Im Mittelalter waren Edelfische königliches Gut

Fangstellen werden seit dem 9. Jahrhundert überliefert - Stör und Salm besonders gefragt

Mit dem Jagdrecht war in der jungen Frankenzeit auch der Fischfang verbunden. Doch in der Fürstenzeit wurde die Jagd zum Regal und damit zum Vor- und Alleinrecht des Königs. So erhob der Landesherr insbesondere Anspruch auf das „höhere und edle Wild” und die edlen Fische, wozu Salm und Stör gehörten.

Huldvoll wurde das Recht des Salmfangs vom Landesherrn an Edle, Bischöfe und Klöster vergeben. Und so erhielt auch die Benediktinerabtei in Prüm das Fischereirecht für ihr vornehmes Tochterkloster St. Goar und ihre Cello Altrip. Im frühen Mittelalter, zu Lebzeiten des Geschichteschreibers Regino (um 840 bis 915) sind mehrere Salmfangstellen (Fänge) bei Altrip überliefert. Nach dem von den Merowingern in der „Lex Salica” niedergeschriebenem Recht wurden für die Fischerei Stellnetze, Hebe- und Zugnetze sowie Aalnetze erwähnt. Eine besondere Art der Fischerei war die Vennefischerei, bei der im Strom Wehre errichtet wurden, die nur schmale Pässe als Durchgang beließen, um die Fische mit Netzen und Reußen zu erbeuten.

Die erste umfangreiche Beschreibung der Fischwelt im Rhein hat im späten Mittelalter die heilige Hildegard von Bingen in ihrem Werk „Physica” beschrieben und die heimischen Fischarten auch mit deutschen Wörtern benannt. Der Fischreichtum in unserer Umgebung führte auch zu vielen Begehrlichkeiten. So hat 1106 der Wormser Bischof gar für 23 namentlich genannte Fischer, zwischen Altrip und Sueltheim, das schon vor dem Jahre 1200 wohl vom Rhein verschlungen wurde und vermutlich in der Nähre von Worms lag, ein Erbfischereiamt eingerichtet. Die Fischgewässer wurden an Beständer (Pächter) verliehen.

Neben der an Weihnachten zu zahlenden Pacht musste außerdem ein „starker” Salmenfisch und eventuell erbeutete Störe an die Heidelberger Küchenschreiberei abgeliefert werden. Die Fischereiberechtigten durften nur die gewöhnlichen Fische für sich verwerten. Die „besseren” Fische, also die Bann- oder Präsentfische mussten abgeliefert oder aber dem Landes- oder Grundherrn zum Kauf angeboten werden. Solch ein Präsentfisch war für die Altriper nicht nur der Stör, sondern zeitweise auch der Karpfen, Hecht, Salmen und Lamprieden.

Neben den uralten und billig zu erstehenden oder anzufertigenden Fanggeräten von Angeln, Stecheisen und kleinen Netzen kam im Mittelalter insbesondere noch der Fang mit Zugnetzen von Nachen aus sowie der Fang mit Reußen zur Anwendung. Die Fischerei mit Zugnetzen und mit Fischwehren bedurfte wiederum der landesherrlichen Erlaubnis, da damit auch noch andere Rechte verbunden waren, so das Weidenschneiden am Ufer. Die Fischwehre wurden in der Regel durch Hörige im Frondienst errichtet und unterhalten.

Altriper Fischer bei der ArbeitAltriper Fischer bei der ArbeitDer Salm stand von jeher als Leckerbissen bei allen Rheinuferbewohnern in hohem Ansehen. Das durchschnittliche Gewicht betrug fünfzehn bis zwanzig Pfund, doch konnten ausgewachsene Tiere auch bis zu neunzig Pfund schwer und bis zu 1.50 Meter lang werden. Der Salm war im Rhein als Springer mit beachtlicher Kraft bekannt, der Hindernisse in Bögen von etwa zwei Metern Höhe überwinden konnte und bis zu sechs Meter weit vorwärts schnellte. Zum Leichen sucht er sich keine stehende Gewässer oder sumpfige und sandige Stellen aus, sondern klares, fließendes Wasser mit kiesigem Untergrund, wo er sich mit dem Schwanz ein Loch im Kiesboden aushöhlte.

Die Altriper stellten ihm nach, indem sie entweder mit dreizackigen Fischgabeln oder mit großen Zugnetzen Jagd auf ihn machten. Stör und Salm kamen etwa zeitgleich in unsere Gegend „gewandert”. Der Stör, der immerhin zwei Meter lang werden konnte, war etwas schwerer einzufangen, da er sich im Schlamm fortbewegte. Festgelegt war, dass die Aus- und Rückfahrt der Flussfischer beim Morgen- und Abendläuten stattzufinden hatte. Die Nachtfischerei war strengsten verboten. Eine besondere Art der Fischerei war die „Eisfischerei”. Bei Altrip/Neckerau ist ein solcher Eisbruch überliefert, wobei es sch um ein stehendes und relativ seichtes und daher schnell zufrierendes Wasser handelte. In das Eis wurden große Löcher gebrochen, die mit Netzen umstellt wurden. Durch Aufstampfen auf dem Eis wurden die aufgeschreckten Fische zur offenen Wasserstelle getrieben.

(Quelle: Wolfgang Schneider | 2005)
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