten systematischen Grabungen nach dem Kastell „alta ripa” und im gleichen Jahr veröffentlichte Adolf Hausrath, ein zu jener Zeit wohl bekannter Heidelberger Professor, Doktor der Theologie und der Philologie, den historischen Roman „Jetta” aus der Zeit der Völkerwanderung. Er schrieb unter den Pseudonymen George Taylor und Konrad Mähly.

Der Roman mit 525 Seiten in 31 Kapiteln spielt zu Zeiten der Römer in und um Altrip. Der Stoff zu dem Werk ist dem römischen Autor Ammianus Marcellinus entnommen und viele Personen der Zeitgeschichte finden sich bei „Jetta” wieder. In dem spannend geschriebenen Gesichtswerk erfährt der Leser viele Details aus der Zeit des Aufenthalts von Kaiser Valentinan I. in alta ripa und vor allem von dem militärischen Unternehmen, das hier seinen Ausgang nehmen sollte und das große Ziel verfolgte, die 100 Jahr zuvor durch den Fall des Limes verloren gegangene direkte Verbindung zur Donau wieder herzustellen. Das Vorhaben scheiterte.

Dieses Vorhaben, und darin liegt die große Bedeutung für die deutsche Geschichte, war der letzte Versuch der Römer, sich dauerhaft auf dem rechten Rheinufer festzusetzen. Taylor schildert vor allem zwei Frauen, nämlich Justina, die zweite Ehefrau des Kaisers und Jetta, der Tochter des Arators, deren Geliebter Rothari, ein Sohn eines Alamannenkönigs, war. Rothari und sein Söhnchen erliegen der Rache der Römer und ihres Augustus Valentinian. Die von christlichen Priestern aufgehetzten Alemannen vertreiben Jetta aus ihrem Asyl und auch sie erliegt am Neckar ihrem blutigen Geschicke, indem sie von einem Rudel Wölfe zerfleischt wird. Gratian, der Sohn von Valentinian aus erster Ehe, der gar vom Vater zum Mitkaiser erhoben wurde, wollte sie in seinem kindlichen Gemüt aus der römischen Verbannung erlösen und sie zu seiner Geliebten machen. Doch er kam zu spät. Er konnte nur noch die entstellte Leiche, von der lediglich das schöne Antlitz unverletzt geblieben war, unter schattigen Bäumen bestatten.

Heute, wo das Gelände auf der Halbinsel durch die Rheinkorrekturen und durch mannigfache Eingriffe in das Landschaftsbild stark verändert ist, mutet die Bezeichnung „alta ripa” - hohes Ufer - seltsam an. In römischer Zeit aber, auch noch im Mittelalter, sprang von dem nordsüdlich ziehenden Hochufer von Rheingönheim nach Altrip eine fünf Kilometer lange Halbinsel in westöstlicher Richtung aus dem Diluvialrand vor und traf auf die rechtsrheinische Geländeschwelle im Bereich des heutigen Rheinaus, durch die sich der Rhein zwängte. Durch das enge Zusammenrücken zweier Hochufer fanden die Römer hier einen idealen Übergang über den Rhein. Hinzu kam, dass gegenüber dem Waffenplatz alta ripa der Neckar in den Rhein mündete. Für Valentinian ein hervorragender Ausgangspunkt für seinen Feldzug gegen die Germanen. Zumal er hier einen Hafen und eine Brücke für die Rheinflotte anlegen ließ. In Taylor”s „Jetta” heißt es denn auch in der Einleitung: „Neckar und Rhein hießen damals Nicer und Rhenus. Dem Nicer war soeben schwere Unbill widerfahren; Kaiser Valentinianus beschuldigte den alamannischen Strom, dass er mit seinem gewaltigen Wellenschlage die Fundamente des römischen Bollwerks vor alta ripa unterwasche. Darum hatte er ihn aus seinem alten Bette geworfen und ihm ein neues gegraben.” 

Info:
„Jetta” von George Taylor, 1884, Verlag von S. Hirzel in Leipzig, ist in der Landesbibliothek Speyer im Lesesaal einzusehen.

(W. Schneider | 2004)