Feier mit Glockengeläut

Postkarte aus dem Jahr 1930 mit der Beschriftung: "Befreiung von der franz. Besatzung. Einholen der Trikolore am Ludwigshafener Brückenkopf" (Quelle: rlp.museum-digital.de). Im Hintergrund ist der „alte“ Ludwigshafener Pfalzbau zu erkennen (heute: Berliner Platz).''Sie kamen als Feinde und gingen als Freunde'', so hieß es 1999 zum Ende des 20. Jahrhunderts, als in Rheinland-Pfalz die französischen Truppen abzogen, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 hier stationiert waren.

Am 30. Juni 1930 war das anders: Als damals der letzte französische Soldat die Pfalz verließ, läuteten um Mitternacht die Glocken aller Kirchen, und das Geläute des Speyerer Doms wurde im Rundfunk übertragen.

Überall fanden ''Befreiungsfeiern'' statt. Altrip, das damals als einzige Gemeinde des Landkreises Ludwigshafen am Rhein lag, hatte zwölf Jahre hinweg durch seine Grenzlage besonders gelitten. Betroffen waren vor allem die ''Grenzgänger'' über die Rheinfähre. Lange vor der mitternächtlichen Stunde auf den 1. Juli 1930 versammelte sich eine große Menschenmenge auf dem Altriper Messplatz, darunter auch viele Neckarauer und Rheinauer. Eine halbe Stunde vor Mitternacht setzte das Glockengeläute der protestantischen Kirche ein. Alle Vereine und Fahnenabordnungen rückten an ein provisorisch errichtetes Podest heran, als die Musik das Niederländische Dankgebet spielte.

Stumm und ergriffen hörte die Versammlung den Massenchor aller Altriper Gesangvereine mit ''Die Mahnung'' und ''Nun danket alle Gott''. Nach ''Flamme empor'' hielt der zweite Bürgermeister Ludwig Hört eine Rede, die er mit ''Deutschland, unser Deutschland soll leben. Hoch, Hoch, Hoch!'' beendete und in die alle Anwesenden aus einer Totenstille heraus kräftig mit einstimmten. Nach dem Absingen des Deutschlandliedes wurde am Messplatz eine junge Eiche gepflanzt, die seither ''Friedenseiche'' heißt. Sie steht dort heute noch.

Ein gewaltiger Fackelzug unter Führung der Kapelle Weber und des Trommler- und Pfeiferkorps der Freiwilligen Feuerwehr Altrip bewegte sich anschließend durch die beflaggten Ortsstraßen hinaus zum Rhein. In Höhe des Altrheins war ein fünf Meter hoher Holzstoß mit Reisig aufgetürmt, den Altbürgermeister Ignatz Baumann entzündete. Die Flammen des ''Befreiungsfeuers'' leuchteten bis in das Badner Land hinein und am rechtsrheinischen Ufer standen viele Schaulustige auf den Gleisanlagen der Hafenbahn. Und noch am 13. Juli 1940 gab es mit einem Feldgottesdienst im Altriper Waldpark eine Fortsetzung der Befreiungsfeier, bei der ein Schülerchor das ''Lied vom Rhein'' vortrug.

(Jürgen Hajok | 2020 / Quelle: Wolfgang Schneider | 2000)
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